BauchgefĂŒhl
SO BEEINFLUSST DIE DARM-HIRN-ACHSE UNSERE PSYCHE â UND UMGEKEHRT
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Bauchgrummeln, Durchfall oder auch Ăbelkeit â manchmal spiegeln diese Symptome keine körperlichen Ursachen wider, sondern psychische.
Beispielsweise Stress, zu groĂe emotionale Belastungen oder Depressionen. Verantwortlich fĂŒr diesen Zusammenhang ist die sogenannte Darm-Hirn-Achse.
Sie beschreibt das komplexe Zusammenspiel zwischen unserem Verdauungssystem und dem Gehirn. Dass es sich dabei nicht um eine EinbahnstraĂe handelt, ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt.
Vielmehr flieĂen Signale in beide Richtungen â vom Darm zum Gehirn und umgekehrt.
Dabei werden unterschiedliche Signalwege genutzt: das Nerven-, das Hormon- und das Immunsystem, dessen GroĂteil sich im Darm befindet.
Die Darm-Hirn-Achse beschreibt das komplexe Zusammenspiel zwischen unserem Verdauungssystem und dem Gehirn.
Vagusnerv stimulieren: Entspannung fĂŒr Darm und Hirn
Bei der Kommunikation ĂŒber das Nervensystem spielt der Vagusnerv eine zentrale Rolle. Als Hauptkomponente des Parasympathikus ist er entscheidend fĂŒr Ruhe, Entspannung und soziale Interaktion. âUm etwa Emotionen im Gesicht unseres GegenĂŒbers zu erkennen, muss der Vagusnerv gut funktionierenâ, sagt Psychiaterin und ErnĂ€hrungsmedizinerin Sabrina Leal Garcia von der Medizinischen UniversitĂ€t Graz. Sie leitet in Graz die Spezialambulanz fĂŒr Nutritional Psychosomatics (Spezialambulanz fĂŒr Psychosomatik, ErnĂ€hrung, Psyche und Nervensystem).
Studien legen nahe, dass bestimmte probiotische Bakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium den Vagusnerv stimulieren können â und damit die Darm-Hirn-Achse positiv beeinflussen.
Die meisten Studien, die Effekte auf Stimmung oder autonome Nervenfunktion untersuchen, setzen dabei EinnahmezeitrÀume von mehreren Wochen bis zu etwa drei Monaten ein.
Mikrobiom Darm: Wie der Darm das Hirn beeinflusst â und umgekehrt
Im Zentrum dieser Achsen-Kommunikation steht das Mikrobiom Darm, also die Gesamtheit der Mikroorganismen im Verdauungstrakt. Diese produzieren Stoffwechselprodukte wie etwa kurzkettige FettsĂ€uren. âDiese wandern entweder in ihrer ursprĂŒnglichen Form oder umgewandelt zum Hirn und senden dort Signaleâ, erklĂ€rt Birgit Terjung. Sie ist ChefĂ€rztin der Abteilung fĂŒr Innere Medizin und Gastroenterologie am St. Josef Hospital in Bonn-Beuel.
Die kurzkettigen FettsĂ€uren wirken lokal antientzĂŒndlich, sie können aber auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz positiv beeinflussen.
Auch Botenstoffe wie das Hormon Serotonin spielen eine Rolle. Etwa 90 Prozent des körpereigenen Serotonins werden mit Hilfe von Bakterien im Darm-Mikrobiom produziert. âDort ist es fĂŒr die Darmbewegung zustĂ€ndigâ, sagt Sabrina Leal Garcia. Zu viel Serotonin kann daher zu Durchfall, zu wenig Serotonin zu depressiven Verstimmungen fĂŒhren. Zwar gelange dieses Serotonin nicht direkt aus dem Darm ins Gehirn, aber es kann ĂŒber den Vagusnerv stimulieren Einfluss auf psychische Prozesse nehmen.
Erstaunliches ĂŒber das Darmmikrobiom:
Wenn die Psyche den Darm stresst â und umgekehrt
Umgekehrt kann ein gestresstes Hirn Signale an die Nebenniere senden, wo Stresshormone wie Adrenalin gebildet werden. Diese können sich wiederum negativ auf den gesamten Körper und auch auf den Darm auswirken â und damit die Darm-Hirn-Achse stören.
Das Immunsystem vermittelt ebenfalls zwischen Darm und Gehirn â etwa ĂŒber Zytokine. Das sind Proteine, die EntzĂŒndungsprozesse steuern und die neuronale AktivitĂ€t beeinflussen können. Bestimmte Darmbakterien fördern entzĂŒndungshemmende Immunreaktionen, wĂ€hrend andere eine EntzĂŒndung begĂŒnstigen, die mit Depressionen oder Angststörungen in Verbindung gebracht wird.
Ein gestresstes Gehirn kann Signale an die Nebenniere senden, so Stresshormone wie Adrenalin gebildet werden.
ErnĂ€hrung Psyche: Mediterrane Kost unterstĂŒtzt die Darmflora
Entscheidend fĂŒr ein vielfĂ€ltiges Darm-Mikrobiom ist die richtige ErnĂ€hrung. Diese sollte den Expertinnen zufolge mediterran sein â also viele Ballaststoffe, eine groĂe Menge Obst und GemĂŒse, NĂŒsse, Samen, Ăle wie Olivenöl mit hohem Anteil an Omega-3-FettsĂ€uren, wenig Fleisch, viel Fisch. Diese Form der ErnĂ€hrung beeinflusst auch die Psyche positiv.
Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kombucha oder Kimchi gelten als Synbiotika: Sie enthalten einerseits lebende Darmbakterien (Probiotika), andererseits Futter fĂŒr die Darmbakterien (PrĂ€biotika) â beides stĂ€rkt das Darm -Mikrobiom und damit die Darm-Hirn-Achse.
Aber: âEs ist nicht wissenschaftlich erwiesen, dass eine bestimmte Anzahl an GemĂŒse- und Obstsorten notwendig wĂ€reâ, sagt Birgit Terjung. Die Vielfalt sei wichtiger als einzelne vermeintliche âSuperfoodsâ. Auch die Auswahl verschiedenfarbiger pflanzlicher Lebensmittel kann sinnvoll sein, da sie unterschiedliche Inhaltsstoffe liefern. Erste VerĂ€nderungen im Darm-Mikrobiom zeigen sich Sabrina Leal Garcia zufolge oft schon nach wenigen Tagen einer ErnĂ€hrungsumstellung. Doch bis sich das Gesamtsystem messbar verĂ€ndert, dauert es Monate.
Vagusnerv stimulieren durch individuelle ErnÀhrungsformen
Die richtige ErnĂ€hrung ist individuell â und kann laut Leal Garcia auch den Vagusnerv stimulieren. Trends wie die Keto-DiĂ€t mit wenig Kohlenhydraten und viel Fett wurden zunĂ€chst fĂŒr gefĂ€hrlich gehalten. Mittlerweile hĂ€tten Studien gezeigt, dass diese ErnĂ€hrungsform bei psychischen Erkrankungen Linderung verschaffen kann. âEs braucht aber in jedem Fall eine Ă€rztliche Begleitung, vor allem, wenn schon psychische Erkrankungen vorliegenâ, betont die ErnĂ€hrungsmedizinerin.
Wer sich nicht sicher ist, ob die eigene Verdauung in Ordnung ist, kann sich zunĂ€chst mit dem Stuhlgang beschĂ€ftigen. Dieser sollte einmal am Tag stattfinden, gut geformt â also nicht zu weich und nicht zu hart â sein. Zur Beurteilung dient die sogenannte Bristol Stool Scale. âTyp 4 wĂ€re optimalâ, sagt Leal Garcia.
Wie geht es Ihnen nach dem Essen? Ein regelmĂ€Ăiger BlĂ€hbauch, Schmerzen oder Sodbrennen können Anzeichen fĂŒr eine gestörte Verdauung sein â und damit auf ein Ungleichgewicht der Darm-Hirn-Achse hindeuten.
Warum Mikrobiom-Analysen wenig aussagen
Eine Analyse des Darm-Mikrobiom sei jedoch schwierig, so Birgit Terjung. Eine Stuhlprobe liefere nur begrenzte Informationen, da sich die bakterielle Zusammensetzung im Darm je nach Abschnitt stark unterscheide.
âViele Bakterien haften zudem an der Darmwand und werden durch eine Probe nicht erfasstâ,
erklĂ€rt die Gastroenterologin. Eine Stuhlprobe könne daher einen Trend aufzeigen â eine sinnvolle Therapie lasse sich jedoch, entgegen vieler Versprechen, nicht darauf aufbauen.
Quelle: dpa












