Verhütung
MACHT DIE SPIRALE FRAUEN UNFRUCHTBAR?
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Eine dänische Studie gibt Hinweise darauf, dass eine hormonhaltige Spirale Einfluss auf die Fruchtbarkeit einer Frau haben könnte. Levonorgestrel verhindert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und erschwert so das Einnisten einer befruchteten Eizelle. In der aktuellen Untersuchung bleibt die Gebärmutterschleimhaut bei Frauen dünner, wenn sie mit der Spirale verhütet haben. Aber bedeutet das auch, dass die Betroffenen unfruchtbarer sind?
Grund zur Panik gibt es sicherlich nicht. Wir werfen trotzdem einen Blick auf die Studie, auch wenn sie Schwächen hat.
Effekte der Spirale galten bisher als reversibel
Ob hormonhaltige Spiralen wirklich einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen haben, wollte ein Team um Mette Michaelsen von der Uniklinik Aalborg wissen. Die Forschenden untersuchten Daten von 12786 Frauen von 18 bis 46 Jahren, die sich zwischen 2000 und 2021 an einer von acht dänischen Kliniken einer Kinderwunschbehandlung unterzogen. Dabei wurde erfasst, ob die Frauen vorher
- mit der Spirale,
- kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK, Mikropillen),
- gestagenhaltigen Minipillen,
- gar nicht,
- mit anderen Methoden oder
- einer Kombination aus mehreren Methoden
verhütet hatten.
Als Maßstab für die Fruchtbarkeit galt die Dicke der Gebärmutterschleimhaut; genauer: ob sie weniger als sieben Millimeter beträgt. Dieser Wert wird oft in Kliniken als Mindestanforderung für die Durchführung einer künstlichen Befruchtung angesehen. Bei ehemaligen Trägerinnen hormonhaltiger Spiralen war dies öfter der Fall als bei Anwenderinnen anderer Methoden.
- Frauen, die mit einer Spirale verhütet hatten, erreichten den Wert öfter nicht als andere Frauen.
- Ehemalige Anwenderinnen von KOK hatten eine 3,5-mal so hohe Chance auf eine ausreichende Dicke der Schleimhaut.
- Bei der Minipille oder keiner beziehungsweise anderer Verhütung lagen die Aussichten sogar sechsmal so hoch wie nach der Anwendung einer Spirale.
- Interessant: Die Tragedauer der Spirale spielte dabei keine Rolle.
Bei der Berechnung der Chancen legten die Forschenden wissenschaftliche Berechnungen zugrunde, die auch Störfaktoren berücksichtigten wie Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, Bildungsniveau, Gesamtdosis an verabreichten Hormonen und gewählte Klinik.
Aktuelles zur Verhütung:
Spirale macht nicht unbedingt unfruchtbar
Dass hormonhaltige Spiralen automatisch unfruchtbar machen, zeigt die Studie nicht. Lediglich Auswirkungen auf die Dicke der Gebärmutterschleimhaut ehemaliger Anwenderinnen lassen sich aus der Untersuchung ableiten. Ihre Schwäche: Sie gibt keinerlei Aufschluss darüber, wie viele Schwangerschaften aus den künstlichen Befruchtungen letztlich resultierten. Auch fehlen Angaben darüber, wie lange die Entfernung der Spirale oder das Absetzen anderer Methoden zur Verhütung zum untersuchten Behandlungszeitraum zurücklagen.
Die Dicke der Gebärmutterschleimhaut von sieben Millimetern wird zudem zwar in Kliniken zur Kinderwunschbehandlung gemessen, während jeden Tag Frauen auf natürlichem Weg schwanger werden, ohne ihren Wert zu kennen. Für die Fruchtbarkeit einer Frau spielen zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle.
Dass eine hormonhaltige Spirale unfruchtbar macht, ist also auch weiterhin nicht bewiesen. Auch die aktuelle Studie lässt keine Aussage darüber zu, wie langfristig die Wirkungen einer Spirale anhalten.
Quellen:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/weniger-fruchtbar-nach-anwendung-der-spirale-159665/
Mette Peters Michaelsen, Laura Cæcilie Nielsen, Michelle Poulsen, Regitze Gyldenholm Skals, Bettina Troest, Janne Gasseholm Bentzen, Jimmi Elers, Anette Vestergaard Gabrielsen, Marie Louise Grøndahl, Betina Boel Povlsen, Mikael Tang-Pedersen, Ulrik Schiøler Kesmodel: „Hormonal Contraception and Endometrial Thickness in IVF/ICSI Cycles: A Multicentre Historical Cohort Study“, BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 16. Juli 2025. https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1471-0528.18295
https://de.statista.com/infografik/19403/so-verhueten-die-deutschen/












