Exokrine Pankreasinsuffizienz
PRAXISWISSEN PANKREASENZYME: WAS PTA WISSEN SOLLTEN
Seite 1/1 5 Minuten
Bei Verdauungsproblemen ist die Apotheke oft die erste Anlaufstelle. Hinter unspezifischen Symptomen wie Blähungen, Fettstühlen oder Gewichtsverlust können ernsthafte Ursachenstecken. Häufig verbirgt sich dahinter eine exokrine Pankreasinsuffizienz – und damit ein wichtiges Einsatzgebiet für Pankreasenzyme. Gleichzeitig ist es wichtig, die Ursachen zu klären.
Andere Kund*innen kaufen Pankreasenzyme auf eine ärztliche Empfehlung hin. Auch hier ist Ihre Beratung gefragt. Welche Präparate gibt es, und worauf kommt es bei der Einnahme an? Ein Überblick für die Praxis.
Was sind Pankreasenzyme?
Die Bauchspeicheldrüse, das Pankreas, ist unsere wichtigste Verdauungsdrüse. Wir kennen die Bauchspeicheldrüse vor allem wegen ihrer Langerhans-Inseln und deren B-Zellen, die Insulin produzieren. Zur Verdauung aber stellt die Bauchspeicheldrüse Verdauungshormone und -enzyme her – die Pankreasenzyme.
Sie gelangen über einen Ausführungsgang gemeinsam mit der Galle aus dem Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm. Die wichtigsten Pankreasenzyme sind:
- Lipasen spalten Fette in freie Fettsäuren und Monoglyceride.
- Amylasen bauen langkettige Kohlenhydrate wie Stärke zu Oligo- und Disacchariden ab.
- Proteasen oder Peptidasen wie Trypsinogen zerlegen Eiweiße in Peptide und Aminosäuren.
Bei einem Mangel an Pankreasenzymen kommt es schnell zu Verdauungsproblemen, da die Aufspaltung der Nahrung gestört ist.
Exokrine Pankreasinsuffizienz
Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz produziert die Bauchspeicheldrüse nicht (mehr) genügend Verdauungsenzyme. Im Gegensatz dazu produziert sie bei der endokrinen Insuffizienz nicht genug Hormone. Die exokrine Pankreasinsuffizienz führt dazu, dass Nahrung nicht ausreichend aufgespalten wird, was erhebliche Verdauungsprobleme verursacht.
Typische Ursachen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz sind:
- Chronische Pankreatitis, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse; meist durch Alkoholmissbrauch oder Gallenstau
- Zystische Fibrose (Mukoviszidose), bei der zäher Schleim die Bauchspeicheldrüse verstopft
- Pankreaskarzinome
- Obstruktion des Pankreasgangs, sodass die Pankreasenzyme den Zwölffingerdarm nicht erreichen
- Entfernung des Pankreas
Bei einer fortgeschrittenen exokrinen Pankreasinsuffizienz kommt es häufig zu Verdauungsproblemen wie Bauchschmerzen und Fettstühlen, langfristig zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen.
Zusammenhang zwischen Pankreasenzymen und Galle
Die Galle spielt eine entscheidende Rolle bei der Fettverdauung und wirkt eng mit den Enzymen der Bauchspeicheldrüse zusammen. Die Galle wird in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und gelangt über den Hauptgallengang gemeinsam mit den Pankreasenzymen in den Dünndarm. Anders als die Lipasen, die Fette spalten, emulgiert die Galle Fette zu Mizellen, die dann im Darm absorbiert werden können.
- Bei Lebererkrankungen,
- bei einem Gallenstau durch Cholesterin- oder Pigmentsteine der Galle
- oder, wenn die Gallenblase entfernt wurde,
reicht die Menge an Galle eventuell nicht aus, um die Fette aus der Nahrung zu emulgieren. Das kann zu Verdauungsproblemen führen.
Es werden bei weniger Galle also mehr Pankreasenzyme nötig, um Nahrungsfette zu spalten und zu verdauen. Andersherum kann die Galle die Fettverdauung unterstützen, wenn bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz nicht genug Enzyme vorliegen.
Ein Gallenstau kann dazu führen, dass sich die Bauchspeicheldrüse entzündet und begünstigt so eine exokrine Pankreasinsuffizienz.
Verdauungsprobleme bei zu wenig Pankreasenzymen
Typische Hinweise auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz sind die damit verbundenen Verdauungsprobleme:
- Fettstühle
- Blähungen und Völlegefühl
- Diarrhö
- Gewichtsverlust
- Vitaminmängel
Weil alle Ursachen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz ernst und behandlungsbedürftig sind, verweisen Sie Kund*innen mit entsprechenden Beschwerden immer an Haus- oder Fachärzt*innen. Sie können zusätzlich zur körperlichen Untersuchung die Pankreasenzyme im Blut bestimmen.
Pankreasenzyme ersetzen
Wer Pankreasenzyme einnimmt, ist also eine Entscheidung der Ärzt*innen. Die Beratung zur Einnahme erfolgt allerdings meist erst in der Apotheke. Gut zu wissen für die Beratung:
5 Fakten über Pankreasenzyme
- Die meisten Präparate enthalten Pankreatin, ein Gemisch von Pankreasenzymen aus der Bauchspeicheldrüse von Hausschweinen. Sie sind den menschlichen Enzymen besonders ähnlich.
- Die Wirkstärke der Pankreasenzyme wird in Lipase-Einheiten angegeben: 2000 Einheiten spalten ein Gramm Fett.
- Für eine Zwischenmahlzeit werden in der Regel 10000 bis 25000, für eine Hauptmahlzeit eher 40000 Einheiten der Pankreasenzyme benötigt. Die Dosierung wird meist ärztlich festgelegt. Es finden sich online aber auch Übersichtstabellen über den Fettgehalt verschiedener Lebensmittel und natürlich helfen die Nährwertangaben auf den Umverpackungen bei der Einschätzung.
- Pankreasenzyme werden mit Wasser zu Beginn oder während der Mahlzeit eingenommen. Bei ausgedehnten Essen kann während der Mahlzeit nachdosiert werden.
- Die Präparate haben eine besondere Galenik: Die Kapseln oder Tabletten sind magensaftresistent überzogen, weil die Enzyme das saure Milieu des Magens nicht überstehen würden. Sie enthalten kleine Pellets oder zerfallen zu diesen: je kleiner, desto besser die Durchmischung mit dem Nahrungsbrei.
Außerdem gut zu wissen: Pankreasenzyme in der Beratung
Früher hat man Betroffenen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz geraten, sich fettarm oder sogar möglichst fettfrei zu ernähren. Das begünstigt allerdings Mangelerscheinungen. Deshalb lautet die Devise heute: ausgewogen essen und die Dosierung der Pankreasenzyme danach ausrichten. Die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen sollten Ihre Kund*innen trotzdem im Auge behalten und regelmäßig prüfen lassen.
Wenn Pankreasenzyme nicht ausreichend wirken und Verdauungsprobleme weiterbestehen, kann das zum einen an einer zu schwachen Dosierung liegen. Zum anderen ist es möglich, dass das Milieu im Magen zu sauer ist, sodass die Enzyme sich früh zersetzen. Dann werden Pankreasenzyme häufig mit Protonenpumpenhemmern kombiniert. Das heißt auch: Antazida können die gewohnte Wirkung verändern.
Ganz praktisch können Sie Ihren Kund*innen raten, auch unterwegs ausreichend Kapseln oder Tabletten dabei zu haben, um sie bei spontanen Snacks oder Essensverabredungen griffbereit zu haben und nicht außer Haus mit Verdauungsproblemen konfrontiert zu werden. Vor Reisen sollten Ihre Kund*innen ihre Vorräte auffüllen.
Die wichtigste Botschaft für die Beratung ist: Die richtige Anwendung entscheidet darüber, ob Verdauungsprobleme nachhaltig kontrolliert werden können. So können Pankreasenzyme die Lebensqualität Ihrer Kund*innen deutlich verbessern.
Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Pankreas
https://www.uniklinik-ulm.de/aktuelles/detailansicht/die-krankheitsentstehung-in-der-bauchspeicheldruese-von-menschen-mit-mukoviszidose-besser-verstehen.html
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/schaeden-an-der-bauchspeicheldruese-erkennen-141088/
https://flexikon.doccheck.com/de/Pankreatin
https://www.bauchspeicheldruese-info.de/de/fachspezifische-themen/doppeltes-leid-ein-organ-zwei-funktionen.html












