Eine Frau sitzt am Schreibtisch vor dem Computer. Sie hat den Kopf in den Nacken gelegt und hÀlt sich den Nacken, dabei ist ihr Gesicht schmerzverzerrt.© Antonio_Diaz/iStock/Getty Images Plus
Nackenschmerzen sind oft die Folge von Verspannungen – und die können durch einen unergonomischen Arbeitsplatz entstehen.

Verspannt

NACKENSCHMERZEN: DIESE URSACHEN STECKEN DAHINTER – UND SO LASSEN SIE SICH BEHANDELN

Viele Menschen leiden regelmĂ€ĂŸig unter Nackenschmerzen – oft durch Fehlhaltungen, Stress oder zu wenig Bewegung. Welche Ursachen dahinterstecken und wie sich Nackenschmerzen behandeln lassen, erklĂ€ren Experten – und geben praktische Tipps fĂŒr Alltag, Arbeit und Schlaf.

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Ahh! Ein fieses Ziehen fĂ€hrt durch den Nacken. Nackenschmerzen können plötzlich auftreten und den Alltag erheblich beeintrĂ€chtigen. Warum es jetzt keine gute Idee ist, den Kopf möglichst wenig zu bewegen – und wie sich Nackenschmerzen behandeln lassen sowie wie wir nackenfreundlich leben, arbeiten und schlafen. Eine falsche Bewegung gemacht oder nachts komisch gelegen – und auf einmal sind Nackenschmerzen da, allerdings nicht auf die nette Art.

„Schmerz ist immer ein Warnzeichen und bedeutet: Mach es anders oder lass es!“, sagt Professor Bernd Kladny. Er ist GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie (DGOU). Doch welche Ursachen stecken dahinter? Und wie lassen sich Nackenschmerzen behandeln oder sogar vermeiden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ursachen: Warum kommt es ĂŒberhaupt zu Nackenschmerzen?

Nackenschmerzen können auf vielerlei Arten entstehen. Die Medizin unterscheidet dabei zwischen spezifischen und nicht spezifischen Nackenschmerzen.

Nicht spezifische Nackenschmerzen

Die meisten FĂ€lle lassen sich dieser Gruppe zuordnen. „Hier ist die Ursache unklar“, sagt Professor Thomas Kötter, Allgemeinmediziner am UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein. „DrĂŒcke ich als Arzt bei meinem Patienten auf den Muskel, tut er weh. Aber bei einer feingeweblichen Untersuchung oder beim MRT könnte ich nichts feststellen.“

Zu den hĂ€ufigsten Ursachen von Nackenschmerzen gehören Verspannungen. Der Kopf kann sich in viele Richtungen bewegen. Dadurch entstehen Belastungen in den Gelenken der HalswirbelsĂ€ule, die ĂŒber das normale Maß hinausgehen können.

„Die Folge: Die Muskeln verspannen sich, um das Gelenk zu schĂŒtzen, es schmerzt.“

Nackenschmerzen sind dann oft das Ergebnis. Fehlhaltungen sind eine typische ErklĂ€rung fĂŒr solche Nackenschmerzen-Ursachen. Das passiert zum Beispiel, wenn wir lange am Bildschirm arbeiten oder hĂ€ufig mit gesenktem Kopf auf das Smartphone schauen. Auch psychische Belastungen wie Stress zĂ€hlen zu den möglichen Ursachen fĂŒr Nackenschmerzen.

Spezifische Nackenschmerzen

In manchen FĂ€llen lassen sich die Nackenschmerzen-Ursachen eindeutig bestimmen. Dazu gehören EntzĂŒndungen oder eingeengte Nerven, etwa bei einem Bandscheibenvorfall. „Ebenso können KnochenbrĂŒche, Osteoporose und Knochenmetastasen nach einer Krebserkrankung die Ursache sein“, zĂ€hlt OrthopĂ€de und Unfallchirrug Kladny auf.

Nackenschmerzen können plötzlich auftreten oder sich langsam ĂŒber mehrere Tage verstĂ€rken. Auch dann ist wichtig zu klĂ€ren, welche Ursachen hinter den Nackenschmerzen stecken.

Wann sollte man Nackenschmerzen behandeln lassen?

Viele Menschen fragen sich bei akuten Nackenschmerzen, ob sie sofort zum Arzt gehen mĂŒssen. Kladny entwarnt:

„Sie können bei Nackenschmerzen ohne Hinweise auf die oben genannten Erkrankungen ein, zwei Wochen abwarten.“

Oft verschwinden Nackenschmerzen von selbst wieder. Dennoch kann es sinnvoll sein, frĂŒhzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Nackenschmerzen behandeln zu können und eine Verschlechterung zu vermeiden. Denn wer Nackenschmerzen ignoriert, nimmt hĂ€ufig eine Schonhaltung ein. Das kann dazu fĂŒhren, dass sich die Muskulatur weiter verkrampft.

Der Teufelskreis beginnt: Verspannungen nehmen zu, Stress steigt – und die Beschwerden werden stĂ€rker. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um die Nackenschmerzen zu behandeln.

Bewegung hilft, Nackenschmerzen zu behandeln und ihnen vorzubeugen

RegelmĂ€ĂŸige Bewegung spielt eine zentrale Rolle, wenn man Nackenschmerzen behandeln oder vermeiden möchte. Ob Yoga, Schwimmen oder gezielte DehnĂŒbungen: Bewegung stĂ€rkt die Muskulatur und kann helfen, Nackenschmerzen vorzubeugen.

Auch kurze AktivitĂ€t im Alltag kann helfen. Ein Spaziergang in der Mittagspause oder kleine Bewegungspausen im BĂŒro können bereits unterstĂŒtzen, Nackenschmerzen zu behandeln oder zu verhindern.

Ergonomie am Arbeitsplatz ist ebenfalls wichtig. Sie kann helfen, typische Nackenschmerzen-Ursachen zu vermeiden. „Die Oberkante des Monitors sollte auf Augenhöhe sein, der Abstand zum Körper eine ArmlĂ€nge betragen“, erklĂ€rt Kladny. Bei der idealen Schreibtischhöhe kann man die Schulter hĂ€ngen lassen, die FĂŒĂŸe abstellen und Knie sowie HĂŒften stehen in einem Winkel von 90 Grad.

„Die beste Haltung ist immer die nĂ€chste.“

Eine wichtige Regel lautet: „Die beste Haltung ist immer die nĂ€chste.“ Wer regelmĂ€ĂŸig die Position wechselt –mindestens drei Mal pro Stunde – kann Nackenschmerzen vorbeugen.

Nachts im Bett sollte sich die WirbelsĂ€ule gut erholen können, um Nackenschmerzen vorzubeugen. „Deswegen darf die gesamte WirbelsĂ€ule beim Schlafen nicht abknicken oder ĂŒberstrecken“, so der Experte. Hier kommt es auf die Kissenhöhe an: Sie passt, wenn der Kopf in VerlĂ€ngerung der WirbelsĂ€ule liegen kann und das Kissen selbst den Raum zwischen Kopf und Schultern ausfĂŒllt.

Wichtig: Die Schultern gehören nicht aufs Kissen. „RĂŒcken- und BauchschlĂ€fer nehmen besser ein flaches Kissen“, rĂ€t Kladny. Doch generell gĂŒnstiger sei die Seitenlage.

Akute Nackenschmerzen behandeln: Das hilft bei Beschwerden

Wenn Nackenschmerzen bereits auftreten, können einfache Übungen helfen, sie zu behandeln.
Wichtig: „Machen Sie niemals etwas ruckartig oder in den Schmerz hinein“, sagt Kladny. Er empfiehlt zwei einfache GymnastikĂŒbungen:

  • SchulterblĂ€tter zurĂŒcknehmen, nach hinten und unten ziehen und 10 Sekunden halten
  • Den Kopf zur Seite drehen und 10 Sekunden dehnen, danach die andere Seite

Auch WĂ€rme kann helfen, Nackenschmerzen zu behandeln – besonders bei muskulĂ€ren Verspannungen. WĂ€rme fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur. Hilfreich können zum Beispiel sein:

  • Kirschkernkissen
  • Rotlicht
  • WĂ€rmepflaster
  • ein Schal

Auch Capsaicin-haltige Salben oder Cremes können helfen, Nackenschmerzen zu behandeln. Bei EntzĂŒndungen ist WĂ€rme allerdings nicht sinnvoll. „Das Gewebe ist hier ohnehin schon vermehrt durchblutet“, sagt Unimediziner Kötter.

Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen können ebenfalls eingesetzt werden, um Nackenschmerzen zu behandeln. Wenn Sie sie Ihren Kund*innen empfehlen, beachten Sie mögliche Wechselwirkungen und Kontraindikationen.

Warnzeichen bei Nackenschmerzen

Bestimmte Symptome können darauf hinweisen, dass hinter den Nackenschmerzen ernsthafte Ursachen stecken. „Warnsignale sind Kribbeln, TaubheitsgefĂŒhle oder LĂ€hmungserscheinungen in den Armen“, sagt Kötter. Rund um die Uhr andauernde Nackenschmerzen können auf eine EntzĂŒndung hindeuten.

Treten Nackenschmerzen nach einem Unfall auf oder nach einer ĂŒberstandenen Krebserkrankung, sollte ebenfalls rasch Ă€rztlicher Rat eingeholt werden.

Quelle: dpa

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