Tag der Organspende
WARUM DIE ORGANSPENDE IN DEUTSCHLAND OFT SCHEITERT
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Als Claudia Jeschkes Mann stirbt, will die Familie ihm einen letzten Wunsch erfüllen: Seine Organe sollen gespendet werden, um anderen Menschen zu helfen. „Diese eine Sache, die durften wir ihm nicht erfüllen“, sagte Jeschke bei einem Pressegespräch in Berlin anlässlich des Tags der Organspende am 6. Juni. Der Grund: Ihr Mann erfüllte nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Organspende in Deutschland.
Solche Situationen seien keine Ausnahme, sagt Farid Salih, Oberarzt an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité. Immer wieder wollten Angehörige den Wunsch sterbender Familienmitglieder erfüllen, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Die Ärzt*innen müssten dies jedoch regelmäßig ablehnen, da das Thema Organspende in Deutschland streng geregelt ist.
Strenge Regeln: Organspende nur nach Hirntod
Der Grund liege in der deutschen Rechtslage. Organe dürfen bislang nur nach einer Hirntodfeststellung entnommen werden. Diese liegt vor, wenn sämtliche Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sind. Die Diagnose sei in Deutschland besonders streng geregelt, sagt der Neurologe über diese Voraussetzung für Organspenden.
Liege kein Hirntod vor, dürften Organe nach derzeitiger Rechtslage nicht entnommen werden – auch dann nicht, wenn sterbende Personen oder Angehörige eine Spende ausdrücklich wünschten. In vielen anderen europäischen Ländern sei dagegen auch eine Organspende nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand möglich, was Deutschland zu einem Sonderfall macht.
Warten auf Rettung: Mangel an Spenderorganen
Während der Hirntod als unumkehrbar gilt, können Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand manchmal wiederbelebt werden. Aber wenn das Herz dauerhaft nicht mehr schlägt, wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Nach drei bis fünf Minuten beginnen Gehirnzellen abzusterben. Irgendwann wird der Hirntod eintreten – wie lange das dauert, hängt von vielen Faktoren ab, etwa dem Alter.
Dies erschwert die Organspende in ganz Deutschland.
Die Debatte trifft auf einen anhaltenden Mangel an Spenderorganen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) standen Ende 2025 bundesweit rund 8200 Menschen auf der Warteliste für eine Organspende. Deutschland sucht händeringend nach Lösungen.
Warteliste zeigt nicht das ganze AusmaĂź
Die Warteliste bilde das tatsächliche Ausmaß des Problems jedoch nicht vollständig ab, sagt Felix Schönrath, kardiologischer Leiter des Herztransplantationsprogramms am Deutschen Herzzentrum der Charité. „Zur Realität gehört eben auch dazu, dass viele der Menschen, die ein Organ benötigen, in Deutschland gar nicht mehr auf die Organspendenliste kommen“.
Manche schwer kranke Patient*innen wĂĽrden gar nicht erst aufgenommen, weil ihre Aussichten auf eine rechtzeitige Transplantation zu gering seien. Somit bleibt die Organspende in Deutschland fĂĽr sie oft unerreichbar.
Aktuelle Zahlen zu Organspenden im Land
Während in Berlin 2025 weniger Menschen ein oder mehrere Organe gespendet haben, ist die Zahl der Organspender*innen in Brandenburg im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wie aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervorgeht, spendeten in der Hauptstadt im vergangenen Jahr 33 Menschen nach ihrem Tod Organe – in Brandenburg waren es 20. Solche regionalen Unterschiede prägen die Organspende in Deutschland.
Bundesweit erreichte die Organspende laut DSO 2025 mit 985 Spender*innen den höchsten Stand seit 2012. Dies sei ein ermutigendes Signal, reiche aber weiterhin nicht aus, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation.
Quelle: dpa












