Cychlorphin
NEUE DESIGNER-DROGE IM UMLAUF â WAS MAN DAZU WISSEN MUSS
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Vor ein paar Wochen ist im Raum Karlsruhe ein neues synthetisches Opioid aufgetaucht: Cychlorphin. âEine hoch potente Designer-Drogeâ, wie die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe schreibt.
Seither kursieren bundesweit Warnmeldungen. Denn die Gefahr ist groĂ: TodesfĂ€lle werden mit dem Stoff in Verbindung gebracht. Und es ist nicht der einzige Fall hierzulande.
Was ist Cychlorphin?
Cychlorphin (in der englischen Schreibweise mit E am Ende) zÀhlt zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Das sind chemisch hergestellte Designer-Drogen. Sichere Daten gibt es noch nicht. Cychlorphin soll laut dem Laborverbund LADR aber 50- bis 200-mal stÀrker sein als Heroin.
Cychlorphin ist seit Anfang Dezember dem NPS-Gesetz unterstellt. Dieses soll die Verbreitung von NPS bekÀmpfen. Handeltreiben, Inverkehrbringen, Verabreichen sowie Herstellen von dort genannten Designer-Drogen stehen unter Strafe.
Was ist in Karlsruhe passiert?
In zwei Urinproben von Patienten der Awo-Ambulanz und in einer sichergestellten Flasche sei die Designer-Droge Cychlorphin nachgewiesen worden. Es wird den Angaben nach als farbloses E-Liquid angeboten. âDie Patienten berichten, sie hĂ€tten Proben zum Ablecken auf die Hand getrĂ€ufelt bekommen, prinzipiell ist aber auch ein inhalativer oder intravenöser Konsum naheliegend.â
Laut dem Facharzt und Einrichtungsleiter Christoph Stoll haben sechs Patient*innen vom Konsum berichtet. Drei hĂ€tten die Designer-Droge ĂŒber mehrere Tage oder Wochen eingenommen â oral, inhalativ, in einem Fall auch intravenös. Die Wirkung sei âgutâ gewesen, Cychlorphin habe ein warmes euphorisches GefĂŒhl gemacht, man habe auch gut ânoddenâ (wegdösen) können.
Verbreitet habe die Designer-Droge wohl ein Mann, teilte Stoll mit. âDie Gefahrenlage war nicht einschĂ€tzbar, da es kaum valide Informationen zur WirkstĂ€rke des Stoffes gab. Es waren aber TodesfĂ€lle in England berichtet worden.â Daher habe die Awo Mitte Dezember eine Warnmeldung verschickt. Diese verbreitete sich. Bei der Karlsruher Polizei ist die Designer-Droge Cychlorphin bislang kein Thema.
Gab es schon Àhnliche VorfÀlle?
Das UniversitĂ€tsklinikum Freiburg hatte Ende September ĂŒber einen schweren Vergiftungsfall berichtet, bei dem die Einnahme einer Tablette mit Cychlorphin beinahe tödlich geendet sei.
âDie betroffene Person musste auf der Intensivstation behandelt werden.â
Beim Projekt NEWS (National Early Warning System) des Instituts fĂŒr Therapieforschung (IFT) in MĂŒnchen ist die Meldung aus Karlsruhe die erste zu einem Fall, bei dem absichtlich die Designer-Droge Cychlorphin in einer Gruppe von Personen konsumiert wurde, die teils Erfahrungen mit dem Konsum von Opioiden hatten.
Zudem seien gelbe Tabletten im Umlauf, die unter anderem die neue Designer-Droge Cychlorphin enthielten.
âTabletten gleichen Aussehens und gleicher Zusammensetzung stehen im Zusammenhang mit einem Todesfallâ, teilte Heiko Bergmann vom IFT mit ohne Details dazu zu nennen.
UnterschÀtzte Drogen?
Wie gefÀhrlich ist Cychlorphin?
Der Leiter der Forensischen Toxikologie des Instituts fĂŒr Rechtsmedizin des Freiburger Uniklinikums, Prof. Volker AuwĂ€rter, warnte seinerzeit, Cychlorphin sei ein potentes Opioid. Anders als Benzodiazepine â verschreibungspflichtige Medikamente â könne die Designer-Droge schon in geringen Dosen lebensbedrohliche ZustĂ€nde auslösen. âWir sehen diesen Fall als Zeichen einer besorgniserregenden Entwicklung an. In den letzten Jahren gab es in Deutschland eine deutliche Zunahme tödlicher ZwischenfĂ€lle durch synthetische Opioide.â
Der Verein Condrobs, der SuchtgefĂ€hrdeten und -kranken hilft, schreibt, dass synthetische Opioide wie die neue Designer-Droge Cychlorphin schon in winzigen Mengen â im Mikrogramm-Bereich â wirken. Sie seien unter anderem auf sechs mal sechs Millimeter groĂen Papierfilzen, sogenannten Blottern, entdeckt worden.
âSchon ein einzelner Blotter kann zu einer lebensbedrohlichen Intoxikation fĂŒhren.â
Was droht dann?
Typische Symptome einer Cychlorphin-Ăberdosierung sind laut Condrobs verlangsamte oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. âBesonders tĂŒckisch: Die Wirkung der neuen Designer-Droge unterscheidet sich deutlich von LSD, was hĂ€ufig zu FehleinschĂ€tzungen und verspĂ€teter Hilfeleistung fĂŒhrt.â
Fachleute warnen, dass es ĂŒber den Verlauf einer Vergiftung aktuell keine gesicherten Daten gebe. Daher sei die Nachbeobachtung besonders wichtig.
Wer ist besonders gefÀhrdet?
Condrobs nennt hier zum einen Menschen, die keine Erfahrung mit Opioiden haben und annehmen, LSD zu konsumieren. Eine andere Gruppe GefĂ€hrdeter seien Konsumenten von âBlotternâ. Denn Geruch, Geschmack und Aussehen liefern demnach keine verlĂ€sslichen Hinweise auf den tatsĂ€chlichen Wirkstoff.
Der Laborverbund LADR erklÀrt auf seiner Internetseite, dass die Designer-Droge Cychlorphin als alleiniges aktives Opioid in gefÀlschten pharmazeutischen Opioid-PrÀparaten nachgewiesen worden sei, die andere Stoffe enthalten sollten.
âDies erhöht das Risiko versehentlicher Ăberdosierungen, insbesondere bei Patienten in der Substitutionstherapie, die möglicherweise auf dem Schwarzmarkt nach zusĂ€tzlichen Opioiden suchen.â
Diese mĂŒssten ĂŒber die Gefahren gefĂ€lschter Medikamente und hochpotenter synthetischer Opioide aufgeklĂ€rt werden.
Was kann helfen?
Rettungsdienste, Notaufnahmen und andere mögliche Ansprechpartner mĂŒssen die neuen Entwicklungen in der Drogenszene auf dem Schirm haben, um ĂŒberhaupt eine mögliche Cychlorphin-Vergiftung in ErwĂ€gung zu ziehen.
Als Gegenmittel zur Designer-Droge kann nach ersten Erkenntnissen das Notfallmedikament Naloxon helfen. Es seien allerdings â wie bei anderen hochpotenten Opioiden â mehrere SprĂŒhstöĂe notwendig, heiĂt es beim NEWS-Projekt.
Fachleute sprechen sich zudem fĂŒr sogenannte Drug-Checking-Angebote aus â also Stellen, bei denen Designer-Drogen legal auf Inhaltsstoffe getestet werden können. Diese mĂŒssen natĂŒrlich schnell ĂŒber neue Stoffe im Umlauf informiert werden.
Wie ist die Lage in Karlsruhe heute?
âSeit Mitte Januar hören wir keine Berichte mehr von Cychlorphin-Konsum durch Patientenâ, teilte Awo-Facharzt Stoll mit. In toxikologischen Urinuntersuchungen sei auch kein Cychlorphin mehr nachgewiesen worden. Allerdings sei die Designer-Droge nur ein Beispiel. âWir mĂŒssen damit rechnen, dass immer wieder neue synthetische Opioide entwickelt und vertrieben werdenâ, so Stoll.
âDurch die Verknappung von Heroin auf dem Schwarzmarkt besteht ein Interesse an solchen Substanzen.â Globalisierung und weltweite Vertriebswege machten dies möglich.
Aktuell berichtete das Toxikologische Labor LADR vom vermehrten Auftreten eines weiteren synthetischen mit Fentanyl verwandten Opioids: Methoxyacetylfentanyl.
âWir mĂŒssen wachsam und auf der Hut sein.â
Quelle: dpa












