Atembiopsie
KANN MAN BALD SEINE DARMBAKTERIEN IM ATEM TESTEN LASSEN?
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Unsere Darmbakterien spielen bei zahlreichen Erkrankungen eine Rolle. FlĂŒchtige Stoffwechselprodukte unserer bakteriellen Mitbewohner, die volatilen organischen Komponenten (VOCs), sagen etwas ĂŒber die Zusammensetzung des Mikrobioms aus.
Eine sogenannte Atembiopsie, also die Analyse der VOCs in der Atemluft, könnte eines Tages wie eine Art Fingerabdruck helfen, Krankheiten frĂŒhzeitig zu erkennen.
Darmbakterien: empfindliches Gleichgewicht
Die Stoffwechselprodukte unserer Darmbakterien in der Atemluft erforscht Vanessa Stadlbauer-Köllner schon lĂ€nger. Die Professorin fĂŒr Translationelle Mikrobiomforschung und Hepatologie an der UniversitĂ€t Graz und ihr Team interessiert besonders die Konzentration von VOCs. Darmbakterien produzieren diese flĂŒchtigen Verbindungen, welche sich dann in der Atemluft messen lassen.
Welche und wie viele VOCs in Atemproben enthalten sind, hÀngt von der Zusammensetzung der Darmbakterien ab. Diese wiederum können indirekt aber auch den menschlichen Hormonhaushalt verÀndern oder die Darmbarriere durchlÀssiger machen, was dann auch in der Atemluft sichtbar wird.
Bei zahlreichen Erkrankungen spielt ein Ungleichgewicht der Darmbakterien eine Rolle. Die Zusammensetzung und Konzentration bakterieller Stoffwechselprodukte in der Atemluft könnte Hinweise auf eine bakterielle Fehlbesiedlung geben und so helfen, bestimmte Erkrankungen zu erkennen. DafĂŒr ist aber noch sehr viel Arbeit nötig.
Darmbakterien testen lassen: bald durch Pusten?
Um die Zusammensetzung der Darmbakterien testen zu lassen, braucht man bisher eine Stuhlprobe und aufwendige Untersuchungsmethoden. Stadlbauer-Köllner schwebt aber eine Art Atembiopsie fĂŒr die Zukunft vor, die Hinweise auf die Zusammensetzung des Mikrobioms liefern soll. DafĂŒr mĂŒsste fĂŒr jede Erkrankung eine Art Fingerabdruck erstellt werden, welche VOCs in welchen Konzentrationen bei welchen Erkrankungen charakteristisch sind. Einzelne MolekĂŒle dagegen sagen wenig aus.
US-Forschende konnten nachweisen, dass sich bei MĂ€usen die Zusammensetzung der Darmbakterien in der Atemluft widerspiegelt. AuĂerdem zeigten sie in einer menschlichen Pilotstudie, dass eine gröĂere Menge bestimmter Darmbakterien namens Eubacterium siraeum ein Indikator fĂŒr Asthma bei Kindern sein könnte.
Aktuelles zur Darmgesundheit:
Erst einmal Störfaktoren eliminieren
Bis man die Zusammensetzung der Darmbakterien im Atem testen lassen kann, ist aber noch ein weiter Weg. Denn Atemtests brauchen ganz bestimmte Voraussetzungen. Die ErnĂ€hrung und Lebensweise spielt eine groĂe Rolle bei der Zusammensetzung der Atemluft und kann Ergebnisse beeinflussen.
Eine SchwĂ€che der amerikanischen Untersuchungen an Kindern ergab sich aus der Tatsache, dass die Kinder keine standardisierte ErnĂ€hrung erhielten und auĂerdem die Zeitpunkte der Probenentnahme frei wĂ€hlbar waren.
Bereits ĂŒbliche Atemtests, etwa auf Helicobacter pylorii oder eine bakterielle Fehlbesiedlung des DĂŒnndarms mit Dickdarm-Bakterien, reagieren Ă€uĂerst empfindlich auf Störfaktoren. Vor der Anwendung mĂŒssen genaue Vorgaben in Bezug auf die ErnĂ€hrung und den Zeitpunkt der Probennahme eingehalten werden, und auch dann sind die Ergebnisse störanfĂ€llig.
Atemtest auf Darmfehlbesiedlung zur FrĂŒherkennung
Einen fertigen Atemtest auf eine Darmfehlbesiedlung oder sogar auf bestimmte Erkrankungen wird es so bald nicht geben. Die amerikanischen Untersuchungen stellen lediglich einen Machbarkeitsnachweis als Ausgangspunkt fĂŒr weitere Untersuchungen dar, meint Stadlmacher-Köllner. Sie weiĂ: âDer Knochenjob kommt jetzt erst.â Aufwendige, teure Studien mit standardisierten Methoden mĂŒssen folgen. Sie mĂŒssen zeigen, ob bestimmte Erkrankungen mit charakteristischen Merkmalen in der Atemluft zusammenhĂ€ngen.
Ein Atemtest auf Darmfehlbesiedlung ĂŒber Bestimmung der VOCs allein dĂŒrfte fĂŒr eine Diagnose aber nicht reichen, meint Stadlmacher-Köllner. Vielmehr könnten festgestellte Probleme mit den Darmbakterien ein Hinweis sein, genauer hinzuschauen und weitere Diagnostik zu betreiben.
Zum Beispiel bei Darmkrebs nutzen bisher zu wenig Menschen die FrĂŒherkennung, weil sie die Darmspiegelung scheuen. Ein Atemtest als niedrigschwellige Untersuchungsmethode auf Darmfehlbesiedlung könnte die FrĂŒherkennung verbessern. Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern.
Quelle: DocCheck












