Mentale Gesundheit
POSITIVES DENKEN STÄRKT UND LÄSST SICH TRAINIEREN
Seite 1/1 5 Minuten
Optimismus gilt als Schlüssel für psychische Gesundheit, Resilienz und Lebenszufriedenheit. Für PTA bedeutet das auch: besserer Umgang mit stressigen Beratungssituationen, herausfordernden Kund*innen oder Kolleg*innen und einem vollen HV-Tisch. Doch ist eine Grundhaltung für positives Denken angeboren – oder lässt sie sich trainieren? Dazu muss man verstehen, was Optimismus eigentlich ist und wie positives Denken wirkt.
„Optimisten sind in der Regel Menschen, die gut mit ihren eigenen Schwächen umgehen und diese akzeptieren können“, sagt Winfried Rief, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg. Diese Personen wissen: Es geht auch mal etwas daneben oder man schafft eine Aufgabe nicht, aber deswegen ist nicht die ganze Welt schlecht. Ein gesundes positives Denken hilft hier enorm.
Optimismus lässt uns deutlich länger leben
Wer optimistisch ist, erwartet sich von der Zukunft Positives. „Diese Sichtweise ist habituell“, also durch Gewohnheit geprägt, erklärt Professor Astrid Schütz über den Optimismus. „Menschen, die optimistisch denken, erwarten in den unterschiedlichsten Situationen einen positiven Ausgang“, so die Professorin, die den Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Bamberg leitet. Dabei kann die voraussichtlich positive Zukunft von der eigenen Leistung abhängen, muss sie aber nicht.
Die Forschung unterscheidet verschiedene Formen, etwa den naiven (oder defensiven) und den funktionalen Optimismus.Für den Apothekenalltag ist vor allem der funktionale Optimismus relevant, da er professionelles Handeln mit realistischer Einschätzung verbindet.
Zur Veranschaulichung: Eine defensive Optimistin geht davon aus, dass ihr schon nichts passieren wird. Warum also einen Fahrradhelm aufsetzen? Dieser naive Optimismus kann riskant sein, wenn etwa Gefahren durch ein falsches positives Denken unterschätzt werden.
Übertragen auf die Apotheke könnte das heißen, Risiken bei Wechselwirkungen oder Dosierungen zu unterschätzen.Ein funktionaler Optimist dagegen sieht die Zukunft zartrosa, trägt aber seinen Teil zur Erfüllung dieser Annahme bei, ohne alle Vorsicht fahren zu lassen. Das entspricht einer sorgfältigen Beratung, bei der man positiv bleibt, aber fachlich korrekt und aufmerksam arbeitet.
Wahres positives Denken ist also nicht blind.
Bessere Gesundheit und Erfolg durch positives Denken
Grundsätzlich ist Optimismus ein Baustein, der hilft, zufriedener zu leben. Er steht im Zusammenhang mit besserer Gesundheit, und Menschen, die positives Denken praktizieren, haben Rief zufolge eine höhere Lebenserwartung und mehr Erfolg im Beruf.Für PTA kann sich das in mehr Gelassenheit im Schichtdienst, weniger emotionaler Erschöpfung und mehr Freude am Umgang mit Kund*innen zeigen.
„Offensichtlich gelingt es Menschen, die eine positive Erwartung haben, auch die eintretenden Ereignisse entsprechend anzubahnen.“
Wer etwa durch positives Denken fest daran glaubt, den neuen Job zu bekommen, wird wahrscheinlich positiver in das Bewerbungsgespräch gehen und damit seine Chancen verbessern.
Im Apothekenkontext kann das bedeuten, selbstbewusst in Beratungsgespräche zu gehen und dadurch eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Ein gesunder Optimismus zahlt sich hier aus.
Inneres Wohlbefinden stärken:
Positives Denken im Alltag trainieren
Aber woran liegt es, dass die einen positiver durchs Leben gehen als die anderen? „Es gibt eine genetische Komponente“, sagt Schütz, „man kann sich optimistische Sichtweisen aber auch aneignen.“ Rief erklärt es so: Wer als Kind in bestimmten Situationen positive Erfahrungen macht, wird auch als erwachsener Mensch an ähnliche Situationen positive Erwartungen haben. Wollen Sie Ihre Denkweise in Richtung positives Denken verändern, können Sie üben, die Dinge anders zu sehen, den eigenen Standpunkt zu ändern.
Seien Sie sensibel für positive Erfahrungen, wie klein sie auch sein mögen, um Ihr positives Denken zu fördern.
Das kann im Apothekenalltag ein gelungenes Beratungsgespräch, ein Dankeschön von Kund*innen oder ein gut gelöster Teamkonflikt sein.Ein Dankbarkeitstagebuch kann dabei hilfreich sein.
Halten Sie beispielsweise abends fest, was am Tag gut lief und was Ihr eigener Anteil daran war. Sich mit Freund*innen treffen, die einem guttun, oder Sport zu treiben, also positive Ereignisse zu produzieren, kann ebenfalls zu einer positiveren Sicht der Dinge beitragen und den Optimismus stärken. „Unsere Studien haben gezeigt, dass auch diese kleinen Dinge wirken“, sagt Schütz über positives Denken.
Trotz Optimismus: Negatives gehört zum echten Leben dazu
Und kommen doch einmal sehr negative Gedanken auf, kann man sich bewusst immer wieder „Stopp“ vorsagen, um das positive Denken zu schützen. Oder sich symbolisch vorstellen, dass man die negativen Gedanken in Form eines Monsters einsperrt.
Das heißt aber auch, man muss sich die Zeit nehmen, sich mit den negativen Gedanken auseinanderzusetzen, sonst bleibt die Übung für mehr Optimismus ohne positiven Effekt.
Negative Emotionen nur wegzuschieben ist nicht zielführend. Auch Negatives gehört zum Leben dazu und darf zugelassen werden, selbst wenn man positives Denken anstrebt.
„Man kann sich über Positives mehr freuen, wenn man den Kontrast des Negativen wahrnimmt.“
Derartige Gedankenübungen können helfen, sich von pessimistischen Menschen und deren ansteckender schlechter Stimmung abzugrenzen, um das eigene positive Denken zu bewahren. Falls sich die Person darüber hinaus nicht meiden lässt, lässt sich vielleicht der Kontakt reduzieren.
Oder man spricht das Verhalten beziehungsweise die negative Sichtweise konkret an, hält vielleicht sogar bewusst dagegen, wenn man dazu die Kraft und Energie hat. Das wird sicherlich nicht jeden Tag der Fall sein.
Eine leicht positive Haltung stärkt das positive Denken enorm
Am günstigsten ist es, die Dinge leicht positiv zu sehen und so auch mit Optimismus in die Zukunft zu blicken – das mache uns mutig und handlungsfähig, so Schütz – „sonst würde niemand ein Start-up gründen oder Kinder bekommen“. Ein positives Denken bedeutet nicht, völlig unrealistisch zu denken.
Auch das konnte die Forschung bereits nachweisen. Schütz und ihr Team untersuchten mit Daten des Nationalen Bildungspanels das Verhältnis von objektiver Kompetenz zur Selbsteinschätzung bei Fünftklässler*innen und die daraus entstehenden Effekte auf das positive Denken.
Das Ergebnis: Wenn die Schüler*innen sich leicht überschätzten, war das gut für ihr Wohlbefinden und ihren Optimismus. Schätzten sie sich deutlich übertrieben positiv ein, war das schlecht für ihre weitere Kompetenzentwicklung. Positives Denken braucht also auch Realismus.
Gerade für PTA gilt: fachliche Sicherheit und realistisches Einschätzen der eigenen Kompetenzen sind die Basis für einen gesunden Optimismus im Berufsalltag.
Quelle: dpa












