Nahaufnahme: Ärztin stellt Patientin Rezept fĂŒr Cannabis aus und hĂ€ndigt ihr Röhrchen mit Cannabis aus. © Ivan-balvan / iStock / Getty Images Plus
Cannabis wird immer hÀufiger per Rezept verschrieben.

Meta-Analyse

MEDIZINISCHES CANNABIS BEI PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN OHNE NUTZEN?

Medizinisches Cannabis wird zunehmend per Rezept verschrieben. Doch insbesondere bei psychischen Erkrankungen gibt es große Zweifel an seinem Nutzen. Eine neue Studie zeigt nun mögliche Risiken der Behandlung mit Cannabis auf Rezept auf.

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Medizinisches Cannabis boomt – soll einer Überblicksstudie zufolge aber keinen belegbaren Nutzen bei Depressionen oder Angststörungen haben. Gerade wenn es um psychische Erkrankungen geht, fehlen oft klare Beweise. Auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen konnte in der im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichten Studie zufolge kein erwiesener Nutzen festgestellt werden, wie ein Forschungsteam von der UniversitĂ€t Sydney schreibt. Eine Expertin hat jedoch Zweifel an den Aussagen zu medizinischem Cannabis.

Die Forschenden ziehen ihr Fazit zur Wirkung von Cannabis, nachdem sie systematisch Daten und Befunde aus 54 internationalen klinischen Studien mit insgesamt 2477 Teilnehmenden ausgewertet haben, die aus dem Zeitraum von 1980 bis 2025 stammen. Nach eigenen Angaben hat das Team damit die bisher grĂ¶ĂŸte Meta-Analyse dieser Art zu dem Thema durchgefĂŒhrt, um zu prĂŒfen, ob medizinisches Cannabis wirklich hilft.

Wirkung von Cannabis bei Autismus oder Tourette

Einen gewissen Nutzen könnten entsprechende Produkte bei Autismus, Schlaflosigkeit oder dem Tourette-Syndrom haben, schreibt das Team ĂŒber die Wirkung von Cannabis. „Aber die generelle QualitĂ€t der Befunde fĂŒr diese Krankheiten ist niedrig“, betont der federfĂŒhrende Autor Jack Wilson. „Ohne hochwertige medizinische UnterstĂŒtzung oder begleitende Therapie ist der Einsatz von medizinischem Cannabis in diesen FĂ€llen selten gerechtfertigt.“

Vielmehr bestehe bei psychischen Erkrankungen das Risiko, dass aufgrund der Anwendung von Cannabinoiden wirksamere Therapien verzögert oder unerwĂŒnschte Nebenwirkungen ausgelöst werden könnten.

„Der routinemĂ€ĂŸige Konsum von medizinischem Cannabis könnte mehr schaden als nĂŒtzen“,

fasst Wilson zusammen. Bei nicht-psychischen Leiden sieht es anders aus: Zur Linderung von AnfÀllen bei einigen Formen der Epilepsie, zur Verringerung von Spastiken bei Multipler Sklerose oder zur Behandlung einiger Arten von Schmerzen sei durchaus eine positive Wirkung von Cannabis nachweisbar, so die Autor*innen. Wer Cannabis auf Rezept erhÀlt, profitiert hier oft.

Expertin kritisiert Methodik gerade bei psychischen Erkrankungen

Die nicht an der Studie beteiligte Expertin fĂŒr medizinisches Cannabis, Kirsten MĂŒller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover, sieht SchwĂ€chen bei der Studie. So hĂ€tten etwa die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) teils „sehr unterschiedliche und zum Teil sogar gegensĂ€tzliche Wirkungen“ bei Psychosen oder Angststörungen, wĂŒrden aber in der Analyse pauschal gemeinsam bewertet. Gerade wenn psychische Erkrankungen vorliegen, sei diese Pauschalisierung schwierig.

Bei einzelner Betrachtung gebe es sehr wohl Hinweise darauf, dass CBD eine Wirksamkeit bei sozialen Angststörungen habe und Hinweise, dass THC – alleine oder in Kombination mit CBD – Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen mindere, so MĂŒller-Vahl ĂŒber die Wirkung von Cannabis.

„Eine weitere SchwĂ€che der Übersicht ist die Vermischung verschiedener Angststörungen. So erfolgte eine gemeinsame Auswertung fĂŒr die generalisierte Angststörung und die soziale Angststörung“, sagte die Expertin der Deutschen Presse-Agentur. Sie halte die in der Studie ausgesprochen „Warnung vor dem Einsatz von Cannabis-basierten Medikamenten fĂŒr unbegrĂŒndet“, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Daher sei medizinisches Cannabis weiterhin eine Option.

Bundesregierung plant BeschrĂ€nkungen fĂŒr Cannabis auf Rezept

Seit 2017 kann medizinisches Cannabis in Deutschland legal verschrieben werden. Wer Cannabis auf Rezept benötigt, hat es seit April 2024 leichter, da Medizinal-Cannabis zudem nicht mehr unter das BetĂ€ubungsmittelgesetz fĂ€llt. Die aktuelle Bundesregierung hat jedoch VerschĂ€rfungen auf den Weg gebracht, um Missbrauch bei Cannabis auf Rezept einzudĂ€mmen.

Denn: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kritisierte schon vor einigen Monaten, es sei heute möglich, „mit wenigen Klicks“ medizinisches Cannabis zu bekommen. Die Importe fĂŒr medizinisches Cannabis sind stark angestiegen – nach Angaben des Gesundheitsministeriums im ersten Halbjahr 2025 um ĂŒber 400 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 80 Tonnen.

„Der massive Zuwachs der Importe von Cannabis sowie die Verordnungspraxis im Internet ohne jeglichen persönlichen Ă€rztlichen Kontakt erfordern politisches Handeln“,

betonte Warken im Herbst in einer Mitteilung bezĂŒglich Cannabis auf Rezept. Gesetzlich ausgeschlossen werden soll den PlĂ€nen des Kabinetts zufolge kĂŒnftig eine Verschreibung nur in einer Videosprechstunde, um die Abgabe von Cannabis auf Rezept besser zu kontrollieren.

Der Online-Versand von CannabisblĂŒten soll ebenfalls unterbunden werden, stattdessen sollen Betroffene ihr medizinisches Cannabis in Apotheken bekommen.

– auch dort mit AufklĂ€rung und Beratung zur Wirkung von Cannabis bei körperlichen und psychischen Erkrankungen.

Quelle: dpa

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