Junges MÀdchen mit Smartphone im Bett© banusevim / iStock / Getty Images Plus
Zwischen Faszination und Suchtgefahr: Die zunehmende Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen bereitet vielen Eltern große Sorgen.

Medienkonsum

MEDIENNUTZUNG DER KINDER: WARUM HANDYS UND TABLETS ELTERN SORGEN MACHEN

Oft aufs Handy starren wohl die meisten: Aber ist es per se schlecht, wenn die Mediennutzung der Kinder zunimmt und sie in den Sog digitaler Medien geraten? Vielen Eltern bereitet das Kopfschmerzen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, was MĂŒtter und VĂ€ter besonders umtreibt.

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Das Handy ist immer dabei, Nachrichten ploppen im Sekundentakt auf, der Stream scheint nicht zu enden – und der Blick ist meist auf den Bildschirm gerichtet: Eltern wissen, wie stark die verfĂŒhrerische Macht digitaler Medien die Mediennutzung der Kinder prĂ€gen kann. Überraschend allerdings: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH KaufmĂ€nnische Krankenkasse wissen die meisten Eltern ziemlich genau, welche digitalen Medien und Online-Angebote ihr Kind nutzt.

Demnach fĂŒhlt sich die HĂ€lfte der Befragten eher gut informiert, 24 Prozent sogar sehr gut. FĂŒr ein FĂŒnftel der Eltern ist die Mediennutzung der Kinder den Angaben zufolge allerdings „eine Art Blackbox“, sie fĂŒhlen sich schlecht darĂŒber informiert, was ihr Kind sich im Internet ansieht, welche Spiele es spielt und was es postet. FĂŒr die reprĂ€sentative Untersuchung befragten die Meinungsforscher*innen vom 30. Januar bis 16. Februar bundesweit 1001 Eltern, die Kinder im Alter zwischen 6 und 18 Jahren haben. Die KKH zĂ€hlt nach eigenen Angaben mit gut 1,5 Millionen Versicherten zu den großen bundesweiten Krankenkassen.

Hohe Bildschirmzeit: Anziehungskraft von Tablet und Co.

Laut Befragung weist fast jede*r Heranwachsende eine regelmĂ€ĂŸige Bildschirmzeit auf – insgesamt nutzen 96 Prozent digitale Medien. Ganz klar vorn liegen bei der Mediennutzung der Kinder Video-Streaming-Dienste (80 Prozent) vor Musik-Streaming (64 Prozent) und Social-Media-Plattformen (52 Prozent). Online-Spiele kommen auf 45 Prozent, kĂŒnstliche Intelligenz wie ChatGPT auf 26 Prozent. Die Krankenkasse urteilt: Eine hohe Bildschirmzeit sei immer frĂŒher fester Bestandteil des Alltags – in der Familie, im Freundeskreis und in Schule, in der Ausbildung bis hin zu Urlaub und Freizeit.

Denn sogar 6- bis 9-JĂ€hrige verbringen laut der Untersuchung schon viel Bildschirmzeit online – ĂŒber zwei Drittel von ihnen nutzen nach Angaben der Eltern Streaming-Angebote, mehr als ein FĂŒnftel spielt Online-Spiele. Allerdings: Mit 59 Prozent ist der Anteil unter ihnen, der Lern-Apps nutzt, recht hoch. Soziale Netzwerke spielen bei der Mediennutzung der Kinder dieses Alters mit nur 3 Prozent kaum eine Rolle.

Risiko Mediensucht macht die grĂ¶ĂŸten Sorgen

Eindeutig die grĂ¶ĂŸte Sorge der befragten Eltern mit Blick auf die Mediennutzung der Kinder: das Suchtpotenzial. Immerhin 53 Prozent der Eltern fĂŒrchten das Risiko einer Mediensucht, fast ebenso viele, nĂ€mlich 50 Prozent, befĂŒrchten Konzentrationsprobleme.

Gut die HĂ€lfte der Eltern geht der Befragung zufolge davon aus, dass die ausgedehnte Bildschirmzeit sich auf ihre Kinder auswirkt, gut ein Drittel nimmt demnach negative Folgen wahr. 34 Prozent der Befragten befĂŒrchten psychische Probleme oder Bewegungsmangel, auch Schlafstörungen (27 Prozent) durch zu viel Bildschirmzeit bereiten Sorgen.

Fast die HĂ€lfte der Eltern hat außerdem Bedenken, ob ihr Kind es im Netz mit gefĂ€hrlichen Inhalten zu tun bekommt.

39 Prozent treibt die Sorge wegen Cybermobbings um. Eine in der vergangenen Woche vorgestellte Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf kommt zu dem Ergebnis, dass die Gefahr einer Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen anhĂ€lt – und Anwendungen mit kĂŒnstlicher Intelligenz mit neuen Risiken dazukommen.

Hochgerechnet fast 1,5 Millionen Jungen und MĂ€dchen zwischen 10 und 17 Jahren sind demnach von Social-Media-Sucht oder einer allgemeinen Mediensucht bedroht, weil die Mediennutzung der Kinder zu einer Gefahr wird.

KI-Programme erfordern mehr Medienkompetenz

Programme wie ChatGPT oder Gemini, die eine „menschenĂ€hnliche Kommunikation“ per Text oder Sprache ermöglichen, gehören laut Studie bei vielen zur alltĂ€glichen Mediennutzung der Kinder. Einzelne Befragte sagten, sie vertrauten Chatbots Dinge an, die sie sonst keinem oder nur engen Freund_innen erzĂ€hlten.

Social Media und andere digitale Angebote seien „VerfĂŒhrungskĂŒnstler“, sagt die Psychologin Franziska Klemm, was die Gefahr einer Mediensucht erhöht. Diese Dienste arbeiteten mit technischen und psychologischen, teils personalisierten Mechanismen – mit dem Ziel, die Nutzer_innen an sich zu binden, erklĂ€rte sie.

„Denn damit verdienen sie ihr Geld.“

Klemm betont, was bei der Mediennutzung der Kinder wichtig ist: „Das bewusst wahrzunehmen und sich dagegen zu schĂŒtzen, ist vor allem fĂŒr Kinder schwer. Und so können stĂ€ndiges Swipen, Chatten, Posten und Liken ĂŒberhandnehmen und sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken, was letztlich in einer Mediensucht enden kann.“ Die Lösung: Medienkompetenz.

Diese Medienkompetenz helfe „Heranwachsenden, das online Erlebte einzuordnen und zu hinterfragen und befĂ€higt sie, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu nutzen“.

Medienkompetenz: Die Balance zwischen Chancen und Risiken

Die Sorgen der Eltern bezĂŒglich der Mediennutzung der Kinder seien nachvollziehbar – Schlafmangel, Konzentrationsstörungen, Ängste, depressive Symptome oder Isolation könnten die Folgen ĂŒbermĂ€ĂŸiger Bildschirmzeit sein.

„FĂŒr Eltern liegt die Herausforderung darin, durch Medienkompetenz die Balance zwischen Chancen und Risiken auszuloten.“

Vieles ist selbsterklĂ€rend – altersgemĂ€ĂŸ begrenzte Bildschirmzeit, Zeitlimits fĂŒr bestimmte Apps, PrivatsphĂ€re-Einstellungen und Offline-Zeiten fĂŒr Treffen mit Gleichaltrigen. Nur: Genau da liegen fĂŒr Eltern der Umfrage zufolge oft die grĂ¶ĂŸten Herausforderungen, um einer Mediensucht vorzubeugen:

Klare Regeln aufstellen, diese konsequent durchsetzen und den Überblick ĂŒber Inhalte behalten erfordert viel Medienkompetenz – das sagen jeweils etwa 50 Prozent. Mit den eigenen Kindern ĂŒber die Mediennutzung der Kinder zu sprechen, ist fĂŒr ein knappes Drittel zudem alles andere als einfach. „Dabei können offene GesprĂ€che der Eltern mit ihrem Nachwuchs entscheidend zum digitalen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen beitragen und die Medienkompetenz stĂ€rken“, betont Klemm. Das sei wichtig – damit Kinder sich „in der digitalisierten Welt nicht alleingelassen fĂŒhlen“.

Quelle: dpa

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