zwei Frauen im Gespräch© fizkes / iStock / Getty Images
Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, Emotionen, Gedanken und Motive anderer Menschen zu erkennen, zu verstehen und mitzufühlen.

Emotionale Intelligenz

EMPATHIE: BEDEUTUNG UND ENTWICKLUNG DES EINFÜHLUNGSVERMÖGENS

Die Fähigkeit zur Empathie variiert stark. Empathie gilt als wichtige soziale Ressource. Doch wie lautet die genaue Definition der Empathie, welche Rolle spielen Gene und ist Helfen eigentlich immer selbstlos? Ein Überblick.

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Die meisten Menschen können aus eigener Erfahrung im Umgang mit anderen bestätigen, dass es eine große Bandbreite in der Ausprägung des individuellen Einfühlungsvermögens gibt – von ausgesprochen sensibel bis gefühlskalt. Zu bemerken, ob jemand traurig, fröhlich, verärgert oder ängstlich ist, stellt eine wichtige Ressource dar. Um die Gefühle anderer Personen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren, benötigt man ein gewisses Maß an Empathie.

Empathische Individuen gelten als fair und hilfsbereit, denn wer mit anderen mitfühlen könne, sei bereit dazu, seinen Mitmenschen in der Not beizustehen. Fragt man nach einer Definition von Empathie, so bezeichnet man damit eine auf andere Personen gerichtete emotionale Reaktion, die Mitgefühl, Mitleid, Besorgnis, Wärme oder Fürsorglichkeit beinhalten. Ein kognitiver Faktor, der das Auftreten von Empathie begünstigen kann, ist die Übernahme der Perspektive der Notleidenden, wodurch sich die helfende Person in die Lage der hilfebedürftigen Individuen versetzt. Zudem wird die Hilfe wahrscheinlicher, wenn eine Beziehung wie Freundschaft oder Vertrautheit besteht.

Empathie Definition: Kognitive und affektive Aspekte messen

Die Fähigkeit zur Empathie, genauer gesagt die Emotionen seiner Mitmenschen zu erkennen, bezeichnet man auch als kognitive Empathie, während sich die affektive Empathie durch entsprechende, angemessene Verhaltensweisen kennzeichnet. Um die Empathie-Fähigkeit eines Individuums zu ermitteln, hat sich ein Test etabliert, der den Empathie-Quotienten (EQ), welcher beide Aspekte der Empathie umfasst, misst. Laut Definition der Empathie ist dies ein zentraler Baustein in der Diagnostik.

Generell gelten Frauen als etwas empathischer als Männer, außerdem zeigen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen eine geringere kognitive Empathie. Wissenschaftler*innen untersuchten im Rahmen einer genetischen Studie die Bedeutung des Erbguts für den EQ. Die Datenauswertungen deuteten darauf hin, dass etwa zehn Prozent der Fähigkeit zur Empathie eines Individuums genetisch bedingt sind. Die Analyse bestätigte auch den Zusammenhang von geringer Empathie-Fähigkeit und Autismus-Spektrum-Störungen, der sich im Erbgut widerspiegelt.

Ist menschliches Helfen egoistisch trotz Empathie?

Altruismus stellt eine Form des Hilfeverhaltens dar, deren primäres Ziel darin besteht, das Wohlergehen einer anderen Person zu verbessern oder zu schützen. Ein möglicher persönlicher Nutzen, der dabei für die helfende Person entsteht (zum Beispiel soziale Anerkennung), ist nur ein Nebenergebnis des Verhaltens und nicht beabsichtigt. Man differenziert zwischen dem altruistisch motivierten und dem egoistisch motivierten Helfen: Zahlreiche sozialpsychologische Überlegungen gehen davon aus, dass Menschen anderen dann helfen, wenn der Nutzen des Hilfeverhaltens die wahrgenommenen Kosten übertrifft.

In nahezu jeder Kultur existiert eine Norm, die das sogenannte Prinzip der Wechselseitigkeit beinhaltet. Dieses besagt, dass Menschen denen helfen und diejenigen schützen, die ihnen geholfen haben. Helfen ist somit eine Form des sozialen Austauschs, bei dem Individuen eigene Ressourcen investieren, um einen Gegenwert zu erhalten. Ein weiterer eigennütziger Motivationsaspekt hängt mit den negativen Gefühlen zusammen, die Personen empfinden, wenn sie andere leiden sehen. Laut dem Negative-State-Relief-Modell möchten Menschen durch das Helfen die eigenen, unangenehmen Emotionen reduzieren, was die wissenschaftliche Definition von Empathie um eine spannende Facette erweitert.

Empathie-Fähigkeit: Die Rolle von Hormonen und Belohnung

Wer sich beispielsweise bei dem Anblick eines Obdachlosen abwendet, kennt das Phänomen: Das moralisch fragwürdige Handeln geschieht, um das Mitfühlen nicht ertragen zu müssen. Helfen ist also in vielen Fällen egoistisch motiviert, allerdings gibt es auch Belege für altruistisch motivierte Formen. Nordamerikanische Wissenschaftler*innen haben kürzlich herausgefunden, dass Menschen Empathie mit Fremden meiden, weil es ermüdend und kognitiv auslaugend sein kann. Die Forscher*innen stellten außerdem in ihrer Studie fest, dass Empathie in der Regel ausbleibt, wenn sie keine Belohnung verspricht.

Das Hormon Oxytocin sowie die Fähigkeit zur Empathie spielen eine wichtige Rolle, wenn es um Großzügigkeit gegenüber anderer Menschen geht – dies erklärten Wissenschaftler*innen der Universität zu Lübeck und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Sie testeten die Großzügigkeit ihrer Proband*innen gegenüber mehr oder weniger nahe stehenden Personen. Menschen unter Oxytocin-Einfluss verhielten sich gegenüber sozial engeren Personen großzügiger als die Proband*innen der Placebogruppe. Oxytocin ist auch als Bindungshormon bekannt, stärkt soziale Beziehungen und fördert die Empathie-Fähigkeit maßgeblich.

Mitgefühl und Fähigkeit zur Empathie im Alter erlernbar

Narzisst*innen beschäftigen sich nahezu nur mit sich selbst, interessieren sich kaum für andere und denken keineswegs darüber nach, was andere von ihnen halten. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis britischer Wissenschaftler*innen aus dem Jahr 2014, dass sogar Narzisst*innen sich in andere Menschen hineinversetzen können, wenn man es ihnen nahelegt. Die niederländischen Neurowissenschaftler*innen Christian Keysers und Valeria Gazzola zeigten, dass auch Psychopath*innen eine gewisse Fähigkeit zur Empathie besitzen. Ihre Hirnareale, in denen Mitgefühl entsteht, befinden sich nahezu im Ruhezustand, können jedoch durch Aufforderung („Versuchen Sie zu fühlen, wie es dem anderen geht.“) aktiviert werden.

Empathie wird jedoch nicht immer positiv bewertet: Der Psychologe Paul Bloom von der Yale University ist beispielsweise der Meinung, dass das Mitgefühl blind dafür macht, wo Hilfsbereitschaft am meisten angemessen wäre. Einzelschicksale rufen meist ein hohes Maß an Empathie hervor, obwohl Phänomene wie etwa der Klimawandel mit deutlich höheren Kosten verbunden seien. Empathie ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, die Perspektive anderer Personen einzunehmen. Gemäß der klassischen Definition von Empathie grenzt sich diese von rein kognitiven Prozessen ab.

Mentalisieren als Ergänzung zur Empathie Definition

Das sogenannte Mentalisieren beschreibt die Fähigkeit, das Verhalten anderer Menschen in Bezug auf ihre Emotionen, Grundhaltungen und Absichten zu verstehen. Der gedankliche Perspektivwechsel lässt sich auch neurophysiologisch von der Empathie unterscheiden, was für eine klare Definition der Empathie wichtig ist. Beim Empfinden von Empathie sind die Inselrinde sowie der vordere zinguläre Kortex aktiviert, während beim Mentalisieren der präfrontale Kortex beteiligt ist.

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