Ein Mann in einem weißen Hoody vor schwarzem Hintergrund hält zwei Masken hoch. Sein eigenes Gesicht ist nicht erkennbar, eine Maske ist schwarz, eine ist weiß.© kuppa_rock/iStock/Getty Images Plus
Psychopath*innen spielen ihrem Umfeld verschiedene Charaktere vor, um es zu manipulieren.

Aus der Psychologie

PSYCHOPATHIE – UNTER DIE MASKE GEBLICKT

Thriller geben der Persönlichkeitsstörung Psychopathie oft die gefragte Bühne. Das ruchlose Verhalten in den Inhalten schockiert und fasziniert gleichermaßen, doch die Persönlichkeitsstörung wird selten richtig dargestellt. Lesen Sie hier mehr über Psychopathie, ihre Ursachen und die Therapie.

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Die Psychopathie ist eine der schwersten Untergruppen der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Sie ist durch die Missachtung sozialer Normen und entwickelter Regeln sowie durch wiederholtes Fehlverhalten gegenüber dem eigenen Umfeld definiert. Die Psychopathie wird durch verschiedene Ursachen ausgelöst, an denen noch immer geforscht wird.

Eine weitere Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung ist die Soziopathie. Markante Unterschiede zur Psychopathie sind die Unberechenbarkeit, erhöhte Aggressivität und die Fähigkeit, Emotionen zu fühlen. Menschen mit Soziopathie können sich auch schlechter unter einer Maske verstecken als Menschen mit einer Psychopathie. Einer der Hauptunterschiede liegt in den Ursachen. Die Soziopathie ist stärker durch das soziale Umfeld geprägt.

Psychopathie – eine Definition

Die Leitmerkmale der Persönlichkeitsstörung Psychopathie sind Gewissenlosigkeit und Manipulation. Ungeachtet der Ursachen legen Psychopathie-Betroffene eine charmante Maske an und setzen sie gezielt ein. Gleichzeitig sind sie empathielos und manipulieren ihr soziales Umfeld zu eigenen Zwecken. Typische Merkmale im Überblick:

  1. Gewissenlosigkeit: Die Persönlichkeitsstörung Psychopathie führt zu fehlenden Schuldgefühlen, die Betroffenen wiederum Skrupellosigkeit ermöglichen. Ohne Gewissen oder die Fähigkeit, Reue zu empfinden, gehen auch Lügen einfacher von den Lippen.
  2. Manipulation: Betroffene manipulieren ihr Umfeld, um eigene Ziele zu erreichen – trotz der eigenen Gefühllosigkeit. Dies gelingt so subtil, dass die Absichten schwer erkennbar sind.
  3. Empathielosigkeit: Gefühle anderer Menschen nachzuempfinden und dadurch das eigene Handeln zu überdenken, ist ohne Therapie undenkbar.
  4. Gefühle: Psychopathie-Betroffene fühlen vor allem vorgetäuscht. Im Zuge einer Manipulation werden manche Gefühle gespielt, doch das wahre Empfinden fehlt. Ohne Moralempfinden ist gut, was persönlich hilft, und schlecht, was zu eigenem Schaden führt. Instabile oder sexuelle Beziehungen ohne tiefere Bindung zu den Partner*innen sind entsprechende Folgen der Persönlichkeitsstörung.
  5. Wechselhaft: Oft ausgelöst durch mangelnde Impulskontrolle und unterstützt durch Langeweile. Betroffene handeln oft unüberlegt, ohne die Konsequenzen ihres Tuns für sich oder andere zu bedenken. Handlungen werden spontan und affektgesteuert ausgeführt. . Es besteht ein hohes Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger). Schnelle Langeweile führt dazu, dass oft extreme Risiken eingegangen werden.
  6. Kurze Zündschnur: Psychopathie-Betroffene glänzen nicht mit Geduld. Auch die Frustrationstoleranz ist gering. Diesführt zu impulsiven Reaktionen. Zorn und Aggression sind keine fremden Empfindungen.
  7. Selbstdarstellung: Ein weiteres Merkmal der Psychopathie ist die Selbstüberschätzung und die Ansicht, aufgrund eigener Fähigkeiten besser als der Rest der Welt zu sein. Verdrängt werden Misserfolge, wohingegen Leistungen übertrieben präsentiert werden. Lügen sind hierbei häufig.
  8. Planlosigkeit: Betroffene der Persönlichkeitsstörung Psychopathie leben durch ihre starke Impulsivität im Hier und Jetzt. Pläne werden oft spontan geändert. Ein jahrelanges Arbeiten zum Karriereziel ist beinahe unmöglich, obwohl Träume von Erfolg existieren.
  9. Ungeduld: Durch die Persönlichkeitsstörung Psychopathie lernen Betroffene kaum, dass man nicht immer alles sofort haben kann. Manchmal muss man im Leben warten, arbeiten oder einsehen, dass es gar unmöglich ist, was Psychopath*innen aber nicht akzeptieren können.
  10. Kriminalität: Die Ungeduld ist ein Mitgrund dafür, weshalb die Persönlichkeitsstörung Psychopathie oft mit Kriminalität einhergeht. Betroffene suchen schnelle Wege fürs Geldverdienen      oder ein legales Arbeitsleben scheint zu langweilig. Dennoch sind nicht alle Psychopath*innen kriminell. Bei starker Ausprägung der Persönlichkeitsstörung Psychopathie kommt es bereits in jungen Jahren zu Delikten.
  11. Verantwortung: Die Persönlichkeitsstörung Psychopathie macht es unmöglich, Verantwortung für Taten oder andere Menschen zu übernehmen. Verpflichtungen einzuhalten ist nicht vorausgesetzt, denn im Endeffekt sind den Betroffenen die Konsequenzen egal.
  12. Druck: Durch ihre Persönlichkeitsstörung Psychopathie wirken Betroffene rational und ruhig. Doch unter Druck gesetzt schwindet die Fähigkeit des berechnenden Auftretens und unvernünftige Verhaltensweisen kristallisieren sich heraus. Keine Sorge, wer sich in so manchem Satz erkennt, ist nicht direkt ein*e Psychopath*in . Es geht darum, wie viele Merkmale vorhanden und wie stark diese ausgeprägt sind. Robert Hare stellte eine Psychopathie-Checkliste auf, die Fachpersonen zur Einschätzung hinzuziehen.

Irrglaube
Psychopathie hängt nicht zwangsläufig mit einer Hyperintelligenz zusammen.

Ursachen der Persönlichkeitsstörung Psychopathie

Die Ursachen der Persönlichkeitsstörung Psychopathie sind einzeln verzeichnet, wirken aber meist durch eine Interaktion aus Anlage und Umwelt.

  • Neurobiologische Ursachen: Eine der möglichen Ursachen ist die Dysregulation von Serotonin, die zu erhöhter Impulsivität und Aggressivität führt.
  • Genetische Ursachen: Es scheint, dass genetische Ursachen die Anfälligkeit für die Persönlichkeitsstörung Psychopathie erhöhen. Wer betroffene Personen im familiären Umfeld hat, ist vorbelastet. Wobei hier die Frage, ob es an der Anlage oder dem Aufwachsen unter diesen Umständen liegt, nicht direkt beantwortet werden kann.
  • Exogene Ursachen: Schwerwiegende Traumen, Misshandlungen sowie das Vernachlässigen der Symptome durch das soziale Umfeld sind Beispiele für äußere Einflüsse, die die Entwicklung der Psychopathie begünstigen.

Therapie der Persönlichkeitsstörung Psychopathie

Manipulationstalente, erfolgreiche Lügner*innen und maskentragende Personen sind schwierig zu therapieren. Denn beispielweise Selbsteinschätzungsfragebögen sind nicht wirklich zuverlässig. Häufig ist der Erstkontakt von Betroffenen mit voll ausgeprägter Psychopathie mit einer Therapie die forensische Psychiatrie. Unabhängig der Ursachen oder Komorbiditäten gibt es verschiedene therapeutische Ansätze.

Fortschritte erzielen die kognitive Verhaltenstherapie und die Dialektisch-Behaviorale Therapie, um die Emotionsregulation zu verbessern und impulsive Verhaltensweisen zu reduzieren. Medikamentös behandelt man eher die Symptomatik der Aggressivität und Impulsivität oder Angstzustände und Depression:

  • Antipsychotische Wirkstoffe wie Risperidon, Olanzapin
  • Stimmungsstabilisatoren wie Lithium, Valproat
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Betablocker wie Propanolol (durch Wirkungshemmung von Adrenalin)

Quellen
https://www.researchgate.net/publication/370510165_Behandlungskonzepte_bei_Menschen_mit_Psychopathie
Lydia Benecke: „Auf dünnem Eis“, Lübbe, aktualisierte Neuauflage 2013.
https://www.fernuni-hagen.de/psychologie/fakultaet/aktuelles/psychopathie-gehirn-und-genetik.shtml
https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/antisozial/
https://lumende.com/blog/de/behandlungs-und-managementoptionen-fur-psychopathie/
https://lumende.com/blog/de/der-unterschied-zwischen-psychopathie-und-soziopathie/
https://www.onmeda.de/krankheiten/psychopath-id202235/

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