Eine blonde Frau mit Pferdeschwanz lÀsst ihre Brust mit einer Mammographie screenen.© yacobchuk / iStock / Getty Images Plus
Brustkrebs ist laut RKI mit etwa 75000 Neuerkrankungen jÀhrlich die hÀufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.

Mammografie Screening

BRUSTKREBS FRÜHZEITIG ERKENNEN

Das Mammografie Screening hilft nachweislich, die Brustkrebs Sterblichkeit in Deutschland deutlich zu senken. Warum die Brustkrebs FrĂŒherkennung so wichtig ist – und welche Rolle die MRT Brust Untersuchung kĂŒnftig spielen könnte.

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Das Mammografie Screening fĂŒr Frauen trĂ€gt einer Studie zufolge deutlich zur Senkung der Brustkrebs Sterblichkeit in Deutschland bei. Das vor 20 Jahren eingefĂŒhrte, von allen Krankenkassen angebotene FrĂŒherkennungs-Programm senkt die Todesfallzahlen und erhöht die Heilungschancen fĂŒr erkrankte Frauen, wie das Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz (BfS) mitteilte. Unter den Teilnehmerinnen war die Brustkrebs Sterblichkeit demnach ĂŒber einer Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren um 20 bis 30 Prozent geringer als bei den Nichtteilnehmerinnen.

„Dabei handelt es sich um eine konservative SchĂ€tzung“, sagte BfS-PrĂ€sidentin Inge Paulini. Der Nutzen werde eher noch unterschĂ€tzt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sagte, die Ergebnisse seien eine sehr gute Nachricht fĂŒr alle Frauen, die eine Einladung zum Mammografie Screening erhielten. Sie könnten darauf vertrauen, dass eine Teilnahme nachweislich von Nutzen sei.

FrĂŒherkennung rettet Leben

Mit einer Mammografie Screening-Untersuchung lassen sich Tumore oft finden, bevor sie sich ertasten lassen – und je frĂŒher ein Karzinom erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Brustkrebs FrĂŒherkennung spielt deshalb eine zentrale Rolle.

Fortgeschrittener Brustkrebs, bei dem es bereits Metastasen gibt, sei nach wie vor in der Regel nicht heilbar, erklĂ€rte Klaus Kraywinkel, Leiter des Zentrums fĂŒr Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (RKI).

Röntgen-Untersuchung alle zwei Jahre

Im Zuge des Programms können Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren alle zwei Jahre eine Röntgen-Untersuchung der Brust zur Brustkrebs FrĂŒherkennung in Anspruch nehmen. Bundesweit gibt es laut BfS 95 zertifizierte Screening-Zentren. Frauen, bei denen Symptome bestehen oder ein Verdacht auf Brustkrebs vorliegt, erhalten Mammografien zudem im Rahmen der allgemeinen Versorgung. Der Effekt dieser Untersuchungen wurde in der Studie nicht untersucht.

Brustkrebs ist laut RKI mit etwa 75000 Neuerkrankungen jĂ€hrlich die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens. Etwa 18500 Frauen jĂ€hrlich sterben daran – ohne das Mammografie Screening wĂ€ren es SchĂ€tzungen zufolge mehrere Tausend mehr. Das Programm trĂ€gt somit maßgeblich zur Reduktion der Brustkrebs Sterblichkeit bei.

Die Risiken der Mammographie

Beim Mammografie Screening gilt es, Nutzen und Risiken abzuwĂ€gen: Einen potenziellen Nutzen haben nur erkrankte Frauen – das Risiko, etwa durch die Röntgenstrahlung, tragen hingegen alle Teilnehmerinnen.
Die Untersuchung bestĂ€tige, dass der Nutzen des Mammografie Screening weitaus grĂ¶ĂŸer ist als das sehr geringe zusĂ€tzliche Krebsrisiko durch die Röntgenstrahlung bei der Untersuchung, erklĂ€rte Paulini.

GeschĂ€tzt etwa 7 von 100000 Frauen, die regelmĂ€ĂŸig am Mammografie Screening teilnehmen, entwickeln einen bösartigen Tumor, der auf die Strahlenbelastung zurĂŒckzufĂŒhren ist, wie Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Frauenklinik am Marienhospital Bottrop, erklĂ€rt. „Das ist eine verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit.“

Ein weiterer Risikofaktor im Zusammenhang mit dem Mammografie Screening ist laut Experten, dass sich teilnehmende Frauen vermeintlich sicher fĂŒhlen und seltener ihre Brust abtasten. Hinzu kommen sogenannte Übertherapien – also die Behandlung von Tumoren, von denen keine Gefahr ausgeht.

Das Programm wurde ab 2005 schrittweise zunĂ€chst fĂŒr 50- bis 69-JĂ€hrige eingefĂŒhrt, aktuell wird Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eine Untersuchung angeboten. „Unter den 50- bis 69-JĂ€hrigen nimmt jedes Jahr etwa die HĂ€lfte der Eingeladenen am Mammografie Screening teil“, sagte BfS-PrĂ€sidentin Paulini.

Mit mehr Teilnehmerinnen ließe sich fĂŒr mehr Frauen die Zehn-Jahres-Überlebensrate nach einer Brustkrebs-Erkrankung verbessern, erklĂ€rte der Bottroper Experte Kolberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zertifizierter Brustzentren in Deutschland.

Was sind die Alternativen zur Mammographie?

Christiane Kuhl, Direktorin der Klinik fĂŒr Diagnostische und Interventionelle Radiologie der RWTH Aachen, betont, mit vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten könnte man weit mehr als die 20 bis 30 Prozent Sterblichkeitsminderung erreichen. Ein Problem sei die mangelnde Eignung der Mammografie Screening-Verfahren bei sehr dichtem Brustgewebe – ein Schwachpunkt der Brustkrebs FrĂŒherkennung.

Aktuell wĂŒrden 20 bis 30 von 100 Frauen mit Brustkrebs nach dem Mammografie Screening als gesund nach Hause geschickt. Der Tumor falle dann oft erst bei einer Tastuntersuchung als sogenanntes Intervallkarzinom auf – oder erst bei spĂ€teren Mammografien.

Rund 16 Prozent der beim Mammografie Screening gefundenen Karzinome hĂ€tten bereits Metastasen gebildet, seien also zu spĂ€t entdeckt worden. Die Brustkrebs Sterblichkeit ließe sich also durch bessere Methoden weiter reduzieren.

Kuhl ist ĂŒberzeugt, dass sich die Zahl der an Brustkrebs sterbenden Frauen stark senken ließe. Dazu mĂŒsse die Brustkrebs FrĂŒherkennung besser individuell angepasst werden. So sollten etwa Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe, bei denen eine Mammografie nicht ausreicht, alternative FrĂŒherkennungsverfahren angeboten werden – insbesondere die MRT Brust Untersuchung, fĂŒr die es die höchste wissenschaftliche Evidenz gebe. Dieses Verfahren liefere umso bessere Nachweise, je aggressiver ein Karzinom sei.

MRT oder Mammographie: Was ist die bessere Wahl?

Etwa zehn Prozent der Frauen haben ein extrem dichtes Brustgewebe. Sie wĂŒrden durch das derzeitige Mammografie Screening unterversorgt, heißt es auch von der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Brustbildgebung (EUSOBI).

Es gebe Nachweise, dass MRT Brust Untersuchungen die Brustkrebs Sterblichkeit bei ihnen erheblich senken könnten. Frauen sollten von ihren Ärzten generell ĂŒber ihre Brustdichte informiert werden. Die Fachgesellschaft empfiehlt, Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren mit extrem dichter Brust alle zwei bis vier Jahre eine MRT Brust Untersuchung anzubieten.

In Deutschland mĂŒssen Frauen in diesen FĂ€llen die MRT Brust Untersuchung selbst zahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen ĂŒbernehmen die etwa 350 Euro fĂŒr eine FrĂŒherkennungs-MRT nur bei einem nachweislich deutlich erhöhten Risiko fĂŒr Brustkrebs – etwa bei einer BRCA1- oder BRCA2-Genmutation oder familiĂ€rer Belastung. Kolberg erklĂ€rt:

„Auch wenn Mammografie und Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse liefern, kann ein MRT zur weiteren AbklĂ€rung von unklaren Befunden eingesetzt werden“.

Behandlung bleibt ein Faktor

Einen weiteren Ansatzpunkt fĂŒr eine stĂ€rkere Senkung der Brustkrebs Sterblichkeit sieht Kolberg in einem noch stĂ€rkeren Fokus der Brustkrebs-Therapie auf zertifizierte Brustzentren. Auch die Autoren der Studie geben zu bedenken, dass der Nutzen des Mammografie Screening-Programms ĂŒber den der Brustkrebs FrĂŒherkennung hinausgehen könnte – durch den Einfluss auf die QualitĂ€t der weiteren klinischen Versorgung. Bei einem auffĂ€lligen Befund im Programm wĂŒrden Frauen typischerweise an ein zertifiziertes Brustzentrum verwiesen – bei Frauen mit einer Diagnose außerhalb des Programms sei das weniger wahrscheinlich.

Es mache sich deutlich bei der Brustkrebs Sterblichkeit bemerkbar, sich nicht in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln zu lassen, betonte Kolberg. Noch immer wĂŒrden in Deutschland etwa 8000 Frauen jĂ€hrlich außerhalb solcher Zentren behandelt.

„Das muss sich Ă€ndern.“

Screening kĂŒnftig auch fĂŒr 45- bis 49-JĂ€hrige?

NĂ€her an der Umsetzung ist eine andere Maßnahme: eine erneute Erweiterung der ins Mammografie Screening einbezogenen Altersgruppen. Im vergangenen Jahr hatte das BfS berichtet, dass die Teilnahme am Programm auch fĂŒr Frauen ab 45 Jahren mit mehr Nutzen als Risiken verbunden ist. Das Screening kann die Brustkrebs Sterblichkeit demnach bei 45- bis 49-JĂ€hrigen um rund 20 Prozent reduzieren.

Das Bundesamt empfiehlt darum, die untere Altersgrenze fĂŒr die Teilnahme von 50 auf 45 Jahre herabzusetzen. In der Altersgruppe zwischen 45 und 50 Jahren erkranken laut BfS in Deutschland jedes Jahr etwa 5000 Frauen an Brustkrebs.

Die Auswertung zum Nutzen des Mammografie Screening wurde vom BfS koordiniert und von der UniversitĂ€t MĂŒnster federfĂŒhrend durchgefĂŒhrt. Es wurden Daten aus den Jahren 2009 bis 2018 berĂŒcksichtigt, dabei wurden Quellen wie Krankenkassen- und Krebsregisterdaten kombiniert. „Die Ergebnisse sind fĂŒr alle Bevölkerungsschichten und Regionen Deutschlands reprĂ€sentativ“, sagte Paulini.

Quelle: dpa

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