Epilepsie
VALPROAT IN DER SCHWANGERSCHAFT: SO WIRKT ES AUF BABYS GEHIRN
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Wie genau Valproat sich auf das Gehirn des Ungeborenen auswirkt, war bisher nicht bekannt. Neue Untersuchungen ändern das jetzt. Forschende eines Zusammenschlusses verschiedener Institute haben Organmodelle des menschlichen Gehirns im Labor gezüchtet und untersucht, wie genau Valproat hier in den verschiedenen Entwicklungsphasen Einfluss nimmt.
Für manche Frauen stellt Valproat die einzige wirksame Therapie ihrer Epilepsie dar. Die Forschungsergebnisse könnten helfen, neue Ansätze für die Risikominimierung bei einer notwendigen Einnahme in der Schwangerschaft zu finden.
Valproat am Gehirnmodell
FĂĽr die Studie wurde Valproat an sogenannten GroĂźhirn-Organoiden untersucht. Das sind im Labor aus Stammzellen gezĂĽchtete dreidimensionale Gewebemodelle des menschlichen Gehirns. Sie bilden verschiedene Entwicklungsstadien des Gehirns nach.
Eine Behandlung mit Valproat ĂĽber 30 Tage simulierte einen Dauergebrauch. AnschlieĂźend wurden die Auswirkungen auf Gewebe-, Zell- und MolekĂĽlebene untersucht.
Wie Valproat sich auf die Hirnentwicklung auswirkt
Valproat hemmte die Zellteilung deutlich und störte die geordnete Struktur wichtiger Entwicklungszonen, stellte das Team um Zeynep Yentür aus der Arbeitsgruppe um Professorin Simone Mayer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fest. Vorläuferzellen entwickelten sich unter Valproat schlechter zu reifen Nervenzellen.
Vor allem die extrazelluläre Umgebung veränderte sich, wurde steifer und beeinträchtigte so zentrale Kommunikations- und Signalwege. Diese seien aber für die normale Entwicklung unverzichtbar, erklärt Yentür.
Valproat in der Schwangerschaft: Geht das doch?
Während Valproat bei bestehender oder geplanter Schwangerschaft bisher zahlreichen Warnhinweisen unterliegt, stellt es für manche Frauen die einzig wirksame Behandlung ihrer Epilepsie dar. Die Erkrankung betrifft etwa 40 Millionen Menschen weltweit; wirksame und sichere Therapien werden dringend gebraucht. Ihre Laborstudie zu Valproat ersetzt keine klinischen Daten, weiß Yentür. Sie liefert aber wichtige Hinweise auf grundlegende Mechanismen der Gehirnentwicklung und den Einfluss von Valproat.
Yentür und die anderen Forschenden aus dem Exzellenzcluster „3D Matter To Order“ ändern mit ihren Untersuchungen die geltenden Empfehlungen für Valproat in der Schwangerschaft nicht.
Der Zusammenschluss aus KIT, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie der Universitäten in Tübingen und Heidelberg hofft auf etwas anderes: Ihr Ziel ist es, neue Forschungsansätze zur Risikominimierung für Valproat in der Schwangerschaft zu finden.
Die Forschenden des KIT beschäftigen sich mit zukunftsweisenden Technologien. Computermodelle zur Vorhersage von Herzerkrankungen, Nanopartikel und neuartige Systeme zur Krebstherapie oder auch Organstrukturen aus dem 3D-Drucker zählen zu ihren Forschungsgebieten. Gelingt es, genau vorherzusagen, in welche Prozesse Valproat bei der Gehirnentwicklung in welcher Weise eingreift, kann es vielleicht eines Tages Wege für einen sicheren Einsatz in der Schwangerschaft geben.
Quellen:
https://idw-online.de/de/news870119
Yentür, Z., Branco, L., Sarieva, K. et al.: “Multiomics analysis identifies VPA-induced changes in neural progenitor cells, ventricular-like regions, and cellular microenvironment in dorsal forebrain organoids”, Molecular Psychiatry, 24. April 2026. https://doi.org/10.1038/s41380-026-03585-5 /https://www.nature.com/articles/s41380-026-03585-5












