Dermatologe untersucht Patienten durch Dermatoskopie© Wavebreakmedia / iStock / Getty Images Plus
Hautkrebs kann in jedem Alter auftreten, wobei das Erkrankungsrisiko stark mit dem Alter und der UV-Lebensdosis steigt.

Prüfstand

HAUTKREBS-VORSORGE: STEHT DAS SCREENING VOR DEM AUS?

Die Zahl der Erkrankungen steigt, doch die Bundesregierung prüft Einsparungen bei der Hautkrebs-Vorsorge. Expert*innen warnen vor einer kompletten Abschaffung, sehen aber Reformbedarf. Was bedeutet das für das Programm in Deutschland?

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Die Zahl der Patient*innen in deutschen Krankenhäusern hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2024 waren es 120100 stationär behandelte Patient*innen und damit 95 Prozent mehr als noch 2004. Ein Grund ist die alternde Bevölkerung, da das Risiko für Tumore auf der Haut mit dem Alter deutlich ansteigt.

Mutmaßlich werden heute aufgrund großflächigerer Screening-Angebote im Rahmen der Hautkrebs-Vorsorge zudem deutlich mehr Fälle überhaupt erkannt. Trotzdem will die Bundesregierung aus Spargründen die Vorsorge für Hautkrebs auf den Prüfstand stellen. Bisher haben alle Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf diese spezielle Hautkrebs-Vorsorge, unabhängig von persönlichen Risikofaktoren. Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Deutschland derzeit das einzige Land mit einem flächendeckenden, nicht risikobasierten Screening sei.

Zweifel am Nutzen des flächendeckenden Screenings

Derzeit stellt die Bundesregierung in allen Bereichen Ausgaben auf den Prüfstand, weil das Geld knapp ist. Das Gesundheitsministerium argumentiert, vorliegende Studien lieferten keine zuverlässigen Belege dafür, dass eine flächendeckende Hautkrebs-Vorsorge die Sterblichkeit verringert. Laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts hat auch die Zahl der Todesfälle zugenommen: 4600 Menschen starben 2024, 65 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor. Die Erkrankung liegt damit über dem Durchschnitt der Krebstoten insgesamt.

Der Dermatologe Titus Brinker vom Deutschen Krebsforschungszentrum hält die bisherige Hautkrebs-Vorsorge dennoch keinesfalls für einen Misserfolg – „weil definitiv durch das Screening Melanome gefunden werden und diese Menschen prognostisch dadurch sehr häufig profitieren“. In einer älter werdenden Gesellschaft flössen nun die Daten vieler älterer Patient*innen ein. Dies schlägt sich in der aktuellen Statistik nieder: Mehr als die Hälfte der 2024 an den Folgen der Erkrankung Gestorbenen war 80 Jahre oder älter (knapp 53 %).

Fokus auf Risikogruppen statt Gießkannenprinzip

Zudem entwickle sich durch erfolgreiche Therapien die schwarze Variante der Erkrankung zunehmend zu einer chronischen Krankheit, sodass Patient*innen erst später sterben, so Brinker weiter. Zeitliche Entwicklungen der Sterblichkeit müssten daher vorsichtig interpretiert werden. Der Experte sieht jedoch bei der Hautkrebs-Vorsorge deutlichen Optimierungsbedarf. „Ein Screening, wo jeder regelmäßig hingehen kann ab 35, das halte ich für falsch“, meint Brinker.

Es gebe sicherlich Patient*innen, die für eine engmaschige Hautkrebs-Vorsorge jedes Jahr oder alle sechs Monate gescreent werden sollten. „Das sind Leute, die haben über 100 Muttermale auf der Haut, die haben Hautkrebs in der Familie, oder die haben einen Beruf, der sie stark UV-Strahlung exponiert.“ Bei einem ersten Termin zur Hautkrebs-Vorsorge sollten Risikofaktoren abgefragt und die weitere Häufigkeit festgelegt werden. In diesem Spektrum könne wirklich Geld gespart werden. Zudem wünscht sich der Experte eine schnellere Zulassung von KI-unterstützten Geräten für Hausärztinnen.

Wie geht es mit dem Screening-Programm weiter?

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen warnt davor, die Hautkrebs-Vorsorge auszusetzen, und verweist auf die wichtige Aufklärung über UV-Belastung. Zunächst müssen Bundestag und Bundesrat den Plänen des Kabinetts zustimmen. Danach könnte der Gemeinsame Bundesausschuss mit einer Überprüfung beauftragt werden. Dieser würde dann Studien auswerten, Expert*innen zurate ziehen und bis Ende 2027 eine Stellungnahme abgeben.

Auf dieser Grundlage könnte die Politik dann entscheiden, ob sie das Programm auf besondere Risikogruppen fokussieren oder die Häufigkeit der Untersuchungen verändern will. Wichtig bleibt für jeden Einzelnen, sich selbst zu schützen und das Risiko zu minimieren. Konsequenter Sonnenschutz – unter anderem durch Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor – wird dringend empfohlen.

Quelle: dpa

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