Jodversorgung
LUGOL’SCHE LÖSUNG ALS NEUER TREND: FACHLEUTE WARNEN VOR RISIKEN
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Auf Social Media ist die sogenannte Lugol’sche Lösung derzeit im Trend: Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram wird die Lugol’sche Lösung als neue Nahrungsergänzung für die Jodversorgung gepriesen.
Nutzer*innen empfehlen dort teilweise eine regelmäßige Einnahme mehrmals pro Woche oder sogar täglich in Tropfenform. Fachleute schlagen jedoch Alarm, denn die Lugol’sche Lösung ist kein harmloser neuer Trend, sondern kann bei Einnahme schwere Störungen der Schilddrüse verursachen.
Warum ist die Lugol’sche Lösung gerade im Trend?
Die Lugol’sche Lösung wird aktuell als Allrounder für die Gesundheit gehandelt, denn der neue Trend sei angeblich gut für die Schilddrüse und das Immunsystem. Besonders wird die Lugol’sche Lösung in den sozialen Netzwerken als Trend Nahrungsergänzung für die Jodversorgung gefeiert. So wird behauptet, sie könne einen Jodmangel ausgleichen und die Schilddrüse unterstützen.
Hintergrund für den Trend um die Lugol’sche Lösung ist unter anderem die Diskussion um eine rückläufige Jodversorgung in Deutschland. Tatsächlich ist Jod ein lebenswichtiges Spurenelement. Der Körper benötigt es zur Bildung der Schilddrüsenhormone, die unter anderem den Stoffwechsel, das Wachstum sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen.
Warum die Lugol’sche Lösung keine Nahrungsergänzung ist
Woraus genau besteht eigentlich der neue Supplement Trend: Die Lugol’sche Lösung besteht aus Wasser, elementarem Jod und Kaliumjodid. Problematisch ist dabei aber die hohe Jodkonzentration: Bereits ein Tropfen einer fünfprozentigen Lösung enthält etwa 6300 Mikrogramm (µg) Jod.
Zum Vergleich: Die empfohlene tägliche Jodzufuhr für Erwachsene liegt bei rund 150 µg.
Expert*innen betonen deshalb, dass die Lugol’sche Lösung nicht zur eigenständigen Nahrungsergänzung geeignet sei und einen gefährlichen Trend der Gesundheits- und Lifestylecommunity auf Social Media verkörpere. Zugelassen ist die jodhaltige Lösung vor allem zur äußeren Anwendung, beispielsweise als Antiseptikum oder Desinfektionsmittel. Selbst dabei wird sie nur eingeschränkt eingesetzt, da elementares Jod auch über die Haut aufgenommen werden kann. Sie kennen die Lösung natürlich vor allem aus dem Labor für den klassischen, qualitativen Stärkenachweis.
Der medienaktive Kinder- und Jugendarzt für Endokrinologie Klaus-Peter Liesenkötter warnt ausdrücklich vor dem Trend in den sozialen Medien: Die Lugol’sche Lösung eigne sich nicht als Nahrungsergänzung für die Jodversorgung.
Diese hohe Konzentration an Jod kann erhebliche Auswirkungen auf die Schilddrüse haben. Im schlimmsten Fall drohen durch den Lugol’sche Lösung Trend auf Social Media schwere Funktionsstörungen oder eine Blockade des Organs.
Welche Folgen eine Überdosierung durch den Lugol’sche LösungTrend haben kann
Durch einen solchen Trend auf Social Media kann es dazu kommen, dass Menschen tatsächlich Produkte, wie die Lugol’sche Lösung einnehmen. Mit der Folge, dass eine übermäßige Jodaufnahme die Schilddrüse blockieren kann. Dabei kann es kurzfristig zu einer teilweise schweren Hypothyreose kommen. Besonders gefährlich ist dies für Menschen mit bestehenden Schilddrüsenerkrankungen.
Bei Menschen mit autonomen Adenomen oder einer Autoimmunthyreoiditis kann nach einer anfänglichen Blockade auch das Gegenteil eintreten: eine Hyperthyreose. Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind unter anderem Herzrasen, Unruhe, Gewichtsverlust und Schlafstörungen.
Der Trend rund um die Lugol’sche Lösung birgt demnach ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, insbesondere für Menschen mit bestehenden Schilddrüsenerkrankungen!
Gerade weil frei verkäufliche Produkte in den sozialen Medien oft als „natürlich“ und somit irreführenderweise harmlos dargestellt werden, besteht hierbei ein erhöhtes Risiko für Fehleinschätzungen. Die Lugol’sche Lösung ist somit kein Trend, dem man folgen sollte und definitiv keine geeignete Nahrungsergänzung, um die Jodversorgung zu decken.
Weitere Trends auf Social Media:
Ist die Jodversorgung in Deutschland schlechter geworden?
Tatsächlich zeigt die aktuelle Diskussion über den Lugol’sche Lösung Trend, dass sich immer mehr Menschen Gedanke um ihre Jodversorgung machen. In Deutschland hat sich die Versorgungssituation in den vergangenen Jahren verschlechtert. Aktuelle Untersuchungen legen dar, dass dies unter anderem am rückläufigen Einsatz von Jodsalz in Privathaushalten und in der Lebensmittelproduktion liegen kann.
Auch veränderte Ernährungsgewohnheiten spielen eine Rolle: Viele Menschen konsumieren weniger tierische Produkte (vor allem aus dem Meer), wodurch ihnen wichtige Jodlieferanten fehlen. Pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Sojadrinks enthalten häufig kein zusätzliches Jod. Hinzu kommt, dass Bio-Produkte meist nicht mit Jod angereichert werden.
Dennoch bedeutet eine mögliche Unterversorgung nicht automatisch, dass hochkonzentrierte Jodlösungen sinnvoll – oder wie beim Trend um die Lugol’sche Lösung – ungefährlich sind.
Ohne Nahrungsergänzung: So lässt sich die Jodversorgung ohne Lugol’sche Lösung sicherstellen
Eine ausreichende Jodversorgung gelingt in den meisten Fällen über eine ausgewogene Ernährung. Als wichtigste Quelle gilt Jodsalz. Bereits kleine Mengen können einen großen Beitrag zur täglichen Versorgung leisten.
Besonders jodreich sind außerdem Seefisch, Meeresfrüchte und einige Algenarten. Bei Algen ist jedoch Vorsicht geboten, da manche Sorten extrem hohe Jodmengen enthalten können.
Die Jodversorgung lässt sich also auch decken ohne den Trend rund um die Lugol’sche Lösung zu folgen: Denn auch Milchprodukte und Eier gelten als wichtige Quelle- vorausgesetzt, die Tiere wurden mit jodhaltigem Futter versorgt. Zudem enthalten viele verarbeitete Lebensmittel Jod, wenn bei der Herstellung Jodsalz verwendet wurde. Mittlerweile sind auch einige pflanzliche Milchalternativen mit Jod angereichert.
Für Verbraucher*innen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Zutatenliste, denn dabei wird schnell klar, dass die Deckung der Jodversorgung auch ganz ohne die Lugol’sche Lösung oder eine andere Trend Nahrungsergänzung auskommt.
Neue Empfehlungen zur Jodversorgung
Die Diskussion um den aktuellen Lugol’sche Lösung Trend wirft Licht auf die offiziellen Empfehlungen zur Jodversorgung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Österreichische Gesellschaft für Ernährung haben ihre Empfehlungen zuletzt angepasst. Für die meisten Altersgruppen wurden die Referenzwerte gesenkt, da sie inzwischen stärker am tatsächlichen Bedarf orientiert werden.
Für Erwachsene gelten weiterhin 150 µg Jod pro Tag als ausreichend – ein Wert, der auch von der World Health Organization unterstützt wird. Studien zeigen, dass diese Menge in der Regel ausreicht, um eine normale Schilddrüsenfunktion sicherzustellen. Auch ohne die Lugol’sche Lösung oder andere Mittel zur Nahrungsergänzung, die der nächste risikobehaftete Trend auf Social Media sein könnten.
Lediglich für Säuglinge bis vier Monate wurde die Empfehlung erhöht: Sie sollen künftig 80 µg Jod täglich erhalten, da ihr Bedarf durch das Wachstum und die Entwicklung des Nervensystems besonders hoch ist.
Fazit: Lugol’sche Lösung als neuer Nahrungsergänzung
Der aktuelle Hype auf Social Media um die Lugol’sche Lösung als vermeintliche Nahrungsergänzung zeigt einmal mehr, wie schnell sich ein gefährlicher Trend online verbreiten kann. Auch wenn Jod für den Körper essenziell ist, bedeutet das nicht, dass hochdosierte Präparate automatisch sinnvoll sind. Gerade die Lugol’sche Lösung birgt aufgrund ihrer hohen Konzentration erhebliche Risiken für die Schilddrüse und eignet sich nicht zur eigenständigen Nahrungsergänzung oder als Trend für die Jodversorgung.
Für PTA kann der neue Trend um vermeintliche Nahrungsergänzungsmittel deshalb ein Anlass sein, dieses wichtige Beratungsthema rund um die Lugol’sche Lösung in den Apothekenalltag aufzunehmen. Insbesondere bei Kund*innen, die sich durch einen solchen Trend verunsichern lassen oder nach „natürlichen“ Alternativen für ihre Jodversorgung suchen- und dann im Internet die Lugol’sche Lösung empfohlen bekommen.
Quellen:
https://www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/naehrstoffe/salz
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/lugolsche-loesung-als-nahrungsergaenzung-nicht-geeignet
https://www.verbraucherzentrale.de/faq/lebensmittel/ist-lugolsche-loesung-sinnvoll-zur-Jodversorgung-118032












