Frau mit rosa Pullover haelt sich mit beiden Haenden die Brust© dragana991 / iStock / Getty Images Plus
Bisher lag die Altersgrenze für eine kostenlose Mammografie zwischen 50 und 69 Jahren. Die Altersgrenze für eine Kostenübernahme wird künftig auf 75 Jahre angehoben.

Mehr Früherkennung und neue Therapie

DOPPELTE VERBESSERUNG BEI BRUSTKREBS

70 000 Frauen pro Jahr bekommen in Deutschland die Schock-Diagnose Brustkrebs. Doch die Heilungschancen sind heute besser denn je. Sie könnten weiter steigen, denn es gibt gleich zwei gute Nachrichten.

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Zum einen wird die Früherkennung in Deutschland zukünftig für mehr Frauen von den Krankenkassen übernommen, zum anderen wurde ein neuer Wirkstoff zur Behandlung besonders hartnäckiger Tumorarten zugelassen. 

Bis zu 2,5 Millionen Frauen könnten von der verbesserten Früherkennung profitieren. Der neue Wirkstoff überzeugte in Studien bei der Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs.
 

Fünf Jahre länger Zeit

Bisher lag die Altersgrenze für eine kostenlose Mammografie zwischen 50 und 69 Jahren. In diesem Zeitfenster haben gesetzlich Versicherte bisher alle zwei Jahre Anspruch auf einen solchen Termin. Davor oder danach müssen die Frauen selbst für die spezielle Röntgenuntersuchung der Brust bezahlen. Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der unter anderem aus Vertretern der Ärzteschaft, der Kassen und der Krankenhäuser besteht, beschlossen, die Altersgrenze für eine Kostenübernahme auf 75 Jahre anzuheben. Das durchschnittliche Alter der Patientinnen bei einer Brustkrebsdiagnose liegt bei 64 Jahren.

Hintergrund der Änderung ist eine Aktualisierung der Brustkrebsleitlinie durch die EU-Kommission. Sie empfiehlt die Ausweitung der Früherkennung. Nach einer Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) schloss sich der GBA der Empfehlung an. Das Risiko und die möglichen Schäden durch eine Falschdiagnose ist geringer als der Überlebensvorteil, den die Ausweitung mit sich bringt, so das IQWIG. Ab 1. Juli kommenden Jahres soll die Änderung greifen.
 

Hoffnung für schwere Fälle

Wird eine Erkrankung festgestellt, stehen unterschiedliche Behandlungsoptionen zur Verfügung. Mit dem nun zugelassenen Wirkstoff Elacestrant (Orserdu®) kommt eine neue hinzu. Die neue Therapie findet Verwendung bei metastasierendem oder lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom bei postmenopausalen Frauen.

Das Besondere an der neuen Substanz: Sie wirkt gerade gegen eine Art von Tumoren, die man bisher schlecht behandeln konnte. Auf den Zellen dieser speziellen Brustkrebsform befinden sich zum einen Estrogenrezeptoren, zum anderen keine oder wenig Rezeptoren für Humanen Epidermalen Wachstumsfaktor 2 (HER2). Außerdem ist für diese Zellen eine Mutation in einem Gen namens ESR1 typisch. Diese Mutation ist einer der zahlreichen Mechanismen, wie Tumorzellen resistent gegen verwendete Therapien werden können. Alle Eigenschaften zusammengenommen bedeuten eine erschwerte Behandlung und ein hohes Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung. 

Der Wirkstoff Elacestrant ist ein Antiestrogen. Es ist für genau diese Fälle zugelassen, bei denen vorherige Standardtherapien nicht oder nicht mehr wirksam sind. 
 

Studienergebnisse überzeugend

Der neue Wirkstoff reduziert in der EMERALD-Studie das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod um 45 Prozent und verdoppelt die mittlere progressionsfreie Überlebenszeit gegenüber dem bisherigen Therapiestandard, und zwar genau bei Vorliegen der gefürchteten ESR1-Mutationen.  Das Besondere: Bei Menschen, die vorher über zwölf Monate eine Standardtherapie erhielten, war das Risiko für Progression oder Tod sogar um 59 Prozent geringer. Sie überlebten 8,9 Monate ohne Fortschreiten der Erkrankung, die Gruppe unter Standardtherapie durchschnittlich nur 1,9 Monate. Bei der Standardtherapie handelte es sich um Kinasehemmstoffe wie Palbociclib (Ibrance®) oder Ribociclib (Kisqali®), die gezielt für die Zellvermehrung notwendige Signalwege in der Tumorzelle unterbrechen. Sie werden oft mit anderen Wirkstoffen kombiniert verabreicht.

Häufige Nebenwirkungen von Elacestrant sind Übelkeit, Müdigkeit, Verdauungsstörungen, Veränderungen bestimmter Blutwerte wie Calcium, Kalium und Kreatinin im Serum oder erhöhte Triglycerid- oder Cholesterinwerte. Außerdem können Schmerzen im Rücken, den Gelenken oder im Bauchraum sowie eine Anämie auftreten. 

Quellen:
​​​​​​​https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1133/
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/zulassung-fuer-neues-antiestrogen-142455/
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/kongresse/sabcs/update-emerald-studie-sabcs2021.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/wirkstoff-glossar/palbociclib.html
 

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