Eine Jugendliche lässt sich am HV-Tisch beraten. Sie hat die Augen geschlossen, fasst sich an die Stirn und hat einen betrübten Gesichtsausdruck.© Marc Calleja Lopez/iStock/Getty Images Plus
Die Safe Space Apotheken in Berlin und Brandenburg haben ein offenes Ohr für die Probleme junger Menschen und vermitteln ihnen passende Hilfsangebote.

Berlin & Brandenburg

SAFE SPACE APOTHEKEN: SO UNTERSTÜTZEN APOTHEKEN JUGENDLICHE MIT PROBLEMEN

Safe Space Apotheken bieten Jugendlichen mit Sorgen einen geschützten Ort für ein vertrauliches Gespräch. Ob Schulstress, familiäre Konflikte oder psychische Belastungen – die Apotheken übernehmen eine Lotsenfunktion und vermitteln bei Bedarf an passende Hilfsangebote weiter.

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„Bist du lost?“, „Wird dir alles zu viel?“, „Lähmt dich ein Streit?“: Mit dieser Art von Fragen wollen Safe Space Apotheken in Berlin und Brandenburg Jugendliche ansprechen – und ihnen bei Problemen einen sicheren Ort bieten, an dem sie reden können. Die Safe Space Apotheken haben meist einen separaten Raum dafür und einen Überblick über Hilfsstellen in der Umgebung, wie Jana Noatzke erklärt. Sie arbeitet in der Rosen-Apotheke in Forst in der Lausitz, die seit Kurzem ebenfalls an dem Hilfsprojekt teilnimmt.

Die Idee: Kinder und Jugendliche wissen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Sorgen und Nöte haben. Therapeut*innen-Termine sind Mangelware. Safe Space Apotheken sind zuverlässige Anlaufstellen und oft mitten in den Städten verankert. „Die Jugendlichen sollen wissen, es gibt Hilfe“, erklärt Apothekerin Noatzke. „Sie sollen nicht wild im Internet etwas googeln, sondern an seriöse Ansprechpartner geraten.“

Jugendliche Probleme Apotheke: Niedrigschwellige Hilfe vor Ort

Vier Safe Space Apotheken haben sich bereits in Brandenburg registriert – neben Forst außerdem in Cottbus, Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen. In Berlin gibt es drei Standorte in Lichtenberg, Steglitz und Hellersdorf. Für viele Familien kann das Angebot der Apotheken für Jugendliche eine leicht erreichbare erste Anlaufstelle bei Problemen sein.

Mental Health Jugendliche: Wie das Projekt entstanden ist

Lara Laurenz ist Mitgründerin der Jugendinitiative und Online-Community „OurGenerationZ“: Hier wird Kindern und Jugendlichen geholfen – in einem digitalen #safespace, zum Beispiel auf Instagram. Gefördert wird das unter anderem vom Bundesfamilienministerium.

Das haben Laurenz zufolge bereits viele Kinder und Jugendliche angenommen. Oft gehe es um weniger akute Themen wie eine dauerhafte Druckbelastung oder Stress zu Hause. Gerade beim Thema Mental Health zeige sich, wie groß der Bedarf der Jugendlichen an niedrigschwelligen Angeboten sei. „Wir haben aber gemerkt, dass es auch wichtig ist, in der analogen Welt Ansprechpersonen zu haben“, sagt Laurenz. Denn einige Fragestellungen brauchten ausgebildete Therapeut*innen.

„Die Apotheken haben dann eine Lotsenfunktion“, so Laurenz. Generell sei die psychische Belastung unter Jugendlichen sehr hoch und das System überlastet. „Mit ‚OurGenerationZ‘ geht es uns auch um eine Entstigmatisierung – niemand sollte Angst haben, sich Hilfe zu holen.“ Ein Instagram-Account könne Hilfestellung anbieten, aber vor Ort, etwa in Safe Space Apotheken, kennen sich Menschen viel besser aus.

Warum Apotheken für Jugendlichen erste Anlaufstellen bei Problemen sind

„Wir sind meist barrierefrei, haben lange geöffnet und ein wichtiger Punkt ist auch unsere Schweigepflicht“, erklärt Apothekerin Noatzke. „Alle können immer zu uns kommen und müssen nicht mal den Namen sagen. Zum Beispiel: Ich habe ein Drogenproblem.“ Die Safe Space Apotheken können dann ein erster Ort der Offenbarung sein – und bereits Impulse geben.

Aus der Lausitz berichtet sie, dass Schulstress für viele Jugendliche ein wichtiger Punkt sei. Auch Gewalterfahrungen seien wie an vielen anderen Orten ein Thema. „Interessant ist auch der Gesundheitsstress, den sich viele machen: Ihre Uhren sagen ihnen: Ich habe nicht gut geschlafen. Also holen sie sich in der Apotheke Schlaftabletten“, berichtet Noatzke.

Letztlich sind Safe Space Apotheken oft die erste Anlaufstelle. Das Angebot der Apotheken für Jugendliche mit Problemen soll Betroffene früh erreichen und an passende Beratungsstellen vermitteln.

Quelle: dpa

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