Lachgas-Kartusche mit grĂŒnem, nichtaufgeblasenem Luftballon auf Holzbank© Ian_Redding / iStock / Getty Images Plus
Leere Kartuschen und Luftballons verraten es oft: Lachgas hat sich als Partydroge bei Jugendlichen etabliert. Ein klÀrendes GesprÀch auf Augenhöhe ist ein wichtiger Schritt der SuchtprÀvention.

GefÀhrlicher Trend

LACHGAS-KONSUM BEI JUGENDLICHEN: DAS KÖNNEN ELTERN TUN

Wer wirklich will, findet trotz Verbot weiterhin Wege fĂŒr den Lachgas-Konsum. Eine Expertin verrĂ€t, woran MĂŒtter und VĂ€ter den Lachgas-Konsum erkennen, welche Risiken drohen und wie ein klĂ€rendes GesprĂ€ch mit dem Nachwuchs gelingen kann.

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Hat unser Kind bereits Erfahrungen mit Lachgas gesammelt? Eine Frage, die viele Eltern von Jugendlichen umtreibt. Anders als beim Kiffen, das sich klassischerweise durch gerötete Augen verrĂ€t, gibt es beim Lachgas-Konsum keine deutlichen Anzeichen. „Wenn der Jugendliche sich eine Stunde vorher mit Freunden getroffen und das allererste Mal durch Lachgas konsumiert hat, gibt es wenig Chancen, was zu bemerken“, sagt Lea WĂŒrzinger von der Ginko Stiftung fĂŒr SuchtprĂ€vention.

Hintergrund: Der Rausch, der durch den Lachgas-Konsum aus Luftballons oder direkt aus der Kartusche entsteht, ist nach maximal einer Minute wieder vorbei. HĂ€ufiger Lachgas-Konsum hingegen kann – muss aber nicht – zu motorischen AusfĂ€llen fĂŒhren. „Dann wundert man sich als Elternteil zum Beispiel: „Huch, wie geht er denn die Treppe hoch?“. Oder es fĂ€llt auf, dass der Jugendliche kurzfristig etwas verlangsamt im Denken ist“, beschreibt Lea WĂŒrzinger die Folgen vom Lachgas-Konsum.

Partydroge: Trotz Verbot bleibt sie weiterhin ein Thema

Lachgas hat sich als Partydroge unter Jugendlichen etabliert. Das verraten nicht nur die leeren Kartuschen und Luftballons, die immer wieder in Parks oder auf Gehwegen zurĂŒckgelassen werden. Daran Ă€ndert sich was. Seit dem 12. April dĂŒrfen MinderjĂ€hrige diese Partydroge bundesweit nicht mehr kaufen oder besitzen, um den Lachgas-Konsum einzudĂ€mmen.

Lea WĂŒrzinger geht davon aus, dass der Lachgas-Konsum unter Jugendlichen dadurch nicht komplett verschwinden wird. „Die, die es wirklich wollen und neugierig sind, die finden ihre Wege, es zu beziehen.“ Auch deshalb ist eine frĂŒhzeitige SuchtprĂ€vention so wichtig.

Vitamin-B12-Mangel und weitere Gesundheitsrisiken durch Konsum

Hintergrund des Verbots ist, dass das farb- und geruchslose Gas beim Lachgas-Konsum zahlreiche Gesundheitsrisiken birgt, wie etwa einen Vitamin-B12-Mangel. Beim Inhalieren der Partydroge kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen, der bewusstlos machen kann, erklĂ€rt das Portal „drugcom.de“ des Bundesinstituts fĂŒr Öffentliche Gesundheit (BIÖG). StĂŒrze und Verletzungen können durch den Lachgas-Konsum Folgen sein.

Ein weiteres Risiko der Partydroge sind Erfrierungen, die neben einem Vitamin-B12-Mangel auftreten können.

Dehnt sich nĂ€mlich das in der Kartusche komprimierte Gas aus, sinkt seine Temperatur auf bis zu –55 Grad Celsius ab. Dabei kann auch die Kartusche fĂŒr den Lachgas-Konsum so kalt werden, dass die Finger daran festfrieren. Besonders riskant ist „drugcom.de“ zufolge der Lachgas-Konsum direkt aus der Kartusche – nicht nur, weil die Lippen daran festfrieren können.

Es kann durch das rasche Ausdehnen der Partydroge zu Rissen im Lungengewebe kommen.

SuchtprÀvention bei NervenschÀden und psychischer AbhÀngigkeit

Mit der Zeit drohen durch den Lachgas-Konsum NervenschĂ€den – unter anderem, weil das Gas die chemische Struktur verĂ€ndert und einen Vitamin-B12-Mangel auslöst. Der Körper kann das Vitamin, das fĂŒr die Nervenfunktion wichtig ist, dann nicht mehr nutzen.

Betroffene erleben durch den Vitamin-B12-Mangel etwa ein Kribbeln und TaubheitsgefĂŒhle an HĂ€nden und FĂŒĂŸen, auch MuskelschwĂ€che und Gangstörungen sind bei einem Vitamin-B12-Mangel laut „drugcom.de“ möglich. Ein manifester Mangel ist eine ernste und oft unterschĂ€tzte Folge.

Dazu kommt: RegelmĂ€ĂŸiger und hĂ€ufiger Lachgas-Konsum kann psychisch abhĂ€ngig machen. Hier setzt eine gezielte SuchtprĂ€vention an, um Schlimmeres zu verhindern.

Sandwich-Methode fĂŒr das klĂ€rende GesprĂ€ch

Haben Eltern den Verdacht auf Lachgas-Konsum bei ihrem Kind, möchten sie das Thema im Rahmen der familiĂ€ren SuchtprĂ€vention ansprechen – verstĂ€ndlicherweise. Aber wie gelingt die SuchtprĂ€vention zu Hause? Haben Eltern und Kind einen guten Draht zueinander, erleichtert das solche GesprĂ€che enorm.

„Wenn Jugendliche wissen: „Ich kann auf meine Eltern zĂ€hlen, auch wenn ich Mist baue“,

dann ist das immer ein TĂŒröffner fĂŒr sie, auch ĂŒber schwierige Dinge zu sprechen“, sagt Lea WĂŒrzinger. Wichtig fĂŒr eine gute SuchtprĂ€vention ist erst einmal, dass der Rahmen fĂŒr das GesprĂ€ch ĂŒber den Lachgas-Konsum stimmt. Es sollte also kein Zeitdruck herrschen. Oft ist auch ein GesprĂ€ch unter vier Augen hilfreicher als eines unter sechs Augen.

Orientieren können sich Eltern beim GesprÀchseinstieg an der sogenannten Sandwich-Methode. Dabei starten Eltern mit einer positiven Aussage ins GesprÀch, ehe sie das kritische Thema Lachgas etwa als Sorge oder Beobachtung platzieren.

Ein Beispiel: „Letztens hat eine Freundin erzĂ€hlt, dass ihr Sohn Lachgas genommen hat. Kennst du das auch?“ Im Anschluss folgt dann eine positive Botschaft wie: „Du bist mir wichtig und ich will wissen, was dich beschĂ€ftigt.“

Der Besserwisser-Modus ist absolut tabu

Wenn Sorge und Ängste groß sind, ist bei Eltern oft auch der Impuls stark, im GesprĂ€ch die lange Liste an Gefahren runterzurattern. Dieser Besserwisser-Modus kommt Lea WĂŒrzinger zufolge bei den Jugendlichen meist nicht gut an. „Und auch Anschuldigungen, LautstĂ€rke oder BeschĂ€mungen erschweren ein verstĂ€ndnisvolles GesprĂ€ch.“

Generell gilt: Die Grundhaltung „Wir beide gegen das Problem“ fĂŒhrt meist weiter als „Wir beide gegeneinander“. Hilfreich kann sein, dem Jugendlichen eine Expert*innenrolle zuzuweisen, etwa indem man sich als Mutter oder Vater vom Kind erklĂ€ren lĂ€sst, was es zum Thema weiß. Das signalisiert WertschĂ€tzung und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe.

Gemeinsame Recherche und externe Hilfen

Eine weitere Strategie, die Lea WĂŒrzinger vorschlĂ€gt: gemeinsam mit dem Nachwuchs in die Recherche zum Thema einsteigen, nach dem Motto „Lass' uns doch mal gemeinsam informieren, dann kann ich auch etwas lernen.“ Die Expertin rĂ€t Eltern außerdem, externe Hilfsangebote in Betracht zu ziehen.

„Wenn die Situation ĂŒberfordert und ein GesprĂ€ch in Ruhe gar nicht möglich ist, ist es immer angebracht, eine Elternberatung in Anspruch zu nehmen oder dem Jugendlichen eine Jugendberatung ans Herz zu legen.“

Das gilt gerade dann, wenn es schon Ausfallerscheinungen beziehungsweise Hinweise auf eine AbhĂ€ngigkeit gibt.

Quelle: dpa

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