Vordergrund: Übergabe einer roten Herzfigur, Hintergrund: 3 Chirurgen mit Maske und Haube© vchal / iStock / Getty Images Plus
2025 gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ fĂŒr andere frei.

Ethikdebatte

WIDERSPRUCHSREGELUNG ZUR ORGANSPENDE: DEBATTE IM BUNDESTAG

Tausende schwer kranke Patient*innen warten dringend auf eine Niere oder eine Leber. Um zu mehr Transplantationen zu kommen, wird die Organspende Widerspruchsregelung wieder Thema im Bundestag. Es geht um neue Regeln fĂŒr Organspenden.

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Im Ringen um mehr lebensrettende Transplantationen in Deutschland gibt es einen neuen Anlauf. Der Bundestag debattiert ĂŒber die Widerspruchsregelung zur Organspende. Das hieße fĂŒr Erwachsene: Jeder gilt automatisch zunĂ€chst als Spender nach dem Tod – außer, man widerspricht aktiv.

Bisher ist fĂŒr Entnahmen eine ausdrĂŒckliche Zustimmung erforderlich. Doch oft sind Haltungen dazu nicht bekannt. Die Abgeordneten kommen nun zu einer Orientierungsdebatte ĂŒber die Widerspruchsregelung zusammen. Bei der Festlegung neuer Regeln fĂŒr Organspenden gelten keine ĂŒblichen Fraktionslinien.

Zwei Gruppen bei Widerspruchsregelung zur Organspende

Konkrete AntrĂ€ge liegen dem Parlament noch nicht vor, allerdings haben sich vorab schon zwei Abgeordnetengruppen positioniert. Eine Gruppe ist fĂŒr die EinfĂŒhrung der Widerspruchsregelung, die andere klar dagegen. Die BefĂŒrworter*innen von CDU, CSU, SPD, Linken und GrĂŒnen argumentieren, dass bisherige Regeln fĂŒr Organspenden keine entscheidende Steigerung der Spendezahlen bewirkt hĂ€tten.

Eine Spende solle daher zum „Regelfall“ werden.

DafĂŒr sollen Organentnahmen bei volljĂ€hrigen Menschen auch dann zulĂ€ssig werden, wenn man „nicht widersprochen“ hat. Vorgesehen ist zudem eine verstĂ€rkte AufklĂ€rung, greifen soll die Widerspruchsregelung zur Organspende nicht vor 2030. Zu den UnterstĂŒtzern gehören auch die frĂŒheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD).

Kritik an der Widerspruchsregelung zur Organspende

Auch die zweite fraktionsĂŒbergreifende Gruppe will zu mehr Transplantationen kommen, lehnt die Widerspruchsregelung bei Organspenden aber ab. Sie setzt auf bessere AufklĂ€rung und eine leichtere Dokumentation des eigenen Willens. „Schweigen darf nicht als Zustimmung gewertet werden“, argumentieren die Abgeordneten mit Blick auf mögliche neue Regeln fĂŒr Organspenden.

Das Recht auf Selbstbestimmung schließe auch ein, keine Entscheidung zu treffen. Konkret vorgeschlagen wird, „analoge Eintragungsmöglichkeiten“ in ein bestehendes Online-Register zur generellen Spendebereitschaft in Ausweisstellen aufzubauen. So ließen sich die Regeln fĂŒr Organspenden ohne Grundrechtseingriff verbessern.

Wie sind die aktuellen Regeln fĂŒr Organspenden?

FĂŒr die BefĂŒrworter*innen der Widerspruchsregelung bei Organspende ist es schon der dritte Anlauf – nachdem Initiativen 2020 und 2025 scheiterten. Welche MehrheitsverhĂ€ltnisse sich bei der Organspende-Widerspruchsregelung nun herausbilden, ist vorerst offen. Organe wie Nieren, Lebern oder Herzen werden jedenfalls dringend benötigt.

Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ fĂŒr andere frei.

Dies war der höchste Stand seit 2012, zugleich standen Ende 2025 aber 8200 Menschen auf Wartelisten. Generell gilt es als Problem, dass viele positiv zur Spende stehen, dann aber keinen Willen festhalten, weshalb die Debatte um die Widerspruchsregelung zur Organspende so wichtig ist.

Hier lÀsst sich der eigene Wille hinterlegen

Dokumentieren kann man ein prinzipielles Ja oder Nein nach dem Tod auf einem Ausweis, in einer PatientenverfĂŒgung oder anders auf Papier. Seit MĂ€rz 2024 geht es auch online: Auf www.organspende-register.de kann man ab 16 Jahren seine Haltung digital dokumentieren. Aktuell gibt es knapp 579000 ErklĂ€rungen, wie das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte mitteilte.

Dabei stimmten 82,2 Prozent Entnahmen uneingeschrĂ€nkt zu, einen Widerspruch hinterlegten 8,6 Prozent. Wie schnell das Verfahren zu neuen Regeln fĂŒr Organspenden im Bundestag weitergeht, muss sich zeigen. Ein anderes Gesetz wurde im Mai schon beschlossen: Um mehr Nierentransplantationen möglich zu machen, wurden zuvor sehr enge Grenzen bei lebenden Spender*innen weiter gefasst.

Quelle: dpa

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