Gruppe von Jugendlichen sitzt auf einer Treppe. Im Vordergrund ein junges MÀdchen, dass gedankenverloren auf ihr Handy blickt. © SeventyFour / iStock / Getty Images Plus
Nicht alles glauben: Inhalte zu mentaler Gesundheit auf Social Media sollten stets kritisch hinterfragt werden.

Support

MENTALE GESUNDHEIT AUF SOCIAL MEDIA: SERIÖSE POSTS ERKENNEN

„5 Zeichen, dass du traumatisiert bist“ – so einfach sind Diagnosen fĂŒr psychische Krankheiten nicht gestellt. Warum Inhalte ĂŒber mentale Gesundheit auf Social Media problematisch sein können und woran man seriöse Accounts erkennt.

Seite 1/1 2 Minuten

Seite 1/1 2 Minuten

Das Thema mentale Gesundheit ist auf Social Media heute lĂ€ngst kein Tabuthema mehr. Gerade in sozialen Netzwerken wie TikTok und Instagram gehen viele Menschen offen mit Depressionen, Burn-out, Angststörungen, Traumata und Neurodivergenz um. Andere Betroffene fĂŒhlen sich dadurch weniger allein und das allgemeine Bewusstsein fĂŒr psychische Gesundheit wĂ€chst.

Doch nicht alle Inhalte rund um mentale Gesundheit auf Social Media sind seriös, sagt Petra Beschoner, FachĂ€rztin fĂŒr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. „Psychische Erkrankungen dĂŒrfen nicht zu Lifestyle-Begriffen verkommen oder in kurzen Videos abgehandelt werden“. Die wachsende Zahl von Selbstdiagnosen sieht die Ärztin kritisch.

Wie sich seriöse Posts und Accounts erkennen lassen

Skeptisch sollte man demnach werden, wenn ein Post zum Thema mentale Gesundheit auf Social Media mit einfachen Checklisten arbeitet, etwa: „5 Zeichen, dass du traumatisiert bist“ oder „Daran erkennst du ADHS“. Denn so einfach und eindeutig sind psychische Erkrankungen nicht.

Auch wenn Creator*innen stark zuspitzen oder Angst schĂŒren, sollte man ihre Inhalte nicht fĂŒr bare MĂŒnze nehmen.

Was hingegen Anzeichen fĂŒr seriöse Accounts rund um mentale Gesundheit auf Social Media sind: Sie erklĂ€ren ein Thema, ohne vorschnell Diagnosen nahezulegen. Sie benennen Grenzen. Sie verweisen auf professionelle Hilfe. Sie betonen, dass man einzelne Symptome immer im Zusammenhang betrachten muss.

Nicht jede Befindlichkeit ist eine Diagnose

Beschoner betont außerdem, dass man es nicht direkt pathologisieren sollte, wenn es einem vereinzelt nicht gut geht. Erschöpft, gereizt oder verunsichert fĂŒhlt sich schließlich jede*r mal. „Menschen dĂŒrfen traurig oder ĂŒberfordert sein, ohne sich sofort krank fĂŒhlen zu mĂŒssen“, so die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau.

„Wer das eigene Verhalten permanent analysiert, verliert schnell das Vertrauen in normale emotionale Schwankungen und die eigene Widerstandskraft“.

BeitrĂ€ge ĂŒber mentale Gesundheit auf Social Media schaffen ihr zufolge mitunter einen regelrechten Druck, sich stĂ€ndig um die eigene Psyche zu kĂŒmmern. Gerade Teenager*innen seien davon betroffen. „Der Fokus auf innere StabilitĂ€t sollte entlasten, nicht zusĂ€tzlichen Leistungsdruck erzeugen“, so Beschoner.

Wann Betroffene professionelle Hilfe suchen sollten

Trotz aller Kritik sieht die Psychiaterin die neue Offenheit fĂŒr mentale Gesundheit auf Social Media positiv, da Betroffene sich bei psychischen Problemen frĂŒher Hilfe suchen. Gerade junge Menschen wĂŒrden online Halt, Orientierung und Austausch erfahren.

„Entscheidend ist, dass digitale Communitys unterstĂŒtzen, aber fachliche Hilfe nicht ersetzen“.

Wenn Belastungen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum anhalten, den Alltag bestimmen, Schlaf, Arbeit, Schule oder Beziehungen leiden und Betroffene aus diesem Zustand aus eigener Kraft nicht herausfinden, sollte man sich Hilfe suchen.

Wer durch Themen rund um mentale Gesundheit auf Social Media verunsichert ist, findet eine erste Anlaufstelle in der Hausarztpraxis, empfiehlt Petra Beschoner. Diese kann bei Bedarf weitervermitteln.

Quelle: dpa

×