Militär
APOTHEKE DER BUNDESWEHR: VERBORGEN UNTER DEM REGENSTEIN
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Mitten im Harz – unter meterhohen Felsen und verschlossen durch schwere, getarnte Tore – befindet sich eine Apotheke, die als die größte unterirdische weltweit bezeichnet wird. Die Apotheke der Bundeswehr in Blankenburg versorgt tausende Soldat*innen mit Arzneimitteln und medizinischem Material.
Zwischen beliebten Wanderwegen in Blankenburg gelegen wird dort alles gelagert, verpackt und verschickt, was Soldat*innen brauchen: von der Wundheilsalbe und den Magnesiumtabletten über Operationslampen und Röntgengeräte bis hin zu in Kriegsgebieten benötigtem Verbandsmaterial. Die Apotheke der Bundeswehr ist zentral für die medizinische Versorgung der Truppe.
Bundeswehrapotheke unter dem Regenstein
Unter dem Harzer Regensteinmassiv befindet sich das Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat), eine Spezialeinrichtung der Bundeswehr. Wer dort arbeitet, braucht einen sogenannten Sauerstoffselbstretter. Hauptmann Dominik Dorn erklärt:
„Das hat im Fall der Fälle die Funktion, das Atmen auch in stark verrauchter Umgebung noch für eine Zeit von circa einer halben Stunde zu ermöglichen, damit man genug Zeit hat, die Anlage zu verlassen im Falle einer Evakuierung.“
Denn unter Tage muss jederzeit mit einem Notfall gerechnet werden. Fluchtwege gibt es nicht. Dafür Pakete. So weit das Auge reicht. Gestapelt, in Regalen verstaut. Kleine, große, offene und verschlossene Pakete. „Alle fünf Minuten verlässt hier am Tag ein Paket mit Medikamenten oder medizinischen Geräten diese Anlage“, berichtet Dorn.
In der Bundeswehrapotheke können Medikamente auch individuell hergestellt werden. Auf Anfrage werden auch zivile Stellen versorgt.
Medikamente der Bundeswehr: für mehrere Bundesländer
Gearbeitet wird an diesem außergewöhnlichen Ort ähnlich wie im Großhandel: Truppenärzt*innen geben eine Bestellung auf, in der Bundeswehrapotheke wird dann auf den kilometerlangen Gängen alles Gewünschte zusammengesucht, verpackt und in Lastwagen geladen. 60000 Soldat*innen in den neuen Bundesländern und Bayern werden so versorgt. Denn im Gegensatz zum Otto Normalverbraucher bekommen sie ihre Medikamente direkt von zuständigen Truppenärzt*innen – und nicht aus der öffentlichen Apotheke.
Damit das funktioniert, haben die Ärzt*innen einen Vorrat, den sie in Sanitätsversorgungszentren bereithalten. Die dort gelagerten Medikamente stammen zu einem großen Teil aus den zentralen Standorten der Bundeswehr.
Neben der Bundeswehrapotheke in Blankenburg gibt es noch zwei Schwesterdienststellen: im niedersächsischen Quakenbrück und im hessischen Pfungstadt. Dort werden die Arzneimittel allerdings nicht unter meterhohem Stein gelagert, sondern in Hallen. Auch das macht die Apotheke der Bundeswehr in Blankenburg zu einer ganz besonderen Einrichtung.
Unterirdische Apotheke mit bewegter Geschichte
Die ersten dieser unterirdischen Gänge wurden von KZ-Häftlingen des in Thüringen gelegenen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora geschaffen – zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Nationalsozialist*innen hatten geplant, in Blankenburg eine Außenstelle des Lagers zu errichten. Dazu kam es nie. Der Krieg endete vorher.
Zu DDR-Zeiten baute die Nationale Volksarmee den Standort dann so aus, wie er heute ist. Nun war der Plan, unter Tage ein Lager für militärisches Gut zu schaffen. Im Notfall sollte dort autark gearbeitet und zeitweise auch gelebt werden können. Dafür wurden auch eine Truppenküche und Sanitäranlagen eingerichtet.
Danach übernahm die Bundeswehr den Standort. „Man hat dort nach der Wende ziemlich gleich ein Sanitätsdepot installiert“, erzählt Presse-Offizier Dorn. Dass die Gänge unter dem Felsen liegen, bringe Herausforderungen in Sachen Brand- und Arbeitsschutz sowie Logistik mit sich, habe mit Blick auf die Einlagerung von Arzneimitteln aber auch Vorteile.
Die unterirdische Apotheke profitiert von konstanten Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad Celsius – hervorrangende Lagerbedingungen. Zudem muss man in einer solchen Anlage nur wenige Ein- und Ausgänge überwachen.
Spezialist*innen sichern die Versorgung der Apotheke Bundeswehr
Derzeit sind etwa 200 Frauen und Männer in Blankenburg stationiert. Etwa ein Drittel von ihnen arbeitet im Berg. In der Kaserne gibt es unter anderem auch eine eigene Feuerwehr, die reagieren kann, wenn unter Tage ein Notfall eintritt.
Neben den Soldat*innen, die Bestellungen zusammensuchen und verpacken, gibt es in der Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne unterirdisch auch jene, die hoch spezialisiert arbeiten. „Wir betreiben hier auch Medizintechnik“, sagt Dorn, „wir in Blankenburg haben das Los gezogen, dass wir den Schwerpunkt Durchleuchtung, bildgebende Verfahren machen.“ Deshalb gibt es einen gesonderten Bereich, in dem zum Beispiel Röntgengeräte gewartet und geprüft werden.
In einem anderen Areal der Anlage werden Geräte zur Sterilisation medizinischer Instrumente so aufbereitet, dass sie auch unter extremen Bedingungen funktionieren. Dort kommen zudem Geräte hin, die zuvor unter Extrembedingungen eingesetzt wurden. Die Spezialist*innen prüfen dann, ob und wie sie weiter genutzt werden können. Die Apotheke der Bundeswehr spielt also nicht nur bei der Lagerung von Arzneimitteln eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Wartung medizinischer Technik.
Apotheke der Bundeswehr zieht Besucher*innen nach Blankenburg
„Ich denke, wir spielen hier eine ziemlich große Rolle“, schätzt Dorn ein,
„man kann sagen, jeder Truppenarzt in Deutschland hat irgendwo in seinem Sanitätsversorgungszentrum Medikamente, die er auch tagtäglich an die Soldatinnen und Soldaten ausgibt, die aus einem dieser drei Standorte kommen.“
Die Apotheke der Bundeswehr wird aber auch regelmäßig besucht. Neben Schulklassen und anderen Interessierten kommen immer wieder Soldat*innen aus anderen Kasernen nach Blankenburg, um die Anlage zu sehen.
Hauptmann Dorn sagt ihnen dann: „Bei Ihrem letzten Arztbesuch, wenn Sie dann Schnupfenspray oder eine Kopfschmerztablette bekommen haben, stammt die mit hoher Wahrscheinlichkeit hier aus der Untertageanlage.“ Die besondere Kombination aus Geschichte, Logistik und Technik macht die unterirdische Apotheke zu einem außergewöhnlichen Arbeitsplatz.
Quelle: dpa












