lächelnde Frau umarmt sich selbst© BlackSalmon / iStock / Getty Images Plus
Ein wichtiger Schritt fĂĽr das psychische Wohlbefinden: Wer lernt, sich selbst zu verzeihen, findet leichter innere Ruhe.

Psychologie

SICH SELBST VERZEIHEN: WIE ES GELINGT, EIGENE FEHLER LOSZULASSEN

Ständige Vorwürfe rauben Energie und Lebensfreude. Warum es oft so schwer ist, sich selbst zu verzeihen – und wie fünf Schritte helfen können, endlich loszulassen und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

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„Hätte ich doch…“, „Wäre ich doch…“, „Wie konnte ich nur…?“ Eigene Fehler nehmen wir uns oft sehr zu Herzen. Statt nachsichtig mit uns selbst zu sein, sind da nur endlose Vorwürfe. Dabei ist es enorm wichtig, sich selbst verzeihen zu können.

Aus Sicht des Psychologen Professor Mathias Allemand von der Universität Zürich hängt das mit dem Selbstbild zusammen, das jeder und jede von sich hat: Es soll möglichst makellos sein. „Wer sich selbst verzeihen möchte, muss sich zunächst eingestehen, dass man selbst der Missetäter oder die Missetäterin ist“, so Allemand. Einer anderen Person kann man aus dem Weg gehen, sich selbst aber nicht. Das kann zermürbend sein.

Warum es wichtig ist, sich selbst zu verzeihen

Professor Angela Merkl-Maßmann, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Fliedner Klinik Berlin, beschreibt den Prozess, sich selbst zu verzeihen, als einen innerpsychischen Vorgang. „Es geht darum, eigenes Fehlverhalten anzuerkennen und Verantwortung dafür zu übernehmen“, sagt sie. Das ist durchaus wichtig. Wer lernt, sich selbst zu verzeihen, sorgt für ein besseres psychisches und emotionales Wohlbefinden.

„Ein ständiges Grübeln über eine Missetat macht auf Dauer krank und kann etwa das Entstehen von Depressionen begünstigen“, sagt Allemand.

Betroffene ziehen sich womöglich aus Scham zurück – auch diese Isolation kann krank machen. Umso wichtiger ist es, sich selbst verzeihen zu lernen.

Sich innerlich liebevoll begegnen lernen

Innere Blockaden, die uns daran hindern, sich selbst zu verzeihen, sind allerdings häufig. „Denn das heißt, sich selbst liebevoll zu begegnen und Milde walten zu lassen“, sagt Merkl-Maßmann. Menschen können den Prozess nicht bei anderen beobachten, weil er innerlich abläuft.

Die Fachärztin macht das an einem Beispiel deutlich: Eine Frau kann sich selbst verzeihen einfach nicht erlauben, nachdem sie ein Fehlverhalten gezeigt hat. Ihre Therapeutin fragt, was sie tun würde, wenn eine gute Freundin um Rat bitten würde. Die Antwort: Ich würde sie in den Arm nehmen und trösten. Auf die Frage, warum sie dies nicht mit sich selbst macht, reagiert die Frau erstaunt.

Sich selbst innerlich liebevoll zu begegnen sei zentral, wenn man sich selbst verzeihen möchte.

FĂĽnf Schritte, um sich selbst zu verzeihen

In der Regel braucht es fünf Schritte, um sich selbst verzeihen zu können:

  • Erstens bedarf es radikaler Akzeptanz bezĂĽglich dessen, was geschehen ist.
  • Zweitens kommt es darauf an, sich den GefĂĽhlen zu stellen. Man ĂĽbernimmt die volle Verantwortung fĂĽr sich selbst. „Achtsamkeit sich selbst gegenĂĽber und das Entwickeln eines SelbstmitgefĂĽhls sind hier oft hilfreich“, so Merkl-MaĂźmann.
  • Drittens rät Allemand zu einer Checkliste: Was spricht dafĂĽr und was dagegen, sich selbst zu verzeihen?
  • Viertens kann man die Sache förmlich angehen, indem man den Fehler notiert und schreibt: „Ich vergebe mir“. AnschlieĂźend entsorgt man das Papier und fasst Vorsätze fĂĽr die Zukunft.
  • FĂĽnftens lotet man aus, wie man die Sache in die eigene Biografie integriert. Trifft mich wirklich Schuld – oder ist es ein Fehler, der letztendlich jedem hätte passieren können?

Warum man nicht mit allem abschlieĂźen kann

Nicht immer gelingt es, sich selbst verzeihen zu können und mit einem bestimmten Ereignis dauerhaft abzuschließen. Das hängt stark davon ab, was vorgefallen ist. „Schwierig ist das beispielsweise, wenn etwa ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen eine Radfahrerin überfahren hat mit der Folge, dass die Frau gestorben ist“, so Merkl-Maßmann.

Oft braucht es sehr viel Zeit, um ein solches Ereignis mental in den Griff zu bekommen. „Häufig geht dies nur mit professioneller Hilfe, etwa Psychotherapie“, sagt die Fachärztin.

In einem langen Prozess gehe es dann darum, die eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren und sich auf die Zukunft zu konzentrieren.

„Aber ganz abschließen kann man mit dem Ereignis oft nicht“, so Merkl-Maßmann.

Quelle: dpa

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