Eine Frau steckt sich ein Namensschild an. Darauf stand gedruckt PCOS, handschriftlich wurde aus dem C ein M gemacht.© GVH/UZV
Es heißt jetzt PMOS, nicht mehr PCOS – das soll den Betroffenen die Diagnose erleichtern.

Hormonstörung

PCOS HEISST JETZT PMOS: DAS STECKT HINTER DEM NEUEN NAMEN

PMOS steht für Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom. Früher hieß die Erkrankung PCOS, also Polyzystisches Ovarsyndrom. Zysten sind aber meist gar nicht vorhanden. Um Diagnose und Therapie Betroffener zu verbessern, nennen führende Fachgesellschaften das Problem jetzt um.

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PMOS ist vermutlich auf genetische Faktoren zurückzuführen und betrifft im Schnitt jede achte Frau im gebärfähigen Alter. Das macht allein eine Million Betroffene in Deutschland. Doch die Probleme durch die Hormonstörung enden nicht mit der Menopause, und Schätzungen zufolge erhalten 70 Prozent der Betroffenen gar keine Diagnose.

Das soll sich ändern, und der neue Name soll dabei helfen. Aber warum ist ein Name so wichtig, und wo genau liegt das Problem bei der Diagnostik? Darauf kommen hier die Antworten.

PMOS trifft Millionen

Der Leidensdruck durch PMOS kann enorm sein. Die Hormonstörung betrifft nämlich nicht, wie der alte Name suggeriert, nur gynäkologische Probleme wie fehlende Ovulation, Unfruchtbarkeit und Komplikationen in der Schwangerschaft. Vielmehr befindet sich das gesamte Hormonsystem bei PMOS im Ungleichgewicht.

Charakteristisch ist eine Überproduktion an Androgenen, aber auch die Produktion von Insulin und zahlreicher anderer Hormone funktioniert nicht richtig. Der neue Name PMOS soll der Tatsache Rechnung tragen, dass der gesamte Stoffwechsel betroffen ist.

PMOS-Symptome

Betroffene von PMOS leiden unter zahlreichen Symptomen. Eine Überproduktion von Insulin stimuliert wiederum die ohnehin erhöhte Androgenproduktion. Neben Ovulationsstörungen, Unfruchtbarkeit und Komplikationen in der Schwangerschaft sind auch dermatologische Probleme häufig wie Akne, Hirsutismus oder Haarausfall. Metabolische Symptome bei PMOS reichen von Adipositas, Diabetes Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen bis zu Fettleber und Schlafapnoe.

Aber auch psychisch leiden Betroffene von PMOS stark. Unter anderem kommen Depressionen, Angstzustände, Essstörungen dazu.

Das Körperbild, das Betroffene von sich haben, und die Schwierigkeiten mit dem eigenen Gewicht führen zu Scham und Rückzug.

Alter Name PCOS führt zu oft in die Irre

PCOS, wie die Erkrankung bisher hieß, stellte mit dem Namen Zysten in den Vordergrund. Tatsächlich kommen Eierstockzysten bei Betroffenen von PMOS aber so gut wie nie vor. Im Ultraschallbild lassen sich aber oft flüssigkeitsgefüllte Bläschen an den Eierstöcken erkennen. Diese wachsen oder reißen aber nicht und besitzen auch keine Kapsel wie eine echte Zyste.

Vielmehr handelt es sich bei PMOS-Betroffenen um im Ultraschall sichtbare unreife Follikel, die ihre Ursache in der überschießenden Androgenproduktion haben. Die Follikel reifen nicht weiter und es kommt nicht zum Eisprung.

Weil in der neuen Bezeichnung PMOS das Wort „Zyste“ zukünftig fehlt, hoffen die Fachgesellschaften die Diagnostik zu beschleunigen. Durch die Bezeichnung PCOS konzentrierte sich diese bisher fälschlicherweise zu sehr auf den Ultraschallbefund. Millionen von Frauen erhielten so keine oder eine verspätete Erklärung für ihre Beschwerden.

Hormonstörung muss nachgewiesen werden

Ein Ultraschallbild darf für die Hormonstörung nicht allein zur Diagnose dienen, denn auch unreife Follikel müssen nicht bei jeder PMOS-Betroffenen auftreten. In der aktuellen Leitlinie müssen zunächst andere Ursachen für die bestehenden Hormonstörungen wie Tumoren oder Autoimmunerkrankungen ausgeschlossen werden.

Anschließend wird geprüft, ob mindestens zwei der drei folgenden Kriterien für PMOS erfüllt sind:

  1. Fehlender bis seltener Eisprung
  2. Klinischer oder biochemischer Androgenismus (Überproduktion an Androgenen, die im Blut oder anhand klinischer Symptome wie Bartwuchs, Akne, Glatzenbildung etc. erkennbar ist)
  3. Unreife Follikel sichtbar im Ultraschall oder erhöhte Werte an Anti-Müller-Hormon, das in den Eierstöcken gebildet wird

PMOS behandeln

Weil PMOS eine Hormonstörung des ganzen Körpers ist, kann sie auch nur multimodal behandelt werden. Meist kommt Metformin zum Einsatz, um die Folgen der Insulinresistenz abzumildern. Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung empfiehlt die Leitlinie außerdem generell. Orale Kontrazeptiva oder Antiandrogene wie Letrozol eignen sich, um den Androgenüberschuss auszugleichen und den Zyklus zu normalisieren.

Letztlich bleibt PMOS eine den ganzen Körper betreffende Erkrankung. Die Symptome wie Bluthochdruck, Haarausfall, Akne, Fettstoffwechselstörungen und weitere behandeln Ärzte mit den üblichen Therapien. Eine ganzheitliche Behandlung für PMOS gibt es weiterhin nicht. Der neue Name soll aber helfen, die Erkrankung besser zu erkennen.

Quellen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/05/18/pcos-heisst-jetzt-pmos
Teede H, Khomami M, Morman R et al.: „Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process”, The Lancet, 12. Mai 2026. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00717-8/fulltext
https://register.awmf.org/assets/guidelines/089-004k_S2k_Diagnostik-Therapie-polyzystisches-Ovarsyndrom-PCOS_2025-08.pdf
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/PCOS-Symptome-und-Behandlung-mit-Medikamenten-und-Ernaehrung,pcosyndrom100.html

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