Schlafende Frau bei Nacht im Bett© Tero Vesalainen / iStock / Getty Images Plus
Sigmund Freud zufolge sollte der Traum einen Blick in die verborgenen Winkel der Psyche erlauben.

Artikelserie Träume

TRAUM DEUTEN IN DER PSYCHOLOGIE

Traum und Psyche – eine Kombination, die fasziniert. Schon Sigmund Freud prägte mit „Die Traumdeutung“ die Psychoanalyse. Aber gibt es wirklich eine Verbindung zwischen Traum und Psyche? Und welche Bedeutung spielen psychische Erkrankungen beim Träumen?

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Jede Nacht verarbeitet der Mensch Erlebnisse im Traum. Das hat zwar keine prophetische Bedeutung, kann aber helfen, sich selbst, die eigenen Ängste, Wünsche oder Ziele besser zu verstehen. Folgt man Freud, dient die Traumdeutung dazu, unbewusste Konflikte, verdrängte Sehnsüchte und emotionale Belastungen zu entschlüsseln. Anstatt den Traum als bloßen nächtlichen Zufall abzutun, hat er ihm Bedeutung zugemessen. Für ihn galt der Traum als der „Königsweg zum Unterbewussten“. Ein Ansatz, der sich auch in der modernen Psychoanalyse wiederfinden.

Drehen wir diese Theorie einmal um: Wenn der Traum der Schlüssel zum inneren Seelenleben darstellt, können sich in ihm womöglich Hinweise auf psychische Erkrankungen verbergen oder messen wir ihm da zu viel Bedeutung bei?

Psychoanalytische Traumdeutung

Die analytische Psychotherapie beschäftigt sich noch heute mit der Traumdeutung. Die zugesprochenen Bedeutungen eines Traums unterscheidet sich allerdings vom Freud’schen Ansatz: Der Traum ist hierbei nicht der zentrale Fokus, sondern er wird hinzugezogen, um sich der Ursache eines bestehenden psychischen Problems zu nähern.

Der Gedanke dahinter: Traumata, Gespräche und alte Ängste, die in einer Therapie wieder hervorgeholt werden, treten sehr wahrscheinlich auch in Träumen auf.

Träume allein reichen nicht aus, um eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren.

Bedeutung zuweisen: Wie sich eine psychische Erkrankung im Traum zeigen kann

Eine psychische Erkrankung kann sich auf Träume auswirken und etwa die Intensität oder den Inhalt der Träume verändern – unabhängig von der zugehörigen Medikation.

  1. Depression: Bei Menschen mit Depression werden signifikant häufiger Albträume beobachtet. Die im Wachzustand vorherrschenden Emotionen spiegeln sich bei ihnen oft im Schlaf wider. Die negativen Emotionen verschwinden auch während und nach einer Therapie nicht sofort. Die Bedeutung eines einzelnen Traums liegt dabei nicht nur darin, das Fortschreiten der psychischen Erkrankung zu erkennen, sondern auch darin, ihrer Ursache näherzukommen.
  2. Angststörung: Auch bei Angststörungen fungieren Träume häufig als emotionales Ventil. Das Gehirn versucht im Schlaf, stressige Erlebnisse und latente Ängste zu simulieren und zu verarbeiten. Das kann zu vermehrten Albträumen führen, welche wiederum eine Angst vor dem Schlaf auslösen können.
  3. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine schwerwiegende psychische Reaktion auf ein Trauma. Sie verändert die Informationsverarbeitung im Gehirn drastisch, was zu quälendem Wiedererleben (Flashback), emotionaler Taubheit, chronischer Übererregung und gravierenden Schlafstörungen führt. Wiederkehrende Albträume, Nachtangst und plötzliche Flashbacks bestimmen hierbei oft den Schlaf.
  4. Dissoziative Persönlichkeitsstörung: Eine Dissoziative Persönlichkeitsstörung (die sogenannte dissoziative Identitätsstörung) ist fast immer die Folge schwerer, meist in der frühen Kindheit erlittener Traumata. Die Psyche nutzt die Abspaltung (Dissoziation) als überlebenswichtigen Schutzmechanismus, um unerträgliche Schmerzen und Bedrohungen zu überstehen. Betroffene dieser psychischen Erkrankung berichten oft für jede Persönlichkeit von verschiedenen Traum-Arten und Inhalten. Das bedeutet, jede Nuance der Persönlichkeit innerhalb der Störung träumt differenziert. Die Bedeutungen liegen hier in der verbesserten Eingrenzung einzelner Persönlichkeiten.
  5. Anorexia nervosa: Bei Anorexia nervosa führen Mangelernährung und psychische Belastungen oft zu gravierenden Schlafstörungen. Menschen mit dieser psychischen Erkrankung träumen nach Heißhungertagen häufig vom Tod. Positive Träume, die auch auftreten können, haben oft religiöse Bedeutungen.

Die Betrachtung eines Traums nach seiner Bedeutung innerhalb der modernen Psychoanalyse gibt den Therapeut*innen nicht nur Aufschluss über die Erkrankung oder wie sie verläuft.

Träume können Hinweis dafür sein, wie sich eine psychische Erkrankung einstellen konnte und wo ihr Ursprung liegt. 

Quellen:
Hoyer, Knappe: Klinische Psychologie & Psychotherapie. 3. Auflage. Auflage Springer 2021, ISBN: 978-3-662-61813-4.
https://www.limes-schlossklinik-fuerstenhof.de/blog/bedeutung-der-traeume/
https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/42073-traumdeutung.html#toc-traumdeutung-heute-analytische-psychotherapie
https://sleeplab.ch/traeume-und-psychische-gesundheit-ein-zusammenhang/
https://traeumen.org/traumforschung/traeume-und-psychische-stoerungen

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