Aus der Psychologie
SCHLAFSTÖRUNGEN ALS FENSTER DER PSYCHE – URSACHEN UND THERAPIE
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Der Nachtschlaf des Menschen durchläuft vier bis fünf Schlafzyklen mit einer jeweiligen Dauer von etwa neunzig Minuten. Die Non-REM-Phase (REM: „Rapid Eye Movement“, schnelle Augenbewegungen) fasst die Einschlafphase und die Leichtschlafphase bis zur Tiefschlafphase zusammen. Darauf folgt dann die REM-Phase, der sogenannte Traumschlaf. Schlafstörungen durch die Psyche wecken die Betroffenen auf, unabhängig davon, in welcher Schlafphase sie sich gerade befinden.
Die Ein- und Leichtschlafphase nehmen von der Dauer des Zyklus dreißig bis sechzig Minuten ein. Hier entspannt sich der Körper, die Herzfrequenz sinkt und Muskelzuckungen oder das Gefühl des Fallens treten auf. Die Tiefschlafphase der Non-REM-Phase ist durch die regelmäßige Atmung und die minimalste Gehirn- und Muskelaktivität die erholsamste. Die REM-Phase ist ein leichterer Schlaf, die Träume sind intensiv und am längsten. Unter geschlossenen Lidern bewegen wir die Augen, daher der Name.
Die häufigsten Ursachen von Schlafstörungen durch die Psyche
Neben körperlichen Faktoren können auch psychische den Schlaf belasten. Ein Überblick.
Stress als Ursache von Schlafstörungen
Eine gestresste Psyche führt je nach Ausmaß zu Schlafstörungen. Der Gedankenstrudel, der vom Einschlafen abhält, oder das unruhige Gemüt, das mitten in der Nacht erwacht, kommen in stressigen Lebensphasen häufig vor. Die gestresste Psyche bedingt wiederum körperliche, hormonelle Ursachen: die Freisetzung von Cortisol, dem aktionsbereiten Hormon, dessen Ausschüttung Melatonin zurückhalt.
Die Aufgabe von Melatonin wäre, das Einschlafen in den Abendstunden zu fördern – bei hohem Cortisolspiegel gelingt dies schlechter.
Depression als Ursache von Schlafstörungen
Die Depression als Erkrankung der Psyche ist eine der häufigsten Ursachen von Schlafstörungen. Bei einer Depression bildet sich ein Teufelskreis, da die Schlafstörungen die Symptome weiter befeuern. Eine antriebslose Psyche wird durch die Fatigue der vorangegangenen Schlafstörungen verstärkt. Veränderungen der Schlafphasen innerhalb der Depression sind:
- verspätetes Einschlafen
- kürzere Zeitspanne zwischen Einschlafen und erster REM-Phase
- erste REM-Phase verlängert und erhöhte Intensität
- Reduktion des Tiefschlafs bei erhöhtem Traumschlafanteil
Angst als Ursache von Schlafstörungen
Angststörungen kommen entweder als chronischer Angstzustand vor oder als plötzliche Angstattacken. Phobien gehören theoretisch auch dazu, jedoch führen diese Ängste, die von einem spezifischen Auslöser abhängen, seltener zu Schlafstörungen.
Logischerweise halten die Spannungszustände der Psyche vom Schlafen ab und führen als direkte Ursache zu Schlafstörungen. Auch hier nimmt der Körper die Panik wahr und hält als Überlebensmaßnahme den sogenannten Fight-or-Flight-Zustand aufrecht, indem er die entsprechenden Botenstoffe ausschüttet.
Besser schlafen:
Weitere Erkrankungen der Psyche, die den Schlaf stören
Die Psyche kann auf vielen weiteren Ebenen die Ursache von Schlafstörungen sein. Typische Erkrankungen, die den Schlaf stören (wenn auch seltener als die bereits genannten) sind zum Beispiel Schizophrenie, eine posttraumatische Belastungsstörung, Persönlichkeitsstörungen oder die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ADHS.
Umgekehrt
So wie die Psyche Ursachen von Schlafstörungen provoziert, beeinflussen umgekehrt auch Schlafstörungen die Psyche negativ. Je nachdem, wie regelmäßig jemand schlecht schläft, fallen die Folgen entsprechend übel aus. Das Risiko, an affektiven Störungen zu erkranken, ist bei starkem Schlafmangel erhöht. Schlafstörungen führen zu emotionaler Dysregulation, Reizbarkeit und können auf lange Sicht depressive Episoden und Angststörungen provozieren.
Therapie von Schlafstörungen
Liegen die Ursachen der Schlafstörungen in der Psyche, ergibt sich auch damit eine Möglichkeit der Therapie. Neben der medikamentösen Therapie empfehlen sich für Betroffene verschiedene Arten der nicht-medikamentösen Therapie, um einen Umgang mit den Ursachen zu erlernen.
Im besten Fall wird die Erkrankung, die die Ursache der Schlafstörungen ist, nach der Diagnose ohnehin mit Psychotherapien begleitet.
Nichtmedikamentöse Therapie von Schlafstörungen
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie lernen die Patient*innen die eigene Psyche kennen und gehen Gewohnheiten und Zuständen auf den Grund, die eventuell Ursache der Schlafstörungen sind. Das Thema Schlafhygiene, also die Maßnahmen für einen gesunden Schlaf, und die Stimuluskontrolle werden in der Therapie nachhaltig mit den Betroffenen erörtert, um die Schlafstörungen einzudämmen.
Stimuluskontrolle der Psyche bedeutet im Zuge der Therapie, relevante Situationen für ein erwünschtes Verhalten anzupassen. Für Schlafstörungen geht es beispielsweise um die Situationen vor dem Zubettgehen, die das Einschlafen der Betroffenen nachhaltig verbessern sollen. Grundsätzliche Empfehlungen sind:
- Anpassung des Lichts, Wärme und Gemütlichkeit aufrechterhalten
- Kine Bildschirmzeit unmittelbar vor dem Zubettgehen
- Entspannung fördern
- Das Bett nur mit dem Schlafen assoziieren (nicht etwa darin fernsehen oder essen)
- Ruhiges Atmen
- Rituale wie Lesen, Hörbücher hören oder Tagebuch führen
- Emotional belastende und aktivierende Tätigkeiten vermeiden
Medikamentöse Therapie von Schlafstörungen durch die Psyche
Die medikamentöse Therapie von Schlafstörungen kann auch pflanzlichen Ursprungs sein. Bei rezeptfreien Arzneimitteln ist das Beratungsgespräch entscheidend, um die Kund*innen einerseits mit der richtigen Therapie zu versorgen und andererseits Tipps zu geben, um die Schlafstörungen durch die Psyche zu reduzieren.
Haben die Kund*innen bereits ein Rezept, können Sie neben den Einnahmehinweisen auch zur Schlafhygiene aufklären.
Verschreibungsfreie medikamentöse Therapie von Schlafstörungen
Melatonin als schlafanstoßendes Hormon empfiehlt sich bei Einschlafstörungen. Ob Sprays, Weichgummis oder Tabletten, die unterschiedlichen Einnahmeformen helfen beim Einschlafen. Diese Therapie von Schlafstörungen beruhigt zusätzlich die Psyche besorgter Kund*innen, da das Abhängigkeitsrisiko verhältnismäßig gering ausfällt.
Phytopharmaka wie Baldrian, Lavendel, Hopfen, Melisse und Passionsblume in Kombipräparaten, als Tee oder Fertigarzneimittel sind für die Therapie von Schlafstörungen empfohlen. Bei Betroffenen mit einer stark gestressten Psyche durch beispielsweise Klausurenphasen oder Jobwechsel eignen sich Präparate, die man schon untertags einnehmen kann, um den chronischen Stress zu reduzieren.
Einige H1-Antihistaminika sind durch ihre Lipophilie im zentralen Nervensystem gängig und wirkt daher sedierend. Entsprechend finden sie sich als Therapie für Schlafstörungen wieder. Die Sedierung wirkt sich auch auf die Psyche aus.
Verschreibungspflichtige medikamentöse Therapie von Schlafstörungen
Als psychotrope Substanzen werden Benzodiazepine nicht nur bei Schlafstörungen eingesetzt, sondern auch bei Spannungszuständen der Psyche. Die Therapie mit Benzodiazepinen wirkt, indem die Arzneistoffe am GABA-A-Rezeptor die inhibitorische GABAerge Transmission verstärken. Dadurch wirken sie unter anderem anxiolytisch und hypnotisch.
Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon sind sogenannte Z-Substanzen, die auch als Therapie für Schlafstörungen eingesetzt werden. Auch sie wirken, durch das Binden am selben Rezeptor, sedativ-hypnotisch. Die Psyche ist in beiden Fällen durch diese Therapie für Schlafstörungen ganzheitlich betroffen, nicht zuletzt durch die angstlösende Wirkung.
Achtung: Benzodiazepine weisen mehrere und folgenschwere Nebenwirkungen sowie ein hohes Suchtpotenzial auf. Die Therapie der Schlafstörung durch die Psyche richtet sich nach den Ursachen und bedarf je nach Leidensdruck und Komorbiditäten ärztliche Beratung.
Quellen:
Thomas Karow, Ruth Lang-Roth: „Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie“, Thomas Karow (Verlag) 2020, 29. Auflage 2021.
Ludger Tebartz van Elst, Elisabeth Schramm, Mathias Berger (Hrsg.): „Psychiatrie und Psychotherapie“. Urban & Fischer/Elsevier, 7. Auflage 2024.
Helga Peter, Jan Giso Peter: „ICSD-3“, in „Enzyklopädie der Schlafmedizin“, Springer Reference 2020. https://link.springer.com/rwe/10.1007/978-3-642-54672-3_930-1
https://www.schlaf.org/psychische-erkrankungen/
https://www.klinik-auskunft.de/blog/schlafmangel-psychische-folgen-tipps-besser-schlafen/












