Überweisung mit der Diagnose Absencen-Epilepsie© Ralf Geithe / iStock / Getty Images Plus
Absencen dauern oft nur Sekunden – mit der richtigen Diagnose und Therapie können die meisten Betroffenen ein weitgehend normales Leben führen.

Fall Musiala

ABSENCEN BEI ERWACHSENEN: URSACHEN, SYMPTOME UND BEHANDLUNG

Absencen sind kurze Bewusstseinsaussetzer – durch die Blackouts von Jamal Musiala sind sie derzeit in aller Munde. Was bei Absencen im Gehirn passiert, welche Ursachen dahinterstecken und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie hier – kompakt für Ihre Beratung.

Seite 1/1 4 Minuten

Seite 1/1 4 Minuten

Nach zwei Schreckmomenten vor laufenden Kameras binnen drei Tagen hat Jamal Musiala selbst die Ursachen seiner plötzlichen Blackouts erklärt – und dabei einen medizinischen Begriff benutzt, den viele Menschen nicht kennen: Absencen. Das französische Wort bedeutet im Deutschen so viel wie „Abwesenheit“. Und genau das traf auf den 23 Jahre alten Fußball-Nationalspieler zu, der auf dem Platz kurzzeitig weggetreten wirkte. Für einige Sekunden hatte der Profi des FC Bayern München in den Spielen gegen RB Leipzig und gegen den 1. FC Heidenheim jeweils Komplettaussetzer. Nach eigenen Angaben sind die Absencen für Musiala „aktuell Teil meines Alltags“.

Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle. Nach Angaben der amerikanischen Epilepsy Foundation treten sie besonders häufig bei Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren auf, können aber auch bei Jugendlichen oder Erwachsenen vorkommen. Gerade bei Kindern werden kurze Absencen, die üblicherweise nur wenige Sekunden dauern, mit Tagträumen und Unaufmerksamkeit verwechselt und von Außenstehenden gar nicht als Symptom eines gesundheitlichen Problems bemerkt. Für Ihre Beratung in der Apotheke ist deshalb wichtig zu wissen, wie sich Absencen äußern, welche Ursachen dahinterstecken und wie die Behandlung abläuft.

Absencen erkennen: typische und atypische Formen

Während einer typischen Absence ist die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigt. Betroffene reagieren in der Regel nicht oder kaum auf ihre Umgebung und auf Ansprache. Dabei kann es vorkommen, dass die Augen nach oben rollen.

Sobald eine typische Absence vorüber ist, kann eine betroffene Person ihre vorherige Tätigkeit schon nach kurzer Zeit wieder fortsetzen – in der Regel bleibt nur eine kurze Erinnerungslücke.

Daneben gibt es sogenannte atypische Absencen, die länger dauern und bei denen Beginn und Ende weniger abrupt sein können. Auch automatische Bewegungen, etwa von Fingern, Händen oder Mund, können auftreten. Schildern Ihnen Kund*innen solche Aussetzer, sind das wichtige Hinweise auf Absencen.

Absencen: Ursachen und häufige Auslöser im Alltag

Bei Absencen liegen die Ursachen in einer kurzzeitigen Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn. Normalerweise kommunizieren Nervenzellen über kontrollierte elektrische Impulse miteinander. Bei einer Absence feuern bestimmte Nervenzellgruppen plötzlich synchron und unkontrolliert. Diese abnorme Aktivität betrifft beide Gehirnhälften gleichzeitig und unterbricht für wenige Sekunden die normale Hirnfunktion.

Die genauen Auslöser sind nicht in jedem Fall eindeutig zu bestimmen. Bei Absencen spielen als Ursachen häufig genetische Veranlagungen eine Rolle: In vielen Familien treten Absence-Epilepsien gehäuft auf. Diese Faktoren können einzelne Episoden begünstigen:

  • Schlafmangel
  • Stress
  • Hyperventilation
  • flackerndes Licht
  • hormonelle Veränderungen
  • das Auslassen von Mahlzeiten

Bei manchen Betroffenen lässt sich jedoch kein konkreter Auslöser identifizieren – auch dann bleiben die Ursachen der Absencen zunächst unklar.

Absencen: Behandlung und Wirkstoffe im Überblick

Bei Absencen erfolgt die Behandlung in der Regel medikamentös. Antiepileptika wie Ethosuximid, Valproinsäure oder Lamotrigin können die unkontrollierten elektrischen Entladungen im Gehirn unterdrücken und die Häufigkeit der Anfälle deutlich reduzieren. Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt vom Alter, vom Geschlecht und von der individuellen Verträglichkeit ab.

Viele Betroffene – vor allem Kinder – werden unter der richtigen Medikation vollständig anfallsfrei. Regelmäßige EEG-Kontrollen helfen dabei, den Behandlungserfolg zu überwachen.

Neben der medikamentösen Therapie empfehlen Ärzt*innen häufig, bekannte Auslöser wie Schlafmangel oder übermäßigen Stress zu vermeiden. Eine konsequente Lebensführung mit ausreichend Schlaf und geregelten Mahlzeiten kann die Anfallskontrolle unterstützen – darauf können Sie im Beratungsgespräch hinweisen, wenn es bei Absencen um die Behandlung im Alltag geht.

Absencen bei Erwachsenen: langfristige Therapie

Bei Kindern verschwinden Absencen häufig in der Pubertät von selbst. Absencen bei Erwachsenen stellen sich anders dar. Treten sie erstmals im Erwachsenenalter auf oder bestehen sie seit der Kindheit fort, ist eine dauerhafte Behandlung oft notwendig.

Die sogenannte juvenile Absence-Epilepsie, die typischerweise im Jugendalter beginnt, kann bis ins Erwachsenenalter anhalten und erfordert dann eine langfristige medikamentöse Begleitung.

Im Alltag stellen Absencen bei Erwachsenen eine besondere Herausforderung dar. Kurze Bewusstseinsaussetzer können im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz oder beim Sport gefährlich werden – wie die Vorfälle bei Jamal Musiala zeigen.

Raten Sie erwachsenen Betroffenen, eng mit ihren Neurolog*innen zusammenzuarbeiten und offene Fragen zur Fahrtauglichkeit oder zu beruflichen Einschränkungen zu klären. Mit der richtigen Diagnose und einer gut eingestellten Therapie können die meisten Betroffenen ein weitgehend normales Leben führen – auch wenn Absencen bei Erwachsenen fortbestehen.

Quellen:
dpa
https://flexikon.doccheck.com/de/Absenceepilepsie
https://www.apollohospitals.com/de/diseases-and-conditions/absence-seizure

×