Frau mittleren Alters sitzt glĂŒcklich auf der Couch, sie hat die Arme hinter dem Kopf verschrĂ€nkt.© Drazen Zigic / iStock / Getty Images Plus
Ein Blickwechsel in den Wechseljahren kann helfen, körperliche VerÀnderungen neu einzuordnen.

WECHSELJAHRE ALS CHANCE: MIT NEUER INNERER STÄRKE DURCH DIE MENOPAUSE

Die Wechseljahre mĂŒssen kein reines Durchhalten sein. Eine Expertin zeigt, wie Frauen die Menopause als Neubeginn begreifen und mit kleinen VerĂ€nderungen mehr Leichtigkeit und innere StĂ€rke in diese Lebensphase bringen.

Seite 1/1 3 Minuten

Seite 1/1 3 Minuten

Wechseljahre, (Peri-)Menopause und alles drumherum: Das gilt oft als etwas Unangenehmes. Nach dem Motto: Da muss man durch, der Körper verÀndert sich eben. Viele Frauen erleben die Wechseljahre zunÀchst als Phase des Aushaltens, nicht als gestaltbaren Lebensabschnitt.

Und klar: Hitzewallungen, Schlafstörungen und Co. nerven einfach. Gerade in den Wechseljahren laufen Job und Familie oft ungebremst weiter. Bei einigen Frauen kommt dazu, dass plötzlich Angehörige gepflegt werden mĂŒssen. Ganz schön viel also – auch emotional. Die Menopause trifft damit hĂ€ufig auf eine ohnehin stark belastete Lebensphase.

Aber sind die Wechseljahre wirklich nur ein Abschied von Jugend, Fruchtbarkeit und Faltenfreiheit? Oder können sie auch ein Aufbruch sein – und damit etwas Positives? Die Ärztin Professor Petra Beschoner sagt: Ganz klar können sie das.

Menopause: Abschied oder Aufbruch?

Dabei kommt es darauf an, wie wir den Wechseljahren und der Menopause begegnen. Da ist zum einen die „Perspektive, diese Zeit nicht als Ende der Weiblichkeit zu betrachten, sondern als Beginn einer Phase ohne biologische ZwĂ€nge – frei von Menstruation, VerhĂŒtungsdruck und hormonellen Achterbahnfahrten“, so die FachĂ€rztin fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie.

Gerade rund um die Menopause hilft dieser Blickwechsel vielen Frauen, körperliche VerĂ€nderungen neu einzuordnen. Statt Verlust rĂŒckt die neu gewonnene Freiheit in den Fokus – ein wichtiger Schritt, um die Wechseljahre aktiv zu erleben.

Auch der Re-Frame, jugendliche Unsicherheiten gegen innere StĂ€rke einzutauschen, stĂ€rkt das Selbstbild: Mit den Jahren wĂ€chst meist die FĂ€higkeit, Grenzen zu setzen und die eigenen BedĂŒrfnisse klarer wahrzunehmen. Viele Frauen spĂŒren, dass sich in den Wechseljahren ein Raum fĂŒr neue Projekte, Beziehungen oder Selbstverwirklichung Ă¶ffnet.

Wechseljahre gestalten: aktiv statt passiv

Doch wie lassen sich die Wechseljahre gestalten, statt sie nur zu ertragen? Petra Beschoner rĂ€t zu einer bewussten Reflexion. Ihr Vorschlag: der alten Lebensphase einen Abschiedsbrief und der neuen einen Willkommensbrief schreiben. Was will ich? Und was darf gehen? Wer die Wechseljahre gestalten möchte, beginnt genau hier – bei der eigenen Haltung.

Noch ein Tipp: „ein strukturierter SelbstfĂŒrsorge-Plan, der kleine Schritte fĂŒr jeden Lebensbereich umfasst“, so die Ärztin. Wichtig: Er sollte realistisch in den Alltag eingebaut werden können. Gerade wenn Frauen ihre Wechseljahre gestalten, helfen klare, umsetzbare Maßnahmen.

Beispiele, was in so einem Plan stehen kann:

Im Job:

  • Erwartungen realistisch anpassen, gegebenenfalls PrioritĂ€ten neu verhandeln
  • Mikropausen einplanen und auch tatsĂ€chlich machen
  • Aufgaben delegieren, statt sĂ€mtliche Verantwortung stillschweigend zu tragen

In Partnerschaften:

  • VerĂ€nderungen offen ansprechen, etwa mit SĂ€tzen wie: „Ich bin schneller gereizt, das liegt an meiner Situation, nicht an dir.“
  • Gemeinsame Rituale pflegen und IntimitĂ€t neu definieren, wobei Letzteres bedeutet: Druck herausnehmen und ZĂ€rtlichkeit sowie emotionale NĂ€he in den Vordergrund stellen
  • Auch in der Care-Arbeit: UnterstĂŒtzung einfordern, also Partner, Kinder oder Angehörige aktiv einbeziehen, externe Hilfe prĂŒfen, Perfektionismus loslassen, ein „Gut genug“ akzeptieren

Innere StÀrke in den Wechseljahren entwickeln

Um innere StÀrke in den Wechseljahren zu finden, hilft alles, was die Stimmung stabilisiert und die eigene Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, fördert. Gerade in der Phase der Menopause ist diese innere StÀrke ein wichtiger Schutzfaktor. Zum Beispiel:

„regelmĂ€ĂŸige moderate Bewegung, gute Schlafhygiene, Achtsamkeit und Stressabbau durch Meditation, AtemĂŒbungen oder Journaling. Auch der Austausch mit anderen Frauen in einer Ă€hnlichen Lebensphase wirkt oft enorm entlastend“,

sagt die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau. Solche Strategien unterstĂŒtzen Frauen dabei, ihre Wechseljahre zu gestalten und die innere StĂ€rke nachhaltig zu fördern.

Kurz: Die Wechseljahre lassen sich nicht verhindern, aber sie lassen sich gestalten. Wer sie als Übergang begreift, darf neu sortieren, Grenzen ziehen und eigene BedĂŒrfnisse ernster nehmen. Die Menopause markiert damit nicht nur ein Ende, sondern auch einen Anfang.

Nun darf etwas beginnen, das vielleicht oft zu kurz kam: ein Leben mit mehr Selbstbestimmung, Gelassenheit und innerer StÀrke.

Quelle: dpa

×