Frau in rotem Shirt und Mann mit blauen Einweghandschuhen und Kittel halten rotes Herz in den HÀnden© Sergii Kolesnikov / iStock / Getty Images Plus
In Deutschland warten etwa 8200 Menschen auf eine Organspende.

Tag der Organspende

WARUM DIE ORGANSPENDE IN DEUTSCHLAND OFT SCHEITERT

Tausende Menschen warten hierzulande auf ein rettendes Spenderorgan. Mediziner*innen der Berliner CharitĂ© schildern, wie die Organspende in Deutschland oft an einer strengen Gesetzesgrundlage scheitert, selbst wenn die Verstorbenen oder deren Angehörige ausdrĂŒcklich zustimmen.

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Als Claudia Jeschkes Mann stirbt, will die Familie ihm einen letzten Wunsch erfĂŒllen: Seine Organe sollen gespendet werden, um anderen Menschen zu helfen. „Diese eine Sache, die durften wir ihm nicht erfĂŒllen“, sagte Jeschke bei einem PressegesprĂ€ch in Berlin anlĂ€sslich des Tags der Organspende am 6. Juni. Der Grund: Ihr Mann erfĂŒllte nicht die gesetzlichen Voraussetzungen fĂŒr eine Organspende in Deutschland.

Solche Situationen seien keine Ausnahme, sagt Farid Salih, Oberarzt an der Klinik fĂŒr Neurologie mit Experimenteller Neurologie der CharitĂ©. Immer wieder wollten Angehörige den Wunsch sterbender Familienmitglieder erfĂŒllen, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Die Ärzt*innen mĂŒssten dies jedoch regelmĂ€ĂŸig ablehnen, da das Thema Organspende in Deutschland streng geregelt ist.

Strenge Regeln: Organspende nur nach Hirntod

Der Grund liege in der deutschen Rechtslage. Organe dĂŒrfen bislang nur nach einer Hirntodfeststellung entnommen werden. Diese liegt vor, wenn sĂ€mtliche Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sind. Die Diagnose sei in Deutschland besonders streng geregelt, sagt der Neurologe ĂŒber diese Voraussetzung fĂŒr Organspenden.

Liege kein Hirntod vor, dĂŒrften Organe nach derzeitiger Rechtslage nicht entnommen werden – auch dann nicht, wenn sterbende Personen oder Angehörige eine Spende ausdrĂŒcklich wĂŒnschten. In vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern sei dagegen auch eine Organspende nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand möglich, was Deutschland zu einem Sonderfall macht.

Warten auf Rettung: Mangel an Spenderorganen

WĂ€hrend der Hirntod als unumkehrbar gilt, können Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand manchmal wiederbelebt werden. Aber wenn das Herz dauerhaft nicht mehr schlĂ€gt, wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Nach drei bis fĂŒnf Minuten beginnen Gehirnzellen abzusterben. Irgendwann wird der Hirntod eintreten – wie lange das dauert, hĂ€ngt von vielen Faktoren ab, etwa dem Alter.

Dies erschwert die Organspende in ganz Deutschland.

Die Debatte trifft auf einen anhaltenden Mangel an Spenderorganen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) standen Ende 2025 bundesweit rund 8200 Menschen auf der Warteliste fĂŒr eine Organspende. Deutschland sucht hĂ€nderingend nach Lösungen.

Warteliste zeigt nicht das ganze Ausmaß

Die Warteliste bilde das tatsĂ€chliche Ausmaß des Problems jedoch nicht vollstĂ€ndig ab, sagt Felix Schönrath, kardiologischer Leiter des Herztransplantationsprogramms am Deutschen Herzzentrum der CharitĂ©. „Zur RealitĂ€t gehört eben auch dazu, dass viele der Menschen, die ein Organ benötigen, in Deutschland gar nicht mehr auf die Organspendenliste kommen“.

Manche schwer kranke Patient*innen wĂŒrden gar nicht erst aufgenommen, weil ihre Aussichten auf eine rechtzeitige Transplantation zu gering seien. Somit bleibt die Organspende in Deutschland fĂŒr sie oft unerreichbar.

Aktuelle Zahlen zu Organspenden im Land

WĂ€hrend in Berlin 2025 weniger Menschen ein oder mehrere Organe gespendet haben, ist die Zahl der Organspender*innen in Brandenburg im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wie aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervorgeht, spendeten in der Hauptstadt im vergangenen Jahr 33 Menschen nach ihrem Tod Organe – in Brandenburg waren es 20. Solche regionalen Unterschiede prĂ€gen die Organspende in Deutschland.

Bundesweit erreichte die Organspende laut DSO 2025 mit 985 Spender*innen den höchsten Stand seit 2012. Dies sei ein ermutigendes Signal, reiche aber weiterhin nicht aus, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation.

Quelle: dpa

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