Insula-Region
ALKOHOLKONSUM: VOR ALLEM PSYCHOSOZIALER STRESS VERLEITET DAS HIRN ZUM TRINKEN
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Unter Stress greifen viele Menschen zu Alkohol âStress fĂŒhrt daher schneller zu Alkoholmissbrauch. Eine aktuelle Studie zeigt eine mögliche körperliche Ursache: Die Hirnregion Insula (Reilsche Insel oder Inselrinde) bei Teilnehmenden mit erhöhtem Alkoholkonsum reagiert empfindlicher auf psychosozialen Stress.
Psychosozialer Stress entsteht durch Konflikte, Kritik, Isolation oder Ăberforderung im sozialen Umfeld. Dazu gehören Jobstreit, Familienprobleme oder Mobbing am Arbeitsplatz. Er kann Angst, Erschöpfung und Schlafstörungen auslösen. Langfristig wird das Immunsystem dadurch abgeschwĂ€cht.
Die Insula-Region als GefĂŒhlszentrum und die Reaktion auf Stress
Die Insula ist ein kleiner Bereich im Gehirn, der viele Signale sammelt und zusammenfĂŒhrt. Die Insula hilft dabei, GefĂŒhle, Körperempfinden und Reize wie Stress zu verarbeiten. Sie merkt, ob wir Hunger, Durst, Schmerz, Atemnot oder Ekel empfinden. Auch GerĂŒche, Geschmack und BerĂŒhrungen werden dort mit GefĂŒhlen verknĂŒpft.
Darum beeinflusst die Insula auch Entscheidungen, Sprache und Verhalten. Sie reagiert auf Stress und arbeitet eng mit anderen Hirnbereichen zusammen, die fĂŒr Emotionen wichtig sind. Einfacher gesagt ist die Insula eine Art inneres Stress-, Warn- und GefĂŒhlszentrum. Sie meldet dem Gehirn, wie es dem Körper gerade geht und was emotional wichtig ist.
Auf Alkohol verzichten:
Wie wurde die Studie zur AlkoholabhĂ€ngigkeit unter Stress durchgefĂŒhrt?
Die Studie untersuchte mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT), wie sich bei Stress der Alkoholkonsum auf die GehirnaktivitĂ€t auswirkt. Teilnehmende mit AlkoholabhĂ€ngigkeit wurden dazu psychosozialem Stress, körperlichem Stress und Kontrollbedingungen ausgesetzt. ZusĂ€tzlich wurden Alkoholverlangen und Cortisolwerte im Kontext von Stress und Alkoholkonsum erfasst. Eine zwölfmonatige Nachbeobachtung dokumentierte auĂerdem den tatsĂ€chliche Stress und den Alkoholkonsum.
Aktivierungen im Bereich der Insula-Region unter Stress zeigen, wie eng emotionale Belastung und Suchtdruck verbunden sind. Denn unter psychosozialem Stress war die Insula besonders aktiv, wenn den Proband*innen Bilder von Alkohol gezeigt wurde â unter körperlichem Stress und unter Kontrollbedingungen reagierte die Insula nicht.
Diese Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise auf den Zusammenhang von psychosozialem Stress und Alkoholkonsum und letztlich die Entwicklung einer AlkoholabhĂ€ngigkeit. Dr. Dr. Patrick Bach, Leiter der Studie am Zentralinstitut fĂŒr Seelische Gesundheit in Mannheim, hofft, so gezielte Therapien gegen hohen Alkoholkonsum und AlkoholabhĂ€ngigkeit entwickeln zu können, die prĂ€zise die Rolle der Insula bei psychosozialem Stress fokussieren.
Alkoholkonsum durch Stress: Was hilft Betroffenen?
Wer durch Stress in die AlkoholabhĂ€ngigkeit geraten ist, muss zunĂ€chst den Stress reduzieren, um dann den Alkoholkonsum reduzieren zu können. Insbesondere psychosozialer Stress, auf den die Insula ja besonders zu reagieren scheint, ist meist keine Frage des Pensums, sondern gelernter Verhaltensmuster. Auch das Umfeld spielt eine groĂe Rolle
Diese Muster zu durchbrechen, können Betroffene in einer Psychotherapie erlernen. Zuvor mĂŒssen sie jedoch entgiften, gegebenenfalls Ă€rztlich begleitet.
Therapieziel ist es, den Alkoholkonsum auf Null zu senken â auch in Phasen mit viel Stress. Man spricht dann von trockenen Alkoholiker*innen. Die AlkoholabhĂ€ngigkeit bleibt bestehen.
Quellen:
https://nachrichten.idw-online.de/2024/02/08/insula-im-fokus-wie-stress-das-verlangen-nach-alkohol-beeinflusst
https://flexikon.doccheck.com/de/Psychosoziale_Belastung
https://www.kenhub.com/de/library/anatomie/insula
https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/I/lexikon-insula.html
https://www.dasgehirn.info/grundlagen/anatomie/der-insellappen
https://www.medi-karriere.de/wiki/insula-die-inselrinde/
https://www.mywaybettyford.de/suchtkompendium/psychische-alkoholabhaengigkeit/
Ralf Schneider: âDie Suchtfibel: Wie AbhĂ€ngigkeit entsteht und wie man sich daraus befreit. Informationen fĂŒr Betroffene, Angehörige und Interessierteâ, Schneider Verlag, 22. korrigierte Auflage 2024.












