Gesunde ErnÀhrung
BALLASTSTOFFE: UNVERDAULICH, ABER EXTREM WICHTIG
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Ist man auf Social Media unterwegs, hat man den Eindruck: Ballaststoffe haben Proteine als Liebling unter den NĂ€hrstoffen abgelöst. Ein Schlagwort, das dort derzeit immer wieder fĂ€llt, lautet nĂ€mlich: âFibermaxxingâ. Dahinter steckt das Ziel, möglichst viele Ballaststoffe (engl. âfiberâ) in die ErnĂ€hrung einzubauen.
Was bringt das? Und wie gelingt es? Zwei Expert*innen geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.
1. Was sind Ballaststoffe ĂŒberhaupt und wie viel brauche ich davon?
âBallaststoffe sind Kohlenhydrate, die unser Verdauungssystem nicht in Energie umwandeln kannâ, sagt Daniela Krehl, ErnĂ€hrungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Diese unverdaulichen Pflanzenbestandteile sind somit fĂŒr uns Menschen praktisch kalorienfrei, erfĂŒllen aber wichtige Funktionen. Sie gelten als Nahrungsquelle fĂŒr unsere âgutenâ Darmbakterien â und zahlen auf die Vielfalt des sogenannten Mikrobioms im Darm ein. âSie fördern also eine gesunde Verdauung und verhindern HeiĂhungerâ, sagt Krehl.
2. Es gibt lösliche und unlösliche Ballaststoffe. Was ist der Unterschied?
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, tĂ€glich mindestens 30 Gramm (g) Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Studien zeigen allerdings: Im Durchschnitt nehmen Menschen in Deutschland deutlich weniger zu sich. Vorab: FĂŒr eine gesunde ErnĂ€hrung sind beide Formen wichtig. âLösliche Ballaststoffe, wie sie in Ăpfeln, Pflaumen oder Birnen vorkommen, binden Wasser und quellen im Darm aufâ, sagt Matthias Riedl, ErnĂ€hrungsmediziner und Ă€rztlicher Leiter des Medicum Hamburg.
Durch ihre gelartige Struktur unterstĂŒtzen lösliche Ballaststoffe die Darmgesundheit und sorgen fĂŒr einen stabilen Blutzuckerspiegel. Besonders wertvoll ist Beta-Glucan, ein löslicher Ballaststoff, der in groĂen Mengen vor allem im Hafer und Gerste vorkommt. Er senkt nachweislich den Cholesterinspiegel. Unlösliche Ballaststoffe hingegen binden kaum Wasser. âSie erhöhen das Stuhlvolumen und bringen die Verdauung in Schwungâ, sagt Matthias Riedl. Zu finden sind ballaststoffreiche Lebensmittel vor allem im Bereich der
Ăbrigens: Flohsamenschalen, Chiasamen, NĂŒsse, Linsen oder Kichererbsen enthalten sogar beide Ballaststoff-Formen.
3. Was macht Ballaststoffe fĂŒr die Gesundheit so unverzichtbar?
Dass Ballaststoffe lĂ€nger satt halten und der Verdauung helfen â das dĂŒrften viele auf dem Schirm haben. Neuere Studien zeigen zudem, dass Ballaststoffe fĂŒr ein langes und gesundes Leben von Bedeutung sind. âSie senken den Cholesterinspiegel sowie das Risiko fĂŒr Diabetes Typ-2, Karies, Zahnfleischprobleme und Bluthochdruckâ, gibt Matthias Riedl einen Ăberblick. Nach Angaben der DGE senkt eine höhere Zufuhr durch ballaststoffreiche Lebensmittel das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu versterben.
Daniela Krehl nennt eine weitere Erkenntnis: âDarmbakterien verstoffwechseln Ballaststoffe zu kurzkettigen FettsĂ€uren, die den altersbedingten Abbau der Knochensubstanz nachweislich verlangsamen.â
4. Was passiert, wenn ich zu wenig Ballaststoffe esse?
Verstopfung, Essattacken, HÀmorrhoiden: Wer nur wenig ballaststoffreiche Lebensmittel isst, kennt womöglich Probleme wie diese. Und: Er oder sie profitiert nicht von den prÀventiven Eigenschaften, die Ballaststoffe mit sich bringen können.
Riedl sieht auch eine Gefahr im aktuellen âProteinhypeâ â der einseitig umgesetzt â im wahrsten Sinne des Wortes unglĂŒcklich machen kann. Denn eiweiĂhaltige Kost wie Fleisch, Eier, Milchprodukte und Proteinshakes sind keine ballaststoffreichen Lebensmittel. Isst man viel davon, ohne ausreichend Ballaststoffe zu ergĂ€nzen, drohen die gesunden Darmbakterien zu âverhungernâ. Dies kann wiederum eine negative Kettenreaktion nach sich ziehen, die mitunter Depressionen begĂŒnstigen kann. âWir gehen heute davon aus, dass eine gesunde Darmflora eng mit unserem körperlichen und seelischen Wohlbefinden verbunden istâ, sagt Matthias Riedl.
5. Kann man zu viele Ballaststoffe essen?
Eigentlich nicht. Einem untrainierten Verdauungssystem können hohe Mengen allerdings Bauchschmerzen, BlĂ€hungen, VöllegefĂŒhl und Durchfall bescheren. Oder wenn man zu wenig trinkt: eine Verstopfung. âIm schlimmsten Fall droht Darmverschlussâ, sagt Daniela Krehl. Denn:
âBallaststoffe sind wie ein Schwamm, der sich mit FlĂŒssigkeit vollsaugt.â
6. Wie gelingt es, mehr Ballaststoffe in den Speiseplan einzubauen?
Erster Tipp: langsam herantasten, damit sich der Darm an mehr ballaststoffreiche Lebensmittel gewöhnen kann. Zweiter Tipp: zu jeder Mahlzeit ein groĂes Extra-Glas Wasser trinken, damit es keine Verstopfung gibt.
âDas FrĂŒhstĂŒck lĂ€sst sich besonders unkompliziert mit Ballaststoffen aufpeppenâ, sagt Daniela Krehl. Zwei Esslöffel Weizenkleie im Joghurt verrĂŒhrt, liefern bereits zehn g Ballaststoffe, also ein Drittel der empfohlenen Tagesmenge. Auch Haferflocken, Vollkornbrot oder Leinsamen sind perfekte ballaststoffreiche Lebensmittel fĂŒr den Start in den Tag â insbesondere in Kombination mit Obst und GemĂŒse.
FĂŒr warme Mahlzeiten empfiehlt Matthias Riedl, möglichst oft HĂŒlsenfrĂŒchte wie Bohnen oder Erbsen auf den Teller oder in die SchĂŒssel zu packen. Als Snack sollten Obst, GemĂŒse und NĂŒsse bevorzugt werden, und beim Backen lĂ€sst sich immer mindestens ein Teil des WeiĂmehls durch Vollkorn- oder Mandelmehl ersetzen.
Daniela Krehls Tipps fĂŒr die Kantine: âVorspeisesalat mit Kichererbsen und KĂŒrbiskernen toppen.â Und: âVollkornnudeln schmecken besser als ihr Ruf. Ausprobieren!â
7. Welche Lebensmittel gehören ab jetzt in den Einkaufskorb?
Unser Darm liebt Abwechslung. Hier kommen leckere Ballaststoff-Stars fĂŒr die Shoppingliste. Rechnen ist nicht nötig â wer diese Lebensmittel regelmĂ€Ăig miteinander kombiniert, erreicht die empfohlene Tagesmenge automatisch.
- Getreide beziehungsweise SĂ€ttigungsbeilagen: Hirse, Gerste, Quinoa, Buchweizen, Vollkornreis, Vollkornnudeln, Vollkornbrot
- Samen: Leinsamen, Sesam
- HĂŒlsenfrĂŒchte: Kichererbsen, Sojabohnen, dicke Bohnen, Linsen
- GemĂŒse: Karotten, Artischocke, Pastinake, Sellerie, Fenchel, KĂŒrbis, verschiedene Kohlsorten, Brokkoli, Sauerkraut, Rote Bete, Paprika
- Obst: Kiwi, Mango, Beeren, Pflaumen, Ăpfel
Quelle: dpa












