Eine Frau hat die Hand auf die Brust gelegt, sie ist leicht gekrümmt und schaut seitlich nach unten.© Jacob Wackerhausen/iStock/Getty Images Plus
Sodbrennen kann sich durch Schmerzen im Brustbein bemerkbar machen – muss es aber nicht.

Saures AufstoĂźen

SODBRENNEN: EIN UPDATE ZU REFLUX

Mehr als jede zehnte Person in Deutschland kennt Sodbrennen. Aber welches Mittel passt für wen – wann eignen sich Antazida, PPI und physikalische Mittel? Ein Überblick über die Ursachen und Therapien von Reflux-Beschwerden, der auch neue Produkte berücksichtigt.

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Sodbrennen ist eines der typischen Beschwerden, das Leute in die Apotheke und nicht gleich zu Ärzt*innen führt. Etwas mehr als eine von zehn Personen in Deutschland hat (zumindest gelegentlich) Sodbrennen. Während die einen hin und wieder nach kulinarischen Ausschweifungen sauer aufstoßen, bekommen andere regelmäßig nachts kein Auge zu und meiden einige Lebensmittel komplett.

Zur Frage, ob sich Protonenpumpenhemmer fĂĽr Akutbeschwerden in der Selbstmedikation eignen, kursieren widersprĂĽchliche Meinungen. Sind Antazida also die sichere Wahl? Und welche neuen Produkte haben in den letzten Jahren das Sodbrennen-Sortiment erweitert? Ein Ăśberblick.

Auslöser ist Reflux

Bei einem Reflux (also „Rückfluss“) fließt saure Magenflüssigkeit aus dem Magen hinauf in die Speiseröhre. Die Folgen sind Schmerzen im Oberbauch und/oder hinter dem Brustbein – das Sodbrennen. Beim sauren Aufstoßen fließt der Magensaft weiter bis in den Rachen oder Mund. Betroffene von stillem Reflux haben diese typischen Beschwerden wie einen säuerlichen Geschmack im Mund oder schmerzhaftes Sodbrennen nicht. Trotzdem schadet die Magensäure dem Rachen – wird sie wieder eingeatmet, auch der Lunge. Ein stiller Reflux macht sich also durch Heiserkeit und Reizhusten bemerkbar.

Reflux und Sodbrennen sind in der Regel einfach in den Griff zu bekommen. Bestehen sie aber chronisch, spricht man von der Gastroösophagealen Reflux-Krankheit GERD. Unbehandelt kann sie zu Entzündungen der Speiseröhre führen.

Wie kommt es ĂĽberhaupt zu Sodbrennen?

Eigentlich trennt der untere Ösophagussphinkter den Magen von der Speiseröhre. Er lässt zwar Nahrung und Getränke nach dem Schlucken hinunter in den Magen. Aber im Ruhezustand verhindert er, dass Mageninhalt in die Speiseröhre hinaufsteigt.

Allerdings ist der Sphinkter kein eigenes Organ. Verschiedene Strukturen spielen fĂĽr die Ventilfunktion zusammen. Deshalb gibt es auch verschiedene Ursachen dafĂĽr, dass der Sphinkter manchmal nicht richtig schlieĂźt und dass Sodbrennen entsteht.

  • Geringer Muskeltonus (z. B. im Alter)
  • Geringe Motilität des Magens und der Speiseröhre
  • Arzneimittel
  • Druck auf den Bauch oder im Bauch (z. B. bei Adipositas, in der Schwangerschaft oder durch den Hosenbund)
  • Anatomische Besonderheiten oder ZwerchfellbrĂĽche

Sodbrennen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kommt es besonders oft zu Sodbrennen. Zum einen drückt das heranwachsende Kind mehr und mehr auf Magen und Zwerchfell. Sodbrennen wird zum anderen begünstigt, weil Schwangere einen höheren Progesteronspiegel haben. Der wiederum senkt den Muskeltonus – auch des Ösophagussphinkters. In der Schwangerschaft ist der Leidensdruck durch Sodbrennen außerdem oft besonders hoch, weil viele Mittel nicht für Schwangere geeignet sind.

Sodbrennen durch den Lebensstil

Sodbrennen tritt fast immer 15 bis 60 Minuten nach dem Essen auf. Aber nicht nur Lebens-, sondern auch Genussmittel können das Reflux-Risiko erhöhen.

Zu Sodbrennen kommt es vor allem durch große Mahlzeiten. Denn sie dehnen den Magen. Fettreiche oder schwer verdauliche Speisen verweilen länger im Magen. Fetthaltige Gerichte und Alkohol entspannen den Ösophagussphinkter. Die Magensäureproduktion steigt durch Kaffee, Alkohol, Nikotin und stark gewürzte oder süße Lebensmittel, sodass es leichter zu Sodbrennen kommt. Auch Stress begünstigt Sodbrennen.

Mehr als jeder dritte Fall von Sodbrennen könnte durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden.

Mittel gegen Sodbrennen

Außer durch einen gesunden Lebensstil lässt Sodbrennen sich durch geeignete Mittel behandeln. Und zwar auf drei Weisen:

  1. Indem man verhindert, dass Magensäure gebildet wird
  2. Indem man vorhandene Magensäure neutralisiert
  3. Indem man die Magensäure physikalisch daran hindert, in die Speiseröhre aufzusteigen

Magensäure am Aufsteigen hindern

Alginate sind Mittel gegen Sodbrennen, die mit Magensäure zu einem schaumigen Gel reagieren. Dieses schwimmt wie ein Deckel auf dem Mageninhalt und hindert ihn daran, als Reflux in die Speiseröhre zu gelangen. In der Regel werden diese Mittel gegen Sodbrennen mit Antazida kombiniert.


Auch die Körperposition kann Magensäure am Aufsteigen hindern
Ein guter Zusatztipp für Ihre Sodbrennen-Kund*innen: Im Liegen kann Magensaft leichter die Speiseröhre hinaufsteigen. Raten Sie bei Sodbrennen deshalb, sich nicht direkt nach dem Essen hinzulegen und zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen einen zeitlichen Abstand einzuplanen. Zusätzliche Kissen richten den Oberkörper leicht auf und erschweren dem Reflux den Aufstieg.

Das Brennen beim Sodbrennen lindern

Ein Medizinprodukt lindert das brennende Gefühl des Reflux: Die Kautabletten mit Hyaluronsäure bilden mit dem Speichel ein schützendes Gel, das beim Herunterschlucken die Speiseröhre beruhigen soll. Ein anderes Produkt nutzt dazu Kaktusfeigen-Extrakt. Dieses Mittel gegen Sodbrennen ist mit Calcium- und Magnesiumcarbonat kombiniert, die die Magensäure neutralisieren.

Magensäure neutralisieren

Anders gegen Sodbrennen wirken Antazida; zu diesen Mitteln gehören etwa Magaldrat, Hydrotalcit, Aluminium-Magnesium-Silicat oder das genannte Calcium- beziehungsweise Magnesiumcarbonat. Sie enthalten schwache Basen und neutralisieren die Magensäure direkt im Magen. Bei den Carbonaten entsteht dabei gasförmiges Kohlendioxid, das zu Blähungen oder Aufstoßen führen kann.

Heilerde bindet die Magensäure bei Sodbrennen. In Studien werden Schleimhaut-schützende Effekte untersucht. Das Mittel ist allerdings weniger stark wirksam und eignet sich nur bei leichten Reflux- und Sodbrennen-Beschwerden.

Magensäure-Entstehung blockieren

Zwei Wirkstoffgruppen hindern den Magen daran, Magensäure zu produzieren. Einmal sind das H2-Antihistaminika wie Famotidin und Ranitidin. Diese Mittel gegen Sodbrennen blockieren die histaminvermittelte Säureproduktion. Im Vergleich zur anderen Gruppe, den Protonenpumpenhemmern (PPI), werden sie aber nur noch wenig eingesetzt.

Zu den PPI gehören unter anderem Omeprazol, Esomeprazol und Pantoprazol. Sie sind säurelabil und werden deshalb als magensaftresistente Tabletten oder Kapseln hergestellt. Über die Blutbahn gelangen sie in die Belegzellen der Magenschleimhaut. Dort blockieren sie die Protonenpumpe, die Kaliumionen aus dem Mageninneren gegen H+-Ionen tauscht. Die Säureproduktion wird so durch diese Mittel irreversibel gehemmt, sodass Reflux und Sodbrennen gelindert werden.

2026 ist ein Omeprazol-Fertigarzneimittel auf den Markt gekommen, das nicht magensaftresistent ĂĽberzogen ist. Stattdessen wird im Magen Natriumhydrogencarbonat als Puffer freigesetzt.

Alle PPI sind nur in niedriger Dosierung und für maximal 14 Tage ohne Rezept erhältlich. Sie müssen nüchtern eingenommen werden. Länger anhaltender Reflux oder Sodbrennen sollte ärztlich abgeklärt werden. Außerdem zu beachten ist, dass sie neben der Säureproduktion auch die Aufnahme von Magnesium und Vitamin B12 hemmen. Eine Supplementierung ist sinnvoll.

Hausmittel gegen Sodbrennen?

Zu den Hausmitteln gegen Sodbrennen zählt unter anderem Natron. Natron neutralisiert Magensäure zwar, führt aber zu Gasentwicklung und damit zum Aufstoßen. Wer unter Sodbrennen leidet, sollte deshalb lieber auf Arzneimittel als auf dieses Hausmittel zurückgreifen.

Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/%C3%96sophagussphinkter
https://www.usz.ch/krankheit/zwerchfellbruch/
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0033-1358162
Mehta RS, Nguyen LH, Ma W, Staller K, Song M, Chan AT: „Association of Diet and Lifestyle With the Risk of Gastroesophageal Reflux Disease Symptoms in US Women”, JAMA Internal Medicine, 1. April 2021. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33393976/
https://www.ukw.de/fileadmin/uk/portal/UNI.KLINIK/2024-01/webmagazin/sodbrennen.html

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