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BEEINFLUSST DIE ERNĂHRUNG DIE PARTNERWAHL?
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Hafer- statt Kuhmilch, Veggie-Burger statt Rumpsteak: Es heiĂt oft, Frauen ernĂ€hren sich bewusster. Doch suchen sie sich auch Partner, die eine Ă€hnliche ErnĂ€hrungsweise haben? Und was bedeutet das fĂŒr Menschen mit Fleisch- oder Fastfood-PrĂ€ferenzen?
Gabriel Laeis forscht dazu und hat verblĂŒffende Beobachtungen bei seinen Studierenden gemacht. Der Professor fĂŒr Nachhaltigkeit im Hotel- und Tourismusmanagement an der IU Internationalen Hochschule beschĂ€ftigt sich in Kulinarik-Kursen auch damit, welchen Einfluss Beziehungsdynamiken auf die ErnĂ€hrung haben â und umgekehrt. âEin Essenstyp hat dabei statistisch gesehen besonders schlechte Kartenâ, sagt Laeis im Interview.
Herr Professor, hat die ErnÀhrungsweise Einfluss auf die Partnerwahl?
Gabriel Laeis: Obwohl die Datenlage aus wissenschaftlicher Sicht eher dĂŒnn ist, gehen Forscher davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen ErnĂ€hrungsweise und Verhalten gibt. Ăberlegt man sich, dass man rund die HĂ€lfte aller Mahlzeiten mit anderen Leuten einnimmt, hat die ErnĂ€hrungsweise sehr wahrscheinlich schon Auswirkung auf das Zusammenleben. Da ist nur schwer vorstellbar, dass sie keinen Einfluss auf eine Partnerschaft hat.
Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die sogenannte âPrimetime der Partnersucheâ, also junge Menschen im Alter zwischen 20 und Mitte 30. Wenn ich jetzt ein paar Ergebnisse eines Jugendreports der Uni Göttingen hinzuziehe, ergibt sich folgendes Bild:
90 Prozent der jungen Erwachsenen interessieren sich danach fĂŒr ErnĂ€hrung.
50 Prozent der Frauen haben ihren Fleischkonsum in den vergangenen Jahren reduziert, bezeichnen sich mittlerweile als Flexitarier oder verzichten ganz auf Fleisch. Bei den MĂ€nnern sind es aber nur 25 Prozent.
Glaubt man nun den 70 Prozent der Veganer und Vegetarier, die sich Partner mit Ă€hnlicher ErnĂ€hrungsweise wĂŒnschen, gĂ€be es einen Ăberhang von 25 Prozent der MĂ€nner. Das bedeutet nicht, dass sich eine Vegetarierin auf keinen Fall in einen Fleischliebhaber verliebt â aber die 25 Prozent haben es vermutlich schwerer bei der Suche nach einer Partnerin.
Ich habe mal eine kleine informelle Erhebung mit meinen Studierenden gemacht und sie zu PrĂ€ferenzen befragt. Auch da kam heraus, dass man sich Partner mit Ă€hnlichem ErnĂ€hrungsstil wĂŒnscht. Was aber auch auffiel, dass es bei den jeweils Ă€uĂeren Enden der Veganer und denjenigen, die gern viel Fleisch essen, schnell ein bisschen engstirnig wird. So sprach etwa ein junger âFleischesserâ von seiner Partnerin als âmeine Veganerinâ, die zwar âbeim Kochen nervt, aber eine sehr schöne Haut hatâ.
Andere berichteten von WGs, in denen es zwei Backbleche gibt, eines fĂŒr die Fleischliebhaber und eines fĂŒr das Veggie-Team. GerĂ€t man dann in einer Partnerschaft an einen strengen Vertreter des jeweiligen anderen Teams, ist es schwer vorstellbar, dass man gern gemeinsam miteinander kochen oder essen mag. Obwohl nicht jeder Veganer oder Vegetarier zwangslĂ€ufig auch gesund isst, kommt ein gesunder Körper aber schon bei der Partnerwahl gut an, weil das attraktiv macht.
Angenommen, ich weià noch nicht, wie mein Date ernÀhrungstechnisch tickt: Was soll ich im Restaurant bestellen?
Gabriel Laeis: Ich kann nur empfehlen mit den eigenen PrĂ€ferenzen ehrlich umzugehen â sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Also, wenn mir eben Fleisch in meinem Leben sehr wichtig ist, dann finde ich, sollte man beim ersten Date nicht den vegetarischen Teller bestellen â nur weil man glaubt, damit Eindruck schinden zu können. Das halte ich persönlich fĂŒr den absolut falschen Weg.
Aber schon vor dem Date sollte man sich mit der Frage beschĂ€ftigen: Wie wichtig ist mir ErnĂ€hrung und welchen Stellenwert nimmt sie in meinem Leben ein? Dieser sollte dann in einer Beziehung auf Ă€hnlichem Niveau sein. Wenn es beiden egal ist â gut. Aber wenn einer viel Wert auf Kochen zu Hause legt oder generell nur Bio kauft und der andere liebend gern ins Fastfood-Restaurant rennt, könnte es schwierig werden.
Wie entwickelt sich die ErnÀhrung in der Partnerschaft?
Gabriel Laeis: Es gibt Hinweise aus der Forschung, dass Datende, die noch kein Paar sind, im Restaurant kalorienĂ€rmere, schickere und teurere Essen bestellen, als wenn sie beispielsweise mit Freunden oder Familie essen gehen wĂŒrden. Das interpretiere ich als Balzverhalten durch die Essenswahl und soll zeigen: âIch achte auf meine ErnĂ€hrung.â Forscher aus den USA haben 2017 geschaut, wie sich ErnĂ€hrung im Laufe einer etablierten Beziehung verĂ€ndert hat.
Da kam heraus: Am Anfang der Beziehung passen sich die Frauen in ihrem ErnĂ€hrungsstil eher den MĂ€nnern an. Und wenn es darum geht, die Beziehung zu erhalten, dann passen sich andersherum wiederum eher die MĂ€nner den Frauen an. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich MĂ€nner im Alter einfach gesĂŒnder ernĂ€hren und sich dem ErnĂ€hrungsstil ihrer Frauen anpassen. Denn Frauen achten mehr auf ihren Körper.
Quelle: dpa












