Vier Frauen gleicher Körpergröße und unterschiedlicher Statur© jacoblund/iStock/Getty Images Plus
Wie gesund man ist, hängt nicht allein vom Verhältnis von Körpergröße und Gewicht ab.

Alternative zum BMI

MACHT ÜBERGEWICHT WIRKLICH IMMER KRANK?

Übergewicht und Adipositas betreffen immer mehr Menschen weltweit. Bisher galt der BMI, also der Body-Mass-Index, als Maßstab für das Gesundheitsrisiko durch hohes Gewicht. Forschende haben jetzt aber eine genauere Methode gefunden.

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Der BMI steht schon lange in der Kritik. Er sei zu ungenau und berücksichtige die individuellen Faktoren nicht. Tatsächlich kann auch ein Bodybuilder laut BMI Übergewicht haben, obwohl er einen geringen Körperfettanteil und hervorragende Blutwerte besitzt. Denn der BMI berechnet sich allein aus Körpergröße und Gewicht. Er sagt nichts über die Körperzusammensetzung aus. Alternativen zum BMI sucht die Forschung daher schon länger.

Übergewicht kann, muss aber nicht Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herz- Gefäß- oder Nierenprobleme nach sich ziehen. Forschende haben nun herausgefunden, welche Faktoren wirklich zählen.

Übergewicht macht nicht jeden gleich krank

Dass Übergewicht Folgen für die allgemeine Gesundheit haben kann, ist nicht neu. Forschende des Berlin Institute of Health an der Charité und der Queen Mary Universität in London haben ein Modell entworfen, das genauere Vorhersagen treffen kann. OBSCORE berücksichtigt 20 allgemeine Gesundheitswerte und einfache Bluttests. So gibt OBSCORE an, welche Personen ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen ihres Übergewichts haben.

Als Grundlage für das Modell nutzten die Forschenden um Erstautor Dr. Kamil Demircan Daten von rund 200000 Menschen einer großen Bevölkerungsstudie. Diese verknüpfte detaillierte Gesundheitsuntersuchungen mit langfristigen medizinischen Aufzeichnungen. Rund 2000 lebensstilbezogene, klinische und allgemeine Faktoren werteten die Forschenden dafür aus.

So gelang es, Personen mit Übergewicht nach ihrem Risiko für Folgeerkrankungen zu unterscheiden. Demircan erklärt:

„Zwei Menschen mit ähnlichem Körpergewicht können ein unterschiedliches Risiko haben, an beispielsweise Diabetes oder Herzerkrankungen zu erkranken“.

Ist der BMI veraltet?

Der BMI allein greift oft zu kurz, finden die Forschenden. Er wird aber zur Beurteilung von Risiken in Verbindung mit Übergewicht und Adipositas seit Jahrzehnten herangezogen. Laut Meinung von Demircan bildet er jedoch das Komplikationsrisiko nicht vollständig ab. OBSCORE sagt das Risiko für 18 verbreitete Folgeerkrankungen von Übergewicht und Adipositas genauer voraus. Das wurde auch in Folgestudien bestätigt.

Durch die systematische, datengestützte Analyse einer Vielzahl von Gesundheitsfaktoren neben dem Übergewicht gelang es, die Personen mit einem besonders hohen Risiko für Folgeerkrankungen genau zu erkennen. Zöge man allein den BMI zurate, würden Menschen übersehen, befürchten die Forschenden.

OBSCORE stützt seine Aussagen auf Werte wie

  • HbA1c,
  • Harnsäure,
  • Kreatinin,
  • HDL-Cholesterin,
  • das Verhältnis von Taille zu Körpergröße und
  • Blutdruckwerte,

aber auch auf den subjektiven Gesundheitsstatus und Angaben zu Brustschmerzen oder Gelenkbeschwerden.

Übergewicht spielt dabei, anders als bei einer Beurteilung über den BMI allein, eine untergeordnete Rolle.

OBSCORE als Alternative zum BMI?

Ob OBSCORE sich wirklich als Alternative zum BMI durchsetzt, muss sich zeigen. Übergewicht und Adipositas betreffen immer mehr Menschen, und die Folgeerkrankungen belasten das Gesundheitssystem und die Betroffenen. Viele fühlen sich nicht ernst genommen und auf mangelnde Disziplin oder Faulheit reduziert.

Eine differenzierte Betrachtung von Übergewicht, die individuelle Faktoren und Besonderheiten berücksichtigt, wird dringend gebraucht. OBSCORE soll Behandelnden helfen, die Patienten zu finden, die besonders von einer Intervention profitieren.

Prävention wird immer wichtiger: Arbeiten wie OBSCORE zeigen, dass eine Kombination aus metabolischen und klinischen Faktoren bei Übergewicht die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen erhöht.

Der BMI allein reicht hier nicht aus.

Quellen:
https://idw-online.de/de/news870089
Demircan, K., Carrasco-Zanini, J., Williamson, A. et al.: „Data-driven prioritization of high-risk individuals for weight loss interventions“, Nature Medicine, 30. April 2026. https://doi.org/10.1038/s41591-026-04353-2
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neues-ki-modell-obscore-deutlich-besser-als-der-bmi-165179/

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