Eine Frau liegt traurig und in eine Decke gehĂŒllt auf dem Sofa, ihr Hund liegt daneben.© TatyanaGl/iStock/Getty Images Plus
Zu antriebslos fĂŒr den Alltag, zu Ă€ngstlich zum Funktionieren: Bei Frauen mit PMDS sind wohl der Zusammenhang von Cortisolproduktion und Serotoninwirkung schuld, dass sie jeden Monat depressiv werden.

PMDS

DEPRESSION VOR DER MENSTRUATION: DAS STECKT DAHINTER

Eine echte, schwere Depression, bevor die Menstruation beginnt, und das jeden Monat: So Ă€ußert sich die PrĂ€menstruelle Dysphorische Störung (PMDS) bei bis zu acht Prozent aller Frauen. Der Leidensdruck Betroffener ist hoch, die Ursachen liegen im Dunkeln. Das könnte sich jetzt aber Ă€ndern.

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WÀhrend das PrÀmenstruelle Syndrom PMS schon starke Beschwerden verursachen kann, gehen die Symptome bei PMDS noch weiter. Depressive Stimmung, Gereiztheit, Schlafstörungen, AngstzustÀnde und den Alltag einschrÀnkende Antriebslosigkeit senken die LebensqualitÀt Betroffener stark. Seit 2022 ist PMDS ein eigenstÀndiges Krankheitsbild.

Forschende haben errechnet: Frauen leiden wÀhrend ihrer gesamten gebÀrfÀhigen Zeit insgesamt bis zu sechs Jahre unter klinisch relevanten Symptomen einer schweren Depression. Ein interdisziplinÀres Team der UniversitÀten Leipzig und Jena hat jetzt eine Besonderheit im Stoffwechsel betroffener Frauen gefunden. Und die könnte die Depression vor der Menstruation erklÀren.

Echte schwere Depression vor der Periode

Dass von PMDS betroffene Frauen tatsĂ€chlich unter einer echten Depression leiden, bevor die Menstruation einsetzt, könnte mit der körpereigenen Cortisol-Produktion zusammenhĂ€ngen. Das fanden Forschende um Kim Carina Hoffmann vom Max-Planck-Institut fĂŒr Kognitions- und Neurowissenschaften der Klinik fĂŒr Kognitive Neurologie der UniversitĂ€t Leipzig heraus. In Zusammenarbeit mit Beteiligten aus den Instituten fĂŒr Nuklearmedizin der Uni Leipzig und fĂŒr Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie der UniversitĂ€t Jena untersuchten sie 30 Frauen mit PMDS und 29 gesunde Probandinnen.

Die Forschenden fanden heraus, dass die Depression Betroffener vor ihrer Menstruation einherging mit geringerer Cortisolproduktion nach dem Aufwachen wĂ€hrend dieser Zeit. Außerdem wiesen die Frauen mit PMDS eine höhere Serotonin-Transporterbindung im Mittelhirn auf. Das senkt die VerfĂŒgbarkeit von Serotonin am synaptischen Spalt.

Weil Serotonin unsere Stimmung maßgeblich beeinflusst, sind die ZusammenhĂ€nge zwischen der Cortisol-Aufwachreaktion und der Serotonin-Rezeptorbindung fĂŒr die Forschenden besonders interessant.

Hoffmann und ihr Team fanden heraus, dass bei Frauen mit PMDS die morgendlichen Cortisol-Anstiege verringert waren gegenĂŒber Frauen ohne Depression vor der Menstruation.

Bei gesunden Frauen fanden diese Anstiege um den Eisprung herum zudem spĂ€ter statt als wĂ€hrend der sonst ĂŒblichen 30 bis 45 Minuten nach dem Aufwachen.

PMDS als Folge verÀnderter Stresshormone?

PMDS könnte also mit einer verÀnderten Cortisol-Produktion nach dem Aufwachen zusammenhÀngen. Diverse Blutabnahmen, Speichelproben und bildgebende Verfahren erfolgten wÀhrend zweier verschiedener Zyklusphasen. Die Symptome der Depression vor der Menstruation erfassten die Forschenden mit standardisierten Fragebögen.

So konnten Hoffmann und ihr Team erstmals die Wechselwirkungen zwischen Serotonin als Stimmungsregulator, Cortisol und depressiver Symptomatik ĂŒber den weiblichen Zyklus hinweg erfassen.

Standards ĂŒberdenken, weiter forschen

Die Leiterin der Forschungsgruppe „Kognitive Neuroendokrinologie“ der Tagesklinik fĂŒr Kognitive Neurologie an der UniversitĂ€t Leipzig ist Professor Dr. Julia Sacher. Sie forscht intensiv am Thema PMDS und weiß, wie stark Betroffene unter ihrer Depression vor jeder Menstruation leiden.

Ihrer Meinung nach unterstreichen die gewonnenen Erkenntnisse die Notwendigkeit, aktuelle Standards zur Messung der Cortisol-Aufwachreaktion zu ĂŒberdenken. Besonders wichtig findet sie dies im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede, Zyklusphasen und hormonelle EinflĂŒsse.

Denn die Untersuchung zeigt deutlich, wie sehr die Cortisolkonzentration nach dem Aufwachen die Serotoninwirkung und damit wahrscheinlich auch die Depression vor der Menstruation beeinflusst.

Wie genau das alles zusammenhÀngt, muss noch weiter erforscht werden.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften

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