Zwei Seniorinnen im Bademantel stehen am Fenster und kuscheln.© LightFieldStudios/iStock/Getty Images Plus
Kuscheln beschleunigt die Wundheilung – zumindest bei Paaren, die sich auch sonst Nähe spenden.

Kuschelhormon

OXYTOCIN KANN DIE WUNDHEILUNG BESCHLEUNIGEN

Dass Kuscheln die Wundheilung beschleunigen kann, zeigen neue Daten der Universität Heidelberg und des Universitätsspitals Zürich. Welche Rolle das Kuschelhormon Oxytocin dabei spielt? Lesen Sie selbst.

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Faktoren, die die Wundheilung beschleunigen können, kennt man mittlerweile reichlich. Feuchtes, sauberes Milieu, Zink, spezielle Wundauflagen: All das ist immer wieder Gegenstand von Forschungsarbeiten. Jetzt messen Forschende erstmals, welchen Einfluss Kuscheln und das dabei freigesetzte Kuschelhormon Oxytocin haben.

Dass Kuscheln der Psyche hilft, weiß man natürlich. Jetzt lässt sich aber zeigen, dass auch der Körper davon profitiert.

Wundheilung beschleunigen durch Nähe

Dass sich die Wundheilung durch Kuscheln beschleunigen lässt, zeigen Daten, die ein Team um die Psychologin Beate Dietzen von der Universität Heidelberg zusammengetragen hat. Die nötige Zahl an Freiwilligen zu finden, war gar nicht so einfach. Denn für eine großzügige Entschädigung ließen sich 80 Paare freiwillig kleine Verletzungen zufügen.

Hintergrund: Um zu beurteilen, ob sich die Wundheilung beschleunigen lässt, mussten die Wunden vergleichbar sein. Mit einer Saugglocke verursachten die Forschenden vier kleine, oberflächliche Blasen an den Unterarmen der Probanden.

Die Hälfe der Personen erhielt regelmäßig ein Nasenspray, das das Kuschelhormon Oxytocin enthielt, die andere Hälfte inhalierte ein Placebo. Außerdem erfassten die Forschenden, wie häufig die Paare kuschelten und Sex hatten.

Kuscheln und Sex erforderlich

Nach sieben Tagen stand ein Ergebnis fest: Die Wundheilung ließ sich durch Oxytocin tatsächlich beschleunigen, aber nur, wenn die Paare auch verhältnismäßig viel kuschelten und Sex hatten.

Das Nasenspray allein verursachte keine Veränderung in der Wundheilung. Messbar beschleunigen konnte es diese nur bei den Paaren, die gleichzeitig viel Nähe, Körperkontakt und Sex angaben.

Fehlte die Nähe in der Partnerschaft, konnte das Oxytocin-Nasenspray allein die Wundheilung nicht beschleunigen.

Kuschelhormon wirkt besser in trainierten Gehirnen

Das Kuschelhormon Oxytocin kann die Wundheilung beschleunigen, wenn die betreffende Person viel Körperkontakt bekommt. Ohne diesen funktioniert es nicht. Der Grund dafür könnte sein, dass Paare, die häufig kuscheln, auch regelmäßig höhere Konzentrationen an Kuschelhormon im Gehirn aufweisen.

„Ihr System hat das gelernt“,

meint Beate Dietzen. Ihre Wundheilung lässt sich deshalb mit dem Nasenspray beschleunigen, weil es nur in einem an das Kuschelhormon gewöhnten Gehirn richtig wirkt.

Oxytocin hilft Psyche und Körper

Das Verhalten und die Nähe in der Partnerschaft sind also Grundlage dafür, ob sich die Wundheilung durch Oxytocin beschleunigen lässt. Dass Kuscheln der Psyche hilft, weiß man. Jetzt lässt sich aber erstmals messen, dass auch der Körper davon profitiert und sogar das Kuschelhormon selbst besser wirkt.

Ob sich die Wundheilung so auch bei größeren Verletzungen beschleunigen lässt, müssen weitere Studien zeigen. Die Zeit bis dahin überbrücken viele Paare wohl mit Kuscheln- natürlich zu Forschungszwecken.

Quellen:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/kuscheln-sex-oxytocin-wunden-100.html
Schneider E, Hernández C, Brock R, et al.: „Intranasal Oxytocin and Physical Intimacy for Dermatological Wound Healing and Neuroendocrine Stress: A Randomized Clinical Trial”, JAMA Psychiatry, 12. November 2025. https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2841268

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