Eine nackte Frau vom Dekolletee aufwärts: Sie hat gepflegte Haut, Haare und Nägel und hält ihre Hände seitlich ans Gesicht.© Antonio_Diaz/iStock/Getty Images Plus
Schöne Haut, Haare und Nägel durch Biotin? Da lohnt sich ein genauerer Blick.

Vitamine im Check

BIOTIN KANN MEHR ALS SCHÖNE HAARE

Das Vitamin Biotin ist vor allem wegen seiner Wirkung auf die Schönheit bekannt – und wird häufig dafür supplementiert. Doch das B-Vitamin hat weitere wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Wann es wichtig ist zu supplementieren und wann es problematisch wird, erfahren Sie hier.

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Biotin ist als Vitamin B7 Teil des wasserlöslichen B-Vitaminkomplexes und weithin als das Schönheitsvitamin bekannt. Fragen Ihre Kund*innen nach B-Vitaminen, wollen Sie in der Regel etwas für ihr Nervenkostüm oder ihren Energiehaushalt tun. Fragen sie hingegen nach Biotin, wünschen sie sich gesunde Haare und Nägel.

Doch Biotin ist in zahlreiche Stoffwechselabläufe eingebunden, zum Beispiel bei der DNA-Replikation oder im Kohlenhydratstoffwechsel. Biochemisch betrachtet dient Biotin als Coenzym von Carboxylasen. Das sind Enzyme, die Carboxylgruppen in chemische Verbindungen einbauen und diese dadurch aktivieren. (Beispiele sind die Acetyl-CoA-Carboxylase, ein wichtiges Enzym der Fettsäuresynthese, oder die Pyruvatcarboxylase, das Schlüsselenzym der Gluconeogenese.) Ohne Biotin würden also zentrale Abläufe, die uns Energie liefern, nicht ablaufen. Auch die Hämsynthese oder die Synthese wichtiger Neurotransmitter käme zum Erliegen.

Biotin für schöne Haare und Nägel

Dennoch wird Biotin als Nahrungsergänzung meist dann verlangt, wenn es um die Schönheit geht. Zahlreiche Produkte versprechen tolle Haut, schönere Haare und festere Nägel durch die Einnahme von Biotin. Daher trägt es auch den historischen Beinamen „Vitamin H“. Als Forschende das B-Vitamin entdeckten, fanden sie es im Zusammenhang zu gesunder Haut, Haaren und Nägeln.

Denn der Körper benötigt Biotin für die Produktion von Keratin, einem elastischen Protein (Hornstoff) in Haaren und Nägeln. Unsere Haare bestehen zu 90 Prozent aus Keratinschichten, die sich um das Haarmark lagern und zu dem äußeren Erscheinungsbild der Haare beitragen.  Biotin beeinflusst den Fett-, Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel der hornbildenden Zellen der Oberhaut (Keratinozyten) und damit die Keratinsynthese für Haare und Nägel.

Biotin-Mangel: Gründe und Symptome

Ein klinischer Biotin-Mangel lässt sich äußerlich erkennen, denn Betroffene entwickeln häufig hartnäckige Bindehautentzündungen und Hautentzündungen rund um die Körperöffnungen, also im Bereich von Mund, Nase oder Rektum. Auch Haarausfall kann ein Hinweis sein, ebenso wie Lethargie, Depressionen, Kribbeln in den Extremitäten, Hypotonie oder eine Fettleber.

Die Symptome stellen sich erst nach Monaten bis Jahren unter einer biotinfreien Ernährung ein. Wahrscheinlicher ist ein genetisch bedingter Enzymdefekt ursächlich für die Beschwerden.

Häufiger ist ein latenter Mangel. Das bedeutet, dass erniedrigte Blutspiegel messbar sind, aber keine Symptome auftreten. Ein Biotin-Mangel kann sich einstellen bei:

  • Rauchen
  • hohem Alkoholkonsum (Alkoholkrankheit)
  • Mangelernährung/Unterernährung
  • chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • in Schwangerschaft oder Stillzeit
  • Senioren
  • Extremsportlern

Biotin – da steckts drin
Biotin kommt in den meisten Lebensmitteln vor, wenn auch in geringer Konzentration oder verminderter Bioverfügbarkeit. Leber oder Hefe sind besonders Biotin-reich, spielen für die tägliche Ernährung allerdings eine untergeordnete Rolle. Zu den relevanten Biotin-Quellen zählen Eier, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte sowie Milch und Milchprodukte.

Biotin als Nahrungsergänzung

Für den täglichen Biotin-Bedarf existieren lediglich Schätzwerte. Daran tragen verschiedene Stolpersteine Schuld, unter anderem, dass Mangelsymptome erst spät auftreten. Die Werte liegen für

  • Kinder je nach Alter zwischen 10 und 30 µg/Tag,
  • Erwachsene zwischen 30 und 60 µg/Tag,
  • Schwangere und Stillende zwar auch zwischen 30 und 60 µg/Tag, doch zählen sie zur Risikogruppe, bei der häufig ein Biotin-Mangel auftritt und frühzeitig ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollte.

Im Schnitt ist die deutsche Bevölkerung sehr gut mit Biotin versorgt. Lediglich jede zehnte erwachsene Person erreicht die empfohlene Zufuhr nicht.

Vorsicht bei einer Blutabnahme
Kund*innen, die Biotin als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten Sie empfehlen, die Praxis über die Einnahme zu informieren und das Nahrungsergänzungsmittel zwei bis drei Tage vor der geplanten Blutabnahme zu pausieren.
Der Grund: Durch die Einnahme von Biotin können Labortests verfälscht werden, was im schlechtesten Fall zu falschen oder verzögerten Diagnosen führen kann. Das betrifft die Abnahme von Schilddrüsenhormonen, Sexualhormonen und Herz-Kreislauf-Markern wie Troponin. Freies Biotin besetzt freie Stellen des Markerproteins, was eine quantitative Bestimmung des eigentlichen Targets (z.B. TSH) erschwert.

Hilft Biotin dennoch, zum Beispiel gegen brüchige Nägel?

Wer Biotin als Nahrungsergänzungsmittel für Haut und Nägel einnehmen möchte, dem sollten Sie erklären, dass die Gründe von Haarverlust unterschiedlich sein können und von Eisenmangel über Schilddrüsenerkrankungen bis hin zu hormonellen Schwankungen reichen.

Die Studienlage bei Haarverlust – der nicht durch einen Biotin-Mangel bedingt ist – ist schwach. Daher dürfen entsprechende Nahrungsergänzungsmittel auch nur mit diesem Satz werben: „Biotin kann einen Beitrag zum Erhalt normaler Haut und Haare leisten“.

Gleiches gilt für die Nagelstärkung: Die Annahme, dass das B-Vitamin zu festeren Nägeln führe, kommt von der Beobachtung, dass kranke Hufe von Pferden gut mit Biotin behandelt werden konnten – einen signifikanten Zusammenhang bei menschlichen Nägeln gibt es bislang nicht.

Bei einem nachgewiesenen Biotin-Mangel bessern sich die Symptome an Haaren und Nägeln nach etwa acht bis zwölf Wochen durch Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels.

Quellen:
dpa
Hans Konrad Biesalski: „Vitamine, Spurenelemente und Minerale: Indikation, Diagnostik, Therapie“, Thieme Verlag. 2.Auflage 2019.
https://www.naturpharmazie.de/nachrichten/biotin-kurbelt-keratinbildung-an/
https://flexikon.doccheck.com/de/Biotin
https://www.skinident.world/fileadmin/downloads/Unternehmen/prom.pdf
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/sorgt-biotin-fuer-gesunde-haut-glaenzende-haare-und-feste-naegel-13635

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