Ein kleines GÀstebadezimmer© Zdenek Venclik/iStock/Getty Images Plus
Gut, wenn Haushaltsmitglieder mit Magen-Darm eine eigene Toilette nutzen können.

Verhaltenstipps

MAGEN-DARM IST ANSTECKEND – FAMILIENMITGLIEDER SCHÜTZEN, DEHYDRIERUNG ERKENNEN

Magen-Darm ist ansteckend: Noroviren und andere Erreger verbreiten sich oft rasend schnell. Welche Maßnahmen helfen, welche Hausmittel bei Durchfall sinnvoll sind (und welche nicht) und woran Ihre Kund*innen eine gefĂ€hrliche Dehydrierung erkennen.

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Wer von Magen-Darm-FĂ€llen in der Kita des Kindes oder am Arbeitsplatz hört, dĂŒrfte schnell in einen Alarmmodus wechseln – inklusive Gedanken wie „Mist, haben wir die Seuche morgen auch bei uns zu Hause?“

Die Apotheke ist dann oft die erste Anlaufstelle, um vorsorglich schon einmal etwas gegen Durchfall, Erbrechen und BauchkrĂ€mpfe zu holen. Welche Verhaltenstipps Sie Ihren Kund*innen geben können – und warum Sie ihnen den Hautfalten-Test zeigen sollten.

Magen-Darm ist ansteckend: Warum Noroviren so leicht ĂŒbertragen werden

Noroviren und Co. sind hochansteckend. Daher hat fast jeder schon einmal – oder sogar mehrmals – eine Magen-Darm-Grippe durchgemacht. Dass Magen-Darm ansteckend ist, merken viele erst dann, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig betroffen sind.

Die Symptome einer Gastroenteritis melden sich oft ganz plötzlich. Heftige Übelkeit, wĂ€ssriger Durchfall, starker Brechreiz: Nichts bleibt im Körper und man kommt von der Toilette kaum weg. Dazu kommen oft schmerzhafte BauchkrĂ€mpfe, manchmal auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Wie werden Magen-Darm-Infektionen ĂŒberhaupt ĂŒbertragen?

Bei einer Magen-Darm-Grippe handelt es sich meist um eine EntzĂŒndung der Magen-Darm-Schleimhaut. „Auslöser sind hĂ€ufig Viren wie Noroviren oder Rotaviren, Bakterien wie Salmonellen und E.coli und manchmal auch Parasiten“, sagt Professor Birgit Terjung. Sie ist ChefĂ€rztin der Abteilung fĂŒr Innere Medizin und Gastroenterologie an den GFO Kliniken in Bonn.

Ansteckend ist eine Magen-Darm-Grippe vor allem durch Schmierinfektionen. Startpunkt sind dabei kleinste Spuren von Stuhl oder Erbrochenem, die an HĂ€nden oder beispielsweise TĂŒrklinken, Armaturen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln haften.

Wer in diese Spuren hineinfasst und sich dann zum Beispiel in den Mund packt, kann sich mit den Erregern infizieren – und mitunter schon nach wenigen Stunden Symptome entwickeln. In der Regel beginnen die Beschwerden 4 bis 48 Stunden nach der Ansteckung. Möglich sind auch Tröpfcheninfektionen, also Ansteckungen durch das Einatmen von Viren einer Person, die sich erbrochen hat.

Dass Magen-Darm ansteckend ist, macht den Alltag in Familien, Kitas oder Pflegeeinrichtungen besonders schwierig. Übrigens: „Eine Ansteckung ist auch durch den Verzehr verunreinigter Lebensmittel möglich“, sagt Gastroenterologin Petra Jessen.

Die Symptome klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab, Betroffene fĂŒhlen sich aber meist noch ziemlich geschwĂ€cht.

Magen-Darm ansteckend: So lÀsst sich das Risiko senken

„Das ist nicht immer leicht, gerade, wenn man viel mit anderen Menschen zu tun hat“, sagt Petra Jessen. Schlechte Nachrichten also fĂŒr Eltern von Kita-Kindern. Weil Magen-Darm so ansteckend ist, reicht oft schon enger Kontakt fĂŒr eine Übertragung.

Die Medizinerin rĂ€t, sich mehrmals am Tag und vor allem nach einem Toilettengang grĂŒndlich die HĂ€nde mit Wasser und Seife zu waschen. Auch nach dem Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch ist HĂ€ndewaschen angesagt.

Außerdem kann man das Risiko fĂŒr lebensmittelbedingte Infektionen senken, indem man auf gute KĂŒchenhygiene achtet. Das heißt konkret:

  • Fleisch und Fisch vor dem Verzehr immer gut durchgaren
  • Obst und GemĂŒse gut waschen
  • Getrennte Bretter fĂŒr das Schneiden von rohem Fleisch und Fisch sowie von Salat und anderen Lebensmitteln nutzen
  • ArbeitsflĂ€chen in der KĂŒche nach jedem Zubereitungsschritt grĂŒndlich abwischen

Hausmittel bei Durchfall: Was hilft bei einem Magen-Darm-Infekt?

Viel kommt raus, wenig geht rein – dadurch besteht die Gefahr, dass der Körper austrocknet. Das wichtigste Hausmittel bei Magen-Darm ist es also, viel zu trinken: „Wichtig ist also, den enormen Verlust von FlĂŒssigkeit und Mineralstoffen, der durch Durchfall und Erbrechen verursacht wird, auszugleichen“, sagt auch ChefĂ€rztin Terjung.

Ihre Kund*innen sollten versuchen, regelmĂ€ĂŸig zu trinken – am besten in kleinen Schlucken, damit der Magen nicht direkt rebelliert. Wasser und ungesĂŒĂŸter Tee eignen sich Terjung zufolge gut. Mit der FlĂŒssigkeit sollte man auch Mineralstoffe wie Salz, außerdem Zucker in Form von Glucose zu sich nehmen.

Warum nicht Salzstangen und Cola als Hausmittel?
Orale Rehydrationslösungen (ORS) nach WHO-Rezeptur enthalten nicht nur Salze und Glucose in den richtigen MengenverhĂ€ltnissen. Die Glucose wird durch einen aktiven Transport in die Darmschleimhaut aufgenommen und zieht durch einen Cotransport-Mechanismus Natrium hinterher. So entsteht ein osmotischer Gradient, der auch Wasser nachzieht und den Durchfall lindert. Das typische Hausmittel Salzstangen und Cola kann das nicht.

In den ersten ein, zwei Tagen können Betroffene meist noch nicht mal an Essen denken. Wer dann erste Bissen wagen möchte, dem rĂ€t Gastroenterologin Jessen zu Schonkost. Also zum Beispiel zu Zwieback, Reis, Kartoffeln, Banane oder geriebenem Apfel â€“ Hauptsache leicht verdaulich.

„Auf Alkohol und Kaffee unbedingt verzichten, da dies die Magenschleimhaut weiter reizt“, sagt die Medizinerin.

Tipps fĂŒr die Haushaltsmitglieder: Infektionsrisiko senken

  • GrĂŒndliches HĂ€ndewaschen nach jedem Toilettengang, vor dem Essen und nach Kontakt mit der erkrankten Person; zusĂ€tzlich gut: regelmĂ€ĂŸig ein HĂ€ndedesinfektionsmittel nutzen
  • HĂ€ufig berĂŒhrte OberflĂ€chen wie TĂŒrgriffe oder Lichtschalter desinfizieren
  • Die erkrankte Person kann eine separate Toilette nutzen? Sehr gut. Ist das nicht machbar, sollte das Klo nach jedem Toilettengang der erkrankten Person grĂŒndlich gereinigt und desinfiziert werden – am besten von ihr selbst. Putzt jemand anders, kann sich die Person mit Einweghandschuhen und einem Mundschutz vor Ansteckung schĂŒtzen.
  • Nicht das gleiche Handtuch im Badezimmer wie die erkrankte Person nutzen; ideal sind fĂŒr diese Zeit EinweghandtĂŒcher
  • Kleidung, BettwĂ€sche, HandtĂŒcher oder Waschlappen, die mit Durchfall oder Erbrochenem verunreinigt sind, gehören bei mindestens 60 Grad Celsius in die Waschmaschine. Auch Geschirr, das die erkrankte Person genutzt hat, in der SpĂŒlmaschine bei höchster Temperatur reinigen.

Wen sollten Sie besser zu Ärzt*innen schicken?

Sind die Beschwerden nach drei Tagen – bei Kindern nach ein bis zwei Tagen – nicht abgeklungen, ist es wichtig, Ă€rztlichen Rat einholen.

„Bei SĂ€uglingen, Schwangeren, Älteren sowie Menschen mit Vorerkrankungen ist es empfehlenswert, umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen“,

sagt Jessen. Ebenfalls umgehend die HausÀrzt*innenpraxis kontaktieren sollten Ihre Kund*innen etwa bei Blut im Stuhl.

Dehydrierung erkennen: Diese Warnzeichen sind gefÀhrlich

„Anzeichen sind beispielsweise sehr trockene Lippen und eine sehr trockene Zunge“, sagt Expertin Terjung. Wer eine Dehydrierung erkennen möchte, sollte außerdem auf Verwirrtheit oder starke MĂŒdigkeit achten. Dehydrierte Menschen können zudem lethargisch wirken. Und auch eine abnehmende ElastizitĂ€t der Haut ist ein wichtiger Hinweis.

Um eine Dehydrierung zu erkennen, hilft der Hautfalten-Test. Heißt konkret: Hautfalten bleiben stehen, wenn man sie etwa am HandrĂŒcken oder Bauch leicht anhebt und dann loslĂ€sst.

„Solche Anzeichen sind ein medizinischer Notfall“, warnt Terjung. Das gilt vor allem bei Kindern, Älteren sowie immungeschwĂ€chten Menschen.

Quellen:
dpa
https://flexikon.doccheck.com/de/Oral_Rehydration_Solution

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