PDMS
DEPRESSION VOR DER MENSTRUATION: DAS STECKT DAHINTER
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Während das Prämenstruelle Syndrom PMS schon starke Beschwerden verursachen kann, gehen die Symptome bei PDMS noch weiter. Depressive Stimmung, Gereiztheit, Schlafstörungen, Angstzustände und den Alltag einschränkende Antriebslosigkeit senken die Lebensqualität Betroffener stark. Seit 2022 ist PDMS ein eigenständiges Krankheitsbild.
Forschende haben errechnet: Frauen leiden während ihrer gesamten gebärfähigen Zeit insgesamt bis zu sechs Jahre unter klinisch relevanten Symptomen einer schweren Depression. Ein interdisziplinäres Team der Universitäten Leipzig und Jena hat jetzt eine Besonderheit im Stoffwechsel betroffener Frauen gefunden. Und die könnte die Depression vor der Menstruation erklären.
Echte schwere Depression vor der Periode
Dass von PDMS betroffene Frauen tatsächlich unter einer echten Depression leiden, bevor die Menstruation einsetzt, könnte mit der körpereigenen Cortisol-Produktion zusammenhängen. Das fanden Forschende um Kim Carina Hoffmann vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften der Klinik für Kognitive Neurologie der Universität Leipzig heraus. In Zusammenarbeit mit Beteiligten aus den Instituten für Nuklearmedizin der Uni Leipzig und für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie der Universität Jena untersuchten sie 30 Frauen mit PDMS und 29 gesunde Probandinnen.
Die Forschenden fanden heraus, dass die Depression Betroffener vor ihrer Menstruation einherging mit geringerer Cortisolproduktion nach dem Aufwachen während dieser Zeit. Außerdem wiesen die Frauen mit PDMS eine höhere Serotonin-Transporterbindung im Mittelhirn auf. Das senkt die Verfügbarkeit von Serotonin am synaptischen Spalt.
Weil Serotonin unsere Stimmung maßgeblich beeinflusst, sind die Zusammenhänge zwischen der Cortisol-Aufwachreaktion und der Serotonin-Rezeptorbindung für die Forschenden besonders interessant.
Hoffmann und ihr Team fanden heraus, dass bei Frauen mit PDMS die morgendlichen Cortisol-Anstiege verringert waren gegenĂĽber Frauen ohne Depression vor der Menstruation.
Bei gesunden Frauen fanden diese Anstiege um den Eisprung herum zudem später statt als während der sonst üblichen 30 bis 45 Minuten nach dem Aufwachen.
Frauengesundheit im Fokus:
PDMS als Folge veränderter Stresshormone?
PDMS könnte also mit einer veränderten Cortisol-Produktion nach dem Aufwachen zusammenhängen. Diverse Blutabnahmen, Speichelproben und bildgebende Verfahren erfolgten während zweier verschiedener Zyklusphasen. Die Symptome der Depression vor der Menstruation erfassten die Forschenden mit standardisierten Fragebögen.
So konnten Hoffmann und ihr Team erstmals die Wechselwirkungen zwischen Serotonin als Stimmungsregulator, Cortisol und depressiver Symptomatik ĂĽber den weiblichen Zyklus hinweg erfassen.
Standards ĂĽberdenken, weiter forschen
Die Leiterin der Forschungsgruppe „Kognitive Neuroendokrinologie“ der Tagesklinik für Kognitive Neurologie an der Universität Leipzig ist Professor Dr. Julia Sacher. Sie forscht intensiv am Thema PDMS und weiß, wie stark Betroffene unter ihrer Depression vor jeder Menstruation leiden.
Ihrer Meinung nach unterstreichen die gewonnenen Erkenntnisse die Notwendigkeit, aktuelle Standards zur Messung der Cortisol-Aufwachreaktion zu ĂĽberdenken. Besonders wichtig findet sie dies im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede, Zyklusphasen und hormonelle EinflĂĽsse.
Denn die Untersuchung zeigt deutlich, wie sehr die Cortisolkonzentration nach dem Aufwachen die Serotoninwirkung und damit wahrscheinlich auch die Depression vor der Menstruation beeinflusst.
Wie genau das alles zusammenhängt, muss noch weiter erforscht werden.
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften












