Frau mit Strohhut entspannt in einer Hängematte am Strand © Peera_Sathawirawong / iStock / Getty Images Plus
Unter Anhedonie (von altgriechisch an- „nicht/ohne“ und hēdonē „Lust/Freude“) versteht man den vollständigen Verlust oder die Unfähigkeit, Freude, Lust oder Vergnügen zu empfinden.

Freudlosigkeit

ANHEDONIE: SCHÖNE MOMENTE WIEDER RICHTIG GENIESSEN

Urlaub, Hochzeit oder Konzert: Wenn wir schöne Ereignisse nicht auskosten können, spricht man oft von Anhedonie. Dann melden sich oft Schuldgefühle. Eine Expertin verrät, wie sich die Ursachen aufspüren und ungute Gefühle auflösen lassen.

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Das Konzert, das das Highlight des Monats werden sollte. Der Urlaub, auf den man wochenlang hingefiebert hat. Oder sogar die eigene Hochzeit – der angeblich schönste Tag im Leben. Doch ist das Ereignis dann da, kann man es einfach nicht genießen, was auf eine Form der Anhedonie hindeuten kann.

Wie kann das sein? Laut Michaela Wegener von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP) ist eine solche vorübergehende Anhedonie gar nicht so ungewöhnlich. Sie ermutigt dazu, ungute Gefühle in so einer Situation als Informationsquelle zu betrachten. Irgendetwas will es einem sagen: „Und wenn ich verstanden habe, was, wird das Gefühl sich verändern. Wahrscheinlich geht es sogar weg.“

Stress und hohe Erwartungen als Auslöser

Was kann hinter dieser Anhedonie stecken? Vielleicht ist da Stress, weil man sich unbewusst unter Druck setzt, den Tag zu genießen oder für andere genießbar zu gestalten. Klassiker: die eigene Hochzeit. „Ich übernehme so sehr Verantwortung dafür, dass es schön wird, dass ich es genau deswegen selbst nicht mehr genießen kann“, beschreibt Michaela Wegener.

Zum anderen können äußere Faktoren, die uns herausfordern, das Schöne überlagern und zur Anhedonie führen. Treffe ich bei einer Familienfeier etwa auf Verwandte, mit denen es Konflikte gibt? Oder kann der Urlaub gar nicht so erholsam sein, weil ich kleine Kinder dabeihabe? „Dann sind da zwei Gefühle gleichzeitig“, so die Psychologin.

Wenn eine ernsthafte Anhedonie dahintersteckt

Wichtig: In manchen Fällen steckt hinter dem Phänomen, Schönes nicht genießen zu können, auch eine klinisch relevante Anhedonie. Sie ist ein Symptom von Depressionen und Psychosen. Wer sich zusätzlich im Alltag antriebslos fühlt oder familiär mit Psychosen vorbelastet ist, sollte die Anhedonie ärztlich abklären lassen.

Wie sich schöne Ereignisse noch retten lassen

Und nun: Ist das Ereignis trotz Anhedonie noch zu retten? Was hilft akut, wenn ich merke, dass ich etwas eigentlich Schönes nicht genießen kann? „Manchmal hilft es tatsächlich, eine Runde weinen zu gehen“, sagt Michaela Wegener. Denn: In dem Moment, wo wir wahrnehmen und anerkennen, wie wir uns wirklich fühlen, passiert schon ganz viel. Innerlich kehrt dann ein Stück Ruhe ein.

Selbstreflexion ist bei einer beginnenden Anhedonie das A und O: Wenn ich verstehe, woher das ungute Gefühl kommt, das sich über die Freude gelegt hat, kann ich Strategien entwickeln, damit umzugehen. Also etwa schauen: Wie lässt sich der innere Stress reduzieren? Oder: Wie gehe ich mit einem Konflikt um, sodass ich eine Feier trotzdem noch genießen kann?

Realistische Erwartungen an den Tag entwickeln

Dabei geht es auch darum, realistische Erwartungen zu entwickeln, um einer Anhedonie vorzubeugen. „Wenn ich zum Beispiel mit kleinen Kindern in den Urlaub fahre und erwarte, mich zu entspannen, dann muss ich das verdammt gut planen und bestimmt auch Abstriche machen“, sagt Michaela Wegener. Fazit: Ertappen wir uns dabei, etwas Schönes nicht zu genießen, ist es in vielen Fällen noch zu retten.

Wer unguten Gefühlen zunächst Raum lässt, macht Platz dafür, dass sich im Anschluss auch wieder Freude breit machen und die Anhedonie verschwinden kann.

Quelle: dpa

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