Empathie-Training
MITGEFÜHL LERNEN FÜR DEN APOTHEKENALLTAG: BESSERE KOMMUNIKATION IM BERATUNGSGESPRÄCH
Seite 1/1 6 Minuten
Wer schnell schwimmen will, trainiert. Wer gut Geige spielen will, übt. Lässt sich dieses Prinzip auch auf das Lernen von Mitgefühl übertragen? Ein Besuch beim Empathie-Training „Wege zu mehr Mitgefühl“ zeigt es.
Britta K. aus Berlin lebt in einer klassischen Patchwork-Situation: Ihr Partner hat ein Kind mit in die gemeinsame Beziehung gebracht, dazu hat das Paar ein gemeinsames Kind. Der Alltag zu viert stellt K. immer wieder vor emotionale Herausforderungen, wie sie erzählt. Seit Februar nimmt die 49-Jährige am Training „Wege zu mehr Mitgefühl“ an der Universität Mannheim teil. „Ein Anlass war für mich schon auch unsere Familiensituation, wo es dann auch immer wieder mal zu Konflikten kommt – also in der Partnerschaft, aber auch in dieser Patchwork-Konstellation.“
Ziele beim Empathie-Training
Ihr Ziel für das Empathie-Training: die Kommunikation in der Familie verbessern, leichter auch mal die Perspektive des Gegenübers einnehmen und etwas fürs eigene Wohlbefinden tun. Zehn Wochen lang trifft sie sich einmal wöchentlich mit einem Dutzend anderer Teilnehmer*innen online und beschäftigt sich mit Themen wie Selbstmitgefühl, Mitgefühl und Mitleid.
Doch lässt sich Mitgefühl lernen, und wie kann es auch im Berufsalltag – etwa im Beratungsgespräch – helfen?
Grundlagen fürs Mitgefühl-Lernen
Es geht darum, verschiedene Aspekte von Mitgefühl zu trainieren, sagt die Psychotherapeutin Corina Aguilar-Raab von der Universität Mannheim. „Wenn man all diese Bedingungen entwickelt oder kultiviert, führen die am Ende zu mehr Mitgefühl für andere.“ Genau hier setzt ein strukturiertes Empathie Training an, das sich auch auf die Kommunikation Apotheke verbessern lässt.
Um Mitgefühl lernen zu können, müssen sich Menschen sicher fühlen. Zunächst geht es beim Empathie-Training also darum, dass die Teilnehmer*innen lernen, sich selbst sicher zu fühlen, erklärt Aguilar-Raab.
„Für alles das, was wir an Gewohnheiten entwickeln wollen – und wir wollen eben Mitgefühl als eine Gewohnheit entwickeln, dass sie wie in Fleisch und Blut übergeht –, brauchen wir als Basis ein sicheres Gefühl.“
Diese innere Sicherheit ist demnach auch entscheidend für ein souveränes Mitgefühl im Beratungsgespräch.
Mitgefühl im Beratungsgespräch: Übungen für den Alltag
So geht es unter anderem darum, den Teilnehmer*innen Strategien mitzugeben, wie sie bei Stresssituationen schnell wieder ihr seelisches Gleichgewicht finden können. Übungen für zu Hause sind auch tägliche Meditationen, das Führen einer Art Tagebuch und der regelmäßige Austausch mit eine*r festen Ansprechpartner*in in der Gruppe. Wenn Sie Mitgefühl im Beratungsgespräch lernen möchten, sind Methoden zur Stressregulation also der erste Schritt, um die Kommunikation Apotheke verbessern zu können.
In einer Meditation in einer der ersten Sitzungen sollen die Teilnehmer*innen sich beispielsweise einen Ort vorstellen, an dem sie sich besonders sicher fühlen, etwa eine Erinnerung. Dieses Bild sollen sie immer wieder im Geist hervorkramen, wenn sie sich gestresst fühlen – ein „nährender Moment“, wie die Kursleiterin erklärt.
Gerade in herausfordernden Situationen im Beratungsgespräch im HV kann dieses Vorgehen helfen, Mitgefühl bewusst einzusetzen.
Kommunikation in der Apotheke verbessern: Praktische Beispiele
Daniel L. aus Stuttgart hat sich ebenfalls für den Kurs angemeldet, weil ihn Auseinandersetzungen im Familienalltag beschäftigen. Sein nährender Moment sind Erinnerungen an Urlaube mit seiner Frau und den Kindern – etwa mit den Fahrrädern an einem See ankommen, sagt der 40-Jährige. „Es ist kein bestimmtes Bild, sondern einfach das Gefühl während dieser Zeit.“
In einer Stresssituation hat ihm der Gedanke an dieses Gefühl schon geholfen, hat ihn noch mal durchatmen lassen, sagt L.. Ihn beruhigt auch schon allein das Wissen, dass es Werkzeuge gibt, mit denen er sich selbst helfen kann. Wenn Sie also einen nährenden Moment gefunden haben und in einer Stresssituation bemerkt haben, dass er funktioniert, ist das der nächste Schritt, um die Kommunikation in der Apotheke zu verbessern.
Mitfühlende Menschen fühlen sich laut Studie oft wohler
Mitgefühl für andere ist laut Aguilar-Raab nicht nur für die anderen gut. Menschen, die anderen mit Mitgefühl begegnen, fühlen sich auch selbst wohler. Dies ist das Ergebnis einer Meta-Analyse auf Basis von 37 Einzelstudien, die sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen der Universität Mannheim durchgeführt hat. Wer Mitgefühl lernen möchte, profitiert also doppelt.
Menschen, die sich in andere einfühlen, sie unterstützen oder ihnen helfen möchten, berichten insgesamt von einer höheren Lebenszufriedenheit, erleben mehr Freude und sehen mehr Sinn im Leben, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.
Das psychische Wohlbefinden ist bei ihnen im Durchschnitt höher. Ein gutes Empathie-Training kann somit auch die eigene Belastbarkeit im Apothekenalltag stärken.
Die Meta-Analyse und ihre Ergebnisse schätzt Judith Mangelsdorf, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie, als belastbar ein. Allerdings ist zu bedenken, dass bisher nicht klar sei, ob Mitgefühl (und es zu lernen) zu einem höheren Wohlbefinden führt – oder umgekehrt.
Mitgefühl lernen im Umgang mit allen Kund*innengruppen
Beim Mitgefühl-Lernen geht es Aguilar-Raab zudem um die Frage: Wie gestalte ich Beziehungen? Jeder kategorisiert Menschen automatisch und unbewusst. „Wir sind mit Menschen zusammen, die finden wir sympathisch“, sagt die Wissenschaftlerin. „Und dann gibts Leute, die finden wir nicht sympathisch. Und dann gibts eine ganz große Masse, die ist uns eigentlich ziemlich egal.“
Mitgefühl für Menschen zu entwickeln, die einem selbst nahestehen, ist nicht schwierig. Bei den anderen beiden Gruppen ist dies anders. Ziel ist, eine Art Unvoreingenommenheit zu trainieren – sich sozusagen mit anderen zu verbünden „auf gemeinsamer menschlicher Basis“.
Gerade hier zeigt sich, wie wichtig es ist, das Empathie-Traininggezielt für mehr Mitgefühl im Beratungsgespräch einzusetzen – unabhängig davon, wie sympathisch das Gegenüber wirkt.
Kommunikation in der Apotheke verbessern durch lebenslanges Training
Zehn Wochen Kurs zu Themen, zu denen manche Menschen jahrelang Therapien machen – ist es realistisch, Mitgefühl in so kurzer Zeit zu lernen? „Das ist tatsächlich ein schwieriger Punkt“, sagt Aguilar-Raab. „So was ist eigentlich ein lebenslanges Training.“ Entscheidend ist, wie viel Zeit die Teilnehmer*innen in die Übungen investierten. Um die Kommunikation in der Apotheke zu verbessern, bedeutet das: Kontinuität ist entscheidend.
Expertin Mangelsdorf von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin bewertet Mitgefühlstrainings generell positiv. „Mitgefühl an und für sich ist eine Fähigkeit, und alles, was eine Fähigkeit ist, ist auch in sich trainierbar“, sagt sie. Erfolge dieser Empathie-Trainings sind auch in Studien nachgewiesen worden.
Wichtig ist, sich über einen längeren Zeitraum täglich mit dem Thema zu beschäftigen. Gerade durch die sozialen Medien besteht der Alltag vieler Menschen darin, sich eher nicht mit dem Leid anderer zu identifizieren, sondern wegzuschauen.
„Das sorgt oft dafür, dass wir weiter abstumpfen, statt uns wirklich empathisch einzulassen.“
Umso wichtiger ist es, bewusst Mitgefühl lernen zu wollen – um aktiv die Kommunikation in der Apotheke zu verbessern und für das eigene Wohlbefinden.
Quelle: dpa












