Longevity
VITAMINE BEEINFLUSSEN BIOLOGISCHES ALTER
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Epigenetische Muster auf unserer DNA bestimmen, in welchem Ausmaà welche Gene abgelesen werden. WÀhrend unsere DNA-Sequenz starr ist, können epigenetische Muster sich verÀndern: ErnÀhrung, Stress, Umweltfaktoren, Rauchen und Bewegung beeinflussen das Epigenom und damit das biologische Alter.
FĂŒr einige dieser Faktoren belegten Untersuchungen bereits, dass sie im Zusammenhang mit Alterungsprozessen und der damit verbundenen Gesundheit stehen. Epigenetische Uhren nennen Forschende diese bereits bekannten Strukturen. Zwei Menschen, die beide genau 80 Jahre alt sind, können unterschiedliche epigenetische Muster tragen. Das wiederum beeinflusst ihr biologisches Alter, sie leben also â so die Theorie â unterschiedlich lang und gesund.
Das biologische Alter beeinflussen: Epigenetische Uhr zurĂŒckdrehen
Wie lassen sich diese epigenetischen Uhren umstellen, damit sie unser biologisches Alter beeinflussen und wir alle lĂ€nger und vor allem gesĂŒnder leben können? Forschende gehen davon aus, dass sich die epigenetischen Uhren zurĂŒckdrehen oder zumindest verlangsamen lassen. Und zwar unter anderem mit der Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen.
Ein Team um Sidong Li von der chinesischen UniversitĂ€t fĂŒr Wissenschaft und Technologie in Hefei untersuchte die Daten von knapp 1000 Proband*innen um die 70 Jahre, die entweder ein Multivitamin-MultimineralstoffprĂ€parat, ein Kakao-PrĂ€parat (mit angeblichen Gesundheitsvorteilen durch sekundĂ€re Pflanzeninhaltsstoffen) oder ein Placebo einnahmen.
Die Effekte, wie sich das biologische Alter beeinflussen lÀsst, machten die Forschenden an speziellen, bereits identifizierten epigenetischen Uhren fest.
Je nachdem wie weit diese Uhren fortschritten, beurteilte das Team die jeweilige MaĂnahme als erfolgreich oder weniger erfolgreich.
Das biologische Alter beeinflussen:
Was bringen Vitamine und Co. wirklich?
âDie tĂ€gliche Einnahme von Multivitamin-Multimineral-PrĂ€paraten ĂŒber zwei Jahre hinweg hatte einen kleinen, aber signifikanten positiven Effekt auf zwei von fĂŒnf epigenetischen Uhrenâ,
schreiben die Forschenden. Konkret heiĂen die Uhren PCPhenoAge und PCGrimAge. Die erste Uhr tickte dank Vitaminen pro Jahr etwa 2,6 Monate, die zweite durchschnittlich 1,4 Monate langsamer. Auf die drei weiteren untersuchten Uhren, die ebenfalls das biologische Alter beeinflussen, zeigten sich keine signifikanten VerĂ€nderungen.
Etwas stĂ€rker ausgeprĂ€gt waren diese Effekte bei Proband*innen, die körperlich Ă€lter waren als es der Kalender vermuten lieĂ. Hier zeigte sich, dass sich das biologische Alter womöglich durch Vitamine noch stĂ€rker beeinflussen lĂ€sst: PCGrimAge tickte bei ihnen etwa 2,8 Monate langsamer.
Trend: Longevity und das biologische Alter
Was bedeuten die Ergebnisse nun konkret fĂŒr den Alltag? Sollten wir alle frĂŒhzeitig im Leben mit der Einnahme von Vitaminen beginnen, um unser biologisches Altern zu beeinflussen? Diesen Ansatzpunkt vertreten viele AnhĂ€nger der Longevity-Bewegung.
Longevity bedeutet ĂŒbersetzt Langlebigkeit. Das Ziel: Den Alterungsprozess verlangsamen und bis ins hohe Alter fit bleiben. Das lĂ€sst sich erreichen durch
- eine ausgewogene ErnÀhrung,
- regelmĂ€Ăige Bewegung,
- Erholungspausen (Schlaf und Alltagsregeneration),
- soziale Kontakte und
- Stressmanagement (stabile mentale Gesundheit).
Das sind die fĂŒnf SĂ€ulen von Longevity. Wer die SĂ€ule âErnĂ€hrungâ nicht allein ĂŒber Nahrungsaufnahme bedienen kann, greift auf NahrungsergĂ€nzungsmittel zurĂŒck. Trotz der Studienergebnisse, dass sich das biologische Alter beeinflussen lĂ€sst (wenn auch geringfĂŒgig), ist weiterhin unklar, wie sich die Effekte auf eine gesunde Lebensspanne auswirken.
âSollte sich tatsĂ€chlich herausstellen, dass VitaminprĂ€parate das Altern verlangsamen können â und sei es nur geringfĂŒgig â hĂ€tte das groĂe Auswirkungen auf öffentliche Gesundheitsempfehlungen und Leitlinienâ,
schreiben Daniel Belsky und Calen Ryan von der Columbia University in New York in einem begleitenden Kommentar. âDie Daten aus der aktuellen Studie bringen uns einen Schritt weiter in die Richtung solcher Belege, aber Unsicherheiten bleiben bestehen.â
Weitere Studien ĂŒber den Einfluss von Vitaminen auf das biologische Alter mĂŒssen also folgen und das Proband*innen-Kollektiv muss fĂŒr valide Aussagen ausgeweitet werden â so war zum Beispiel keine*r der Teilnehmenden chronisch krank.
Warten Sie also lieber noch ein wenig, bevor Sie routiniert Multivitamin-PrĂ€parate fĂŒr alle Kund*innen empfehlen.
Quelle: Bild der Wissenschaft












