Mann hĂ€lt Handy in der Hand und zeigt das Display einer Ärztin© DragonImages / iStock / Getty Images Plus
Seit der EinfĂŒhrung der Digitalen Gesundheitsanwendung im Jahr 2020 sind zahlreiche Programme auf den Markt gekommen. 30 fĂŒr den Bereich Psyche.

Regelversorgung

DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNG IM CHECK: KÖNNEN APPS DIE PSYCHOTHERAPIE ERGÄNZEN?

Eine Digitale Gesundheitsanwendung kann bei Depressionen, Angststörungen oder Schlafproblemen unterstĂŒtzen – und ist als DiGA auf Rezept erstattungsfĂ€hig. Doch wie wirksam ist eine App bei Depressionen wirklich, wo liegen Grenzen und wie lĂ€sst sich die Psychotherapie sinnvoll ergĂ€nzen?

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Eine Digitale Gesundheitsanwendung, die bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen helfen kann – und die Krankenkasse zahlt die Kosten? Das klingt vielversprechend. SchlĂŒsselbegriff ist die Digitale Gesundheitsanwendung – kurz DiGA, oft auch „Apps auf Rezept“ genannt. Eine solche DiGA auf Rezept ist seit 2020 Bestandteil der Regelversorgung.

Seit der EinfĂŒhrung der Digitalen Gesundheitsanwendung im Jahr 2020 sind zahlreiche Programme auf den Markt gekommen. Mehr als 75 Anwendungen listet das Verzeichnis des Bundesinstituts fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit.
30 davon fĂŒr den Bereich Psyche (Stand Februar 2026).

Darunter findet sich auch manche Apps bei Depressionen, aber ebenso Programme fĂŒr:
- Angststörungen,
- Schlafprobleme,
- Phobien oder
- ADHS.

Eine Digitale Gesundheitsanwendung soll Betroffene im Alltag unterstĂŒtzen.

Die geprĂŒften Programme können von Ärzten sowie Psychotherapeuten verordnet werden. Eine DiGA auf Rezept soll Patientinnen und Patienten dabei helfen, mit Erkrankungen besser umzugehen.

Doch ersetzt eine Digitale Gesundheitsanwendung die Face-to-Face-Therapie – oder kann sie lediglich die Psychotherapie ergĂ€nzen? Wichtige Fragen im Überblick.

Eine DiGA auf Rezept soll Patientinnen und Patienten dabei helfen, mit Erkrankungen besser umzugehen

Was genau ist eine Digitale Gesundheitsanwendung?

Enno Maaß, Psychotherapeut und Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), beschreibt die Digitale Gesundheitsanwendung als „teilweise gut gemachte psychoedukative AufklĂ€rungsinhalte“.

Eine Digitale Gesundheitsanwendung vermittelt verstĂ€ndliche Informationen ĂŒber psychische Erkrankungen und die dahinterliegenden Prozesse. ErgĂ€nzt wird dies durch konkrete Hilfestellungen, Übungen und praktische Tipps. Besonders eine App bei Depressionen kann helfen, Symptome im Alltag besser zu bewĂ€ltigen.

Wichtig ist die Abgrenzung: Es gibt zahlreiche Apps zur mentalen Gesundheit – von Meditations- bis Coaching-Tools. Aber nur eine vom BfArM gelistete Digitale Gesundheitsanwendung gilt als DiGA auf Rezept und ist damit nach Ă€rztlicher oder psychotherapeutischer Verordnung erstattungsfĂ€hig.

DiGA auf Rezept: So funktioniert die Verordnung

Verordnen dĂŒrfen eine Digitale Gesundheitsanwendung nahezu alle Behandelnden, darunter HausĂ€rzte, Psychotherapeuten, Psychiater sowie verschiedene FachĂ€rzte. Die DiGA auf Rezept wird per klassischem Rezept verordnet. Dieses reichen Versicherte bei ihrer Krankenkasse ein. Nach PrĂŒfung erhalten sie einen Zugangscode fĂŒr die jeweilige Digitale Gesundheitsanwendung.

Versicherte können auch direkt einen Antrag auf eine DiGA auf Rezept stellen, wenn eine entsprechende Indikation – etwa fĂŒr eine App bei Depressionen – bereits vorliegt.

Als Programme fĂŒr Smartphone oder Browser fĂŒhrt die Digitale Gesundheitsanwendung Schritt fĂŒr Schritt durch bewĂ€hrte – hĂ€ufig verhaltenstherapeutische – Methoden. Die Inhalte orientieren sich meist an „störungsspezifischen Therapiemanualen“. Ziel ist es hĂ€ufig, die klassische Behandlung sinnvoll zu ergĂ€nzen und perspektivisch die Psychotherapie ergĂ€nzen zu können.

Die DiGA auf Rezept wird per klassischem Rezept verordnet.

App bei Depressionen: FĂŒr wen eignet sich das?

Ob eine Digitale Gesundheitsanwendung geeignet ist, hĂ€ngt von Art und Schwere der Erkrankung ab. PrimĂ€r richten sich die Programme an Menschen mit leichter bis mittelschwerer psychischer Belastung. Gerade eine App kann bei Depressionen und leichten VerlĂ€ufen unterstĂŒtzen.

„Je schwerwiegender und komplexer die Erkrankung, desto geringer sind auch die Effekte“,

ordnet Maaß ein. Bei erhöhter SelbstgefĂ€hrdung ist eine Digitale Gesundheitsanwendung nicht als alleinige Behandlung geeignet. Eine DiGA auf Rezept kann jedoch begleitend helfen und unter UmstĂ€nden die Psychotherapie ergĂ€nzen. Sie ist jederzeit verfĂŒgbar, „in der Hosentasche, direkt bei den Leuten“, so Sander.

Eine gute App bei Depressionen oder eine andere Digitale Gesundheitsanwendung sollte immer Notfallnummern und Ansprechpartner fĂŒr akute Krisen enthalten.

Vorsicht ist geboten, wenn Patientinnen und Patienten statt einer notwendigen Behandlung ausschließlich eine Digitale Gesundheitsanwendung nutzen. Bleibt der Erfolg aus, kann dies die Motivation fĂŒr eine Therapie senken. Andererseits berichten Fachleute, dass eine DiGA auf Rezept durchaus dazu beitragen kann, die Bereitschaft zu steigern, eine Psychotherapie zu beginnen oder diese aktiver zu nutzen.

Wie wirksam ist eine Digitale Gesundheitsanwendung?

Die Wirksamkeit einer Digitalen Gesundheitsanwendung liegt meist im kleinen bis mittleren Bereich. FĂŒr die Zulassung genĂŒgt eine Studie, die eine gewisse Wirksamkeit belegt.

Manche App bei Depressionen zeigt gute Effekte – allerdings hĂ€ufig nur auf einzelne Symptome. Eine Digitale Gesundheitsanwendung ersetzt daher keine Psychotherapie. Sie kann jedoch helfen, Wartezeiten zu ĂŒberbrĂŒcken und erste Strategien zu vermitteln.

Viele Programme sind darauf ausgelegt, die bestehende Behandlung zu begleiten und so die Psychotherapie ergĂ€nzen zu können. Nutzerinnen und Nutzer erhalten praktische Techniken fĂŒr den Alltag, was insbesondere bei einer App bei Depressionen hilfreich sein kann.

Eine Digitale Gesundheitsanwendung ersetzt daher keine Psychotherapie.

Psychotherapie ergÀnzen: Zusammenspiel in der Praxis

Studien zeigen, dass die Symptomreduktion durch eine Digitale Gesundheitsanwendung Ă€hnlich hoch sein kann wie bei einer Psychotherapie – sofern die Betroffenen eine PrĂ€ferenz fĂŒr das digitale Medium haben.

Dennoch bietet die persönliche Therapie zusĂ€tzliche Effekte. „Viele Menschen haben das BedĂŒrfnis, verstanden und gehört zu werden, soziale Kontakte wieder besser pflegen zu können oder sich selbstwirksam zu spĂŒren“, so Sander. Genau hier kann eine Digitale Gesundheitsanwendung die klassische Behandlung zwar unterstĂŒtzen, aber nicht vollstĂ€ndig ersetzen.

Richtig eingesetzt kann eine DiGA auf Rezept die IntensitÀt erhöhen: Zwischen den Sitzungen lÀsst sich digital weiterarbeiten. So kann die Anwendung effektiv die Psychotherapie ergÀnzen.

Die Verschreibung ist allerdings meist auf 90 Tage begrenzt – danach muss die Digitale Gesundheitsanwendung erneut verordnet werden.

Quelle: dpa

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