Teenager ignoriert Mutter, während er mit dem Handy auf dem Bett sitzt© Antonio_Diaz / iStock / Getty Images Plus
Für den sicheren und gesunden Umgang von Jugendlichen mit Social Media sind klare Regeln, technische Absicherungen und ein offener Austausch entscheidend.

Medienkompetenz

SOCIAL MEDIA FÜR JUGENDLICHE: WENIGER PREDIGEN, MEHR FRAGEN

Push-Benachrichtigungen über neue Posts aus, Stress runter? Warum kleine Experimente rund um Social Media Jugendliche und deren Eltern wirklich näherbringen können – und wie Erwachsene mit eigenen Regeln Vorbilder werden.

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Unabhängig, ob ein gesetzliches Verbot von Social Media für Jugendliche bis zu einem bestimmten Alter angestrebt wird oder nicht: „Jeder Familie steht natürlich frei, eigene Familienregeln zu etablieren“, sagt Florian Buschmann, Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht. Wenn es um Social Media bei Jugendlichen geht, sei dabei die Haltung der Eltern entscheidend, unter dem Motto: weniger predigen, mehr fragen.

Als gute Beispiele für Fragen schlägt Buschmann Eltern für einen Gesprächseinstieg vor: „Hey, was nervt dich selbst denn so auf Social Media?“ Oder: „Wann merkst du, dass es dir guttut? Und wann kippt das Ganze?“ Und: „Was wäre denn für dich hilfreich, wie können wir dich bei deiner Nutzung begleiten, damit das besser funktioniert?“ Eine offene Kommunikation über Social Media mit Jugendlichen ist hier der Schlüssel.

Gemeinsame Experimente statt harter Verbote

Auch das Ergebnis der Expert*innenkommission der Bundesregierung, die Handlungsempfehlungen für Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt erarbeiten sollte, eigne sich laut Buschmann als Gesprächseinstieg in das Thema Social Media für Jugendliche. Um das eigene Verhalten zu reflektieren, könne man so starten: „Hey, ich habe mitbekommen, dass hier ein Papier rausgekommen ist. Hast du davon schon gehört? Was ist deine Meinung?“ Wichtig sei bei jedem Gespräch über Social Media, sich auf die Ebene der Jugendlichen zu begeben, um einen gemeinsamen Weg zu finden, so der Experte.

In vielen Familien sei nicht allein die Medienzeit das Problem, sondern die Art, wie darüber gesprochen werde.

Eltern, die bei dem Thema Social Media und Jugendliche nur noch Stress empfinden, empfiehlt der Experte erst mal durchzuatmen. Es könne helfen, „vielleicht mal eine Woche gar nicht über das Thema zu reden“, und dann einen neuen Anlauf zu nehmen. Buschmann hält es auch für schwierig, dass die Diskussion über Social Media meist nur auf Jugendliche und Kinder reduziert wird.

Die eigene Vorbildrolle kritisch hinterfragen

„Es wirkt, als hätten wir einen blinden Fleck, der vom allgemeinen Konsum, auch von Erwachsenen, ablenkt.“ Damit Regeln zu Social Media für Jugendliche akzeptiert werden, müssten Eltern auch das eigene Verhalten kritisch prüfen. Es gehe um die Vorbildrolle. Sinnvoll seien niedrigschwellige Ansätze statt harter Verbote. So könne die Familie gemeinsam auf die tägliche Medienzeit schauen – ohne Vorwürfe.

Auch kleine Experimente könnten Druck herausnehmen, etwa: „Wir schalten als Familie sieben Tage die Push-Benachrichtigungen für soziale Medien aus.“ Anschließend lasse sich gemeinsam reflektieren: „Was hat sich für uns verändert? Wie hat sich das auf Stimmung, Stress, Fokus ausgewirkt?“ Ein abruptes Verbot von Social Media für Jugendliche hingegen schaffe oft ein „Vakuum“, das schwer zu füllen sei. Sinnvoller sei „eine langsame, stetige Veränderung“, die langfristig wirke.

Mit „Dopaminalternativen“ im Alltag unterstützen

Wenn Medienzeiten abnehmen, entsteht freie Zeit – und „einige Jugendliche haben tatsächlich gar nicht mehr gelernt, mit freier Zeit umzugehen“, so Buschmann. Wenn Social Media für Jugendliche weniger im Fokus steht, könnten Eltern hier begleiten und attraktive Alternativen schaffen. „Dopaminalternativen“, wie der Experte sagt, also Aktivitäten, „die auch einen kleinen Kick geben und Spaß machen“.

Zur Person: Florian Buschmann ist Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht. Mit der von ihm gegründeten Initiative „Offline Helden“ führen er und sein Team Schulveranstaltungen zur Prävention von Mediensucht durch. Zudem begleitet er betroffene Familien, deren Kinder eine kritische Mediennutzung zeigen.

Quelle: dpa

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