Eine Krebspatientin mit Mütze sitzt auf dem Sofa und schaut in die Ferne. Eine weitere Frau sitzt hinter ihr, schaut sie an und hält ihren Arm.© KatarzynaBialasiewicz/iStock/Getty Images Plus
Eine Krebstherapie kann Betroffene und Pflegende durch Nebenwirkungen belasten – gut, wenn Sie vorab dazu beraten haben.

Nebenwirkungen mildern

HAUTPROBLEME UND NAGELVERÄNDERUNGEN BEI KREBSBEHANDLUNG

Eine Krebsbehandlung belastet und verunsichert Patienten und Angehörige. In der Apotheke finden Betroffene eine erste Anlaufstelle. Hier finden PTA wertvolle Tipps zu häufigen Nebenwirkungen vieler Krebsmedikamente, heute zum Thema Hautprobleme und Nagelveränderungen.

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Jede Krebsbehandlung ist unterschiedlich und viele Reaktionen individuell verschieden. Die Nebenwirkungen eines Krebsmedikamentes unterscheiden sich also teils stark. Alle Medikamente richten sich gegen Zellen, die sich schnell teilen, wie die Tumorzellen.

Allerdings werden bei jeder Krebsbehandlung auch andere sich schnell erneuernde Gewebe geschädigt. Etwa Schleimhäute, Haut und Haarwurzeln. Insbesondere unser größtes Organ, die Haut, kann sehr unter einer Krebsbehandlung leiden, ebenso wie die Nägel. Hier kommen Tipps für die Beratung.

Krebsbehandlung trifft auch die Haut

Viele Medikamente zur Krebsbehandlung besitzen Nebenwirkungen auf die Haut. Diese kann trocken werden, jucken oder es können sich Ausschläge bilden. Damit sie möglichst gar nicht erst zum Problem werden, sollten Betroffene bereits vor Behandlungsbeginn tätig werden. Folgende Tipps helfen, die Haut bei einer Krebsbehandlung zu schĂĽtzen:

  • Milde, seifenfreie Reinigung ohne Parfum
  • Kurz, nicht zu heiĂź duschen; nicht baden
  • Beim Abtrocknen nicht rubbeln, nur tupfen. Nicht kratzen!
  • Kein alkoholhaltiges Aftershave, keine Nassrasur, kein Nagellack oder -härter
  • Pflege auch der (kurzen!) Nägel mit harnstoffhaltiger Basispflege zwei Mal pro Tag

Haut schĂĽtzen, Infektionen vermeiden

Nicht jede Krebsbehandlung wirkt auf die Haut. Allerdings sind die oben angegebenen Tipps immer wichtig, denn geschädigte Haut kann eine Eintrittspforte fĂĽr Infekte sein. Juckreiz sollte behandelt werden, damit sich Betroffene nicht aufkratzen.

Meist hilft in den ersten drei Wochen der Krebsbehandlung eine leichte, harnstoffhaltige Lotion am besten. Ab der vierten Woche empfiehlt man besser eine rĂĽckfettende Pflege auf Mandelölbasis, gegebenenfalls mit Polidocanol.

Akneiformes Exanthem

Manche Medikamente zur Krebsbehandlung wie Hemmer von epidermalen Wachstumsfaktoren (Cetuximab, Panitumumab) oder Checkpoint-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab) können ein sogenanntes akneiformes Exanthem auslösen.

Der akneartige Ausschlag tritt wenige Tage bis Wochen nach Beginn der Krebsbehandlung auf. Er äuĂźert sich durch Rötungen, Schuppenbildung mit und ohne Juckreiz sowie durch Pusteln an Gesicht, Kopf, Brust und oberem RĂĽcken.  Dort sitzen viele TalgdrĂĽsen.

Behandelt wird mit Antihistaminika, gegebenenfalls Schmerzmitteln, Cortisoncreme und bei bakteriellen Superinfektionen mit Antibiotika.

Hand-FuĂź-Syndrom ernstnehmen

Eine ernste Nebenwirkung mancher Krebsmedikamente ist das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom. Es tritt unter 5-Fluorouracil, Capecitabin und Docetaxel sowie unter Kinasehemmern auf. Das Syndrom äußert sich mit Rötung, Schwellung und manchmal Blasenbildung der Hände und Füße.

Eine Therapie besteht in Cortisoncreme und feuchter Wundversorgung. Im schlimmsten Fall muss die Dosis der Krebsbehandlung reduziert oder die Therapie abgebrochen werden. Vorbeugen können Betroffene durch konsequente Pflege mit einer harnstoffhaltigen Zubereitung.

Nebenwirkungen der Krebsmedikamente auch auf die Nägel

Nebenwirkungen auf die Nägel können viele Krebsmedikamente außerdem haben. Das Tragen weiter, bequemer Schuhe und Socken, das Vermeiden von langem Wasserkontakt durch Handschuhe und konsequente Nagelpflege verringern das Risiko. Auf Nagellack und Kunstnägel sollten Betroffene verzichten.

Unter einer Krebsbehandlung können sich die Nägel auch weiĂź, schwarz oder orange verfärben. Das ist meist harmlos, wie auch Furchen oder Rillen. Ein Ablösen des Nagels ist aber ebenfalls möglich und kann weh tun. Gegen diese Nebenwirkung der Krebsmedikamente helfen desinfizierende Wirkstoffe und gegebenenfalls Schmerzmittel.

Jede Krebsbehandlung ist unterschiedlich, und jeder Betroffene reagiert individuell. Oft stehen die Ă„rzte unter Zeitdruck, die erkrankten Personen sind verunsichert. Hier kann die Apotheke eine erste Anlaufstelle sein, um bei Nebenwirkungen der Krebsmedikamente zu unterstĂĽtzen und gegebenenfalls an den Arzt zu verweisen.

Quellen:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie/
https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/hautprobleme

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