Meistverordnete Medikamente
(KEINE) ANGST VOR NEBENWIRKUNGEN: DAS SAGT DER BEIPACKZETTEL WIRKLICH
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PTA in der öffentlichen Apotheke kennen ihn: den Wunsch nach einem Medikament ohne Nebenwirkungen. Doch diese können bekanntermaßen nahezu bei jedem Arzneimittel auftreten. Während unerwünschte Effekte meist leicht und vorübergehend sind, irritiert die Kunden oft die schiere Zahl der im Beipackzettel aufgeführten möglichen Nebenwirkungen. Auch die Häufigkeit interpretieren viele Menschen falsch.
Hier kommt ein Überblick über die Nebenwirkungen der 50 meistverordneten Medikamente in Deutschland und auch darüber, wie häufig sie sind. Und es gibt noch einen anschaulichen Vergleich für verunsicherte Anwendende.
Nebenwirkungen meist leicht und vorübergehend
46 dokumentierte Nebenwirkungen finden sich im Durchschnitt bei jedem der 50 untersuchten Medikamente. Wir wissen: Nur, wenn die Nebenwirkungen sicher auf die Anwendung des Wirkstoffes zurückzuführen sind, müssen sie im Beipackzettel aufgeführt werden.
Insgesamt umfassten die Untersuchungen 500 Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit. Viele häufige unerwünschte Effekte sind nur leicht und vergehen schnell wieder. Die häufigsten im Beipackzettel genannten sind:
- Durchfall (bei 48 Medikamenten)
- Kopfschmerzen (46)
- Übelkeit (45)
- Schwindel und Erbrechen (je 39)
- Verstopfung (36)
- Hautausschlag (35)
- Juckreiz (31)
Es folgen Haarausfall bei 23, Muskelkrämpfe, Mundtrockenheit und Müdigkeit bei je 22, Bauchschmerzen bei 21 und Sehstörungen bei 20 Präparaten.
All diese Nebenwirkungen verschwinden entweder bei Gewöhnung an den Wirkstoff oder nach dem Absetzen völlig.
Was sind schwere Nebenwirkungen?
Insgesamt 40 Nebenwirkungen schwererer Ausprägung fanden sich in den untersuchten Beipackzetteln. 24 Nennungen von schweren Hautreaktionen, 19 starke Überempfindlichkeitsreaktionen und 18 schwere allergische Reaktionen führen das Feld hier an.
Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und schwere Nierenentzündungen fanden sich in jeweils sieben Beipackzetteln, Herzinfarkt, Nierenversagen und schwere Leberschäden in je sechs.
Langer Beipackzettel? Keine Panik
Zwischen den einzelnen Medikamentengruppen bestehen deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Zahl der dokumentierten Nebenwirkungen. Die meisten Nebenwirkungen, nämlich 80 bis 87, weisen Beipackzettel von Präparaten mit dem Wirkstoff Ramipril auf. Das ist der höchste Wert in der Untersuchung.
Knapp auf dem zweiten Platz liegt ein weiterer ACE-Hemmer: Enalapril. Am anderen Ende der Skala befinden sich Medikamente mit Vitamin D3, bei denen es im Durchschnitt 12 Nebenwirkungen in den Beipackzettel schafften. Bei Schilddrüsenmedikamenten sind es 17, bei Metformin rund 20.
Wenn der Beipackzettel eine lange Liste möglicher Nebenwirkungen enthält, werden viele Anwendende nervös. Das liegt daran, dass sie diese zahlreichen möglichen Effekte als Indikator für ein Risiko bei der Einnahme sehen. Dem ist aber gar nicht so. Vielmehr kommt es darauf an, wie breit ein Arzneistoff im Körper wirkt.
Je mehr verschiedene Bereiche des Körpers die Substanz beeinflusst, desto zahlreicher können auch unerwünschte Wirkungen sein. Bei ACE-Hemmern, die auf das gesamte Gefäßsystem wirken, sind also auch mehr mögliche Nebenwirkungen die logische Folge.
Viele verschiedene Nebenwirkungen heißt nicht hohes Risiko
Verunsicherte Kunden kann man aber generell beruhigen. In Deutschland werden Arzneimittel vor einer Zulassung sehr streng geprüft. Befindet sich ein Medikament auf dem Markt, kann man von einem guten Nutzen-Risiko-Verhältnis ausgehen.
Das schreibt Apothekerin Dr. Ina Lucas in ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“. Sie weiß auch, dass viele Menschen die Häufigkeitsangaben im Beipackzettel schlicht falsch einschätzen.
Bei Nebenwirkungen Häufigkeit richtig deuten
Jede Nebenwirkung muss mit einer Häufigkeitsangabe versehen werden. Diese ist standardisiert und reicht von „sehr häufig“ bei mindestens einem von zehn Behandelten bis zu „sehr selten“ bei einem von 10000. Anders ausgedrückt heißt das: von 10 bis 0,01 Prozent.
Apothekerin Lucas weiß, dass das oft einen falschen Eindruck macht, „denn die Angaben zur Häufigkeit in der Packungsbeilage sind andere als im alltäglichen Sprachgebrauch.“ Sie gibt ein konkretes Beispiel: Wenn der Nachbar „sehr häufig“ Nudeln esse, verstünde man darunter so etwas wie jeden zweiten Tag. Das wären 50 Prozent. Eine „sehr häufige“ Nebenwirkung trete aber bei neun von zehn Behandelten gar nicht auf.
Welche und wie viele Nebenwirkungen tatsächlich auftreten, hat mit vielen Faktoren zu tun. Dazu zählen Alter, Begleitmedikamente, Grunderkrankungen, Dosis, Einnahmedauer und viele individuelle Besonderheiten.
Wenn am HV wegen der Nebenwirkungen im Beipackzettel Verunsicherung aufkommt, kann Ihre Beratung helfen.
Quellen:
https://www.formelskin.de/wirkstoffe/haeufige-und-seltene-nebenwirkungen
https://www.abendblatt.de/ratgeber-wissen/article409733113/medikamente-was-nebenwirkungen-im-beipackzettel-bedeuten.html












