Pilze vor einem Gehirn vor einem übermäßig bunten Sternenhimmel© wildpixel/iStock/Getty Images Plus
Psilocybin aus Magic Mushrooms kann in seltenen Fällen bei therapieresistenter Depression eingesetzt werden – aber was macht es im Gehirn überhaupt?

Magic Mushrooms

PSILOCYBIN: SO ORDNEN PSYCHEDELISCHE PILZE DAS GEHIRN

Die Substanz Psilocybin aus sogenannten Magic Mushrooms ist in Deutschland verboten, lediglich zwei spezialisierte Institute setzen den Wirkstoff medizinisch ein. Was Psilocybin im Gehirn genau bewirkt, haben Forschende jetzt entdeckt.

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Psilocybin aus bestimmten psychedelischen Pilzen hat eine halluzinogene Wirkung. Die Substanz ist keineswegs eine harmlose Partydroge, die bunte Bilder im Kopf verursacht, sondern kann gefährlich werden. So drohen Psychosen, aber auch sogenannte Flashbacks, in denen Betroffene traumatische Ereignisse erneut durchleben und sich oder andere in Gefahr bringen.

Psilocybin kann aber auch Ängste lösen und kommt in Ausnahmefällen gegen therapieresistente Depressionen zum Einsatz. Forschende aus Australien gelang es nun, der Wirkung von Psilocybin genauer auf den Grund zu gehen.

Psilocybin bringt Ordnung im Chaos

Die Effekte von Psilocybin haben sich Forschende der Monash University in Melbourne um den Psychologen Devon Stoliker in funktionellen Magnetresonanztomographien genauer angesehen. Dabei zeigte sich: Was wie völliges Chaos im Gehirn aussieht, folgt bestimmten Mustern. Die Erkenntnisse könnten helfen, den therapeutischen Einsatz von Psilocybin sicherer und wirksamer zu machen.

Psilocybin stört gezielt die Gehirnaktivitäten, die unsere Wahrnehmung strukturieren. Das Gehirn wirkt ungeordneter. 62 gesunde Teilnehmende an der Untersuchung nahmen Psilocybin ein und durchliefen danach vier Phasen:

  1. Sie ruhten mit geschlossenen Augen,
  2. nahmen an einer geführten Meditation teil,
  3. sahen sich einen Stummfilm an
  4. und hörten zum Schluss psychedelischer Musik zu.

Mit Hilfe von maschinellem Lernen analysierten Stoliker und sein Team die Gehirnaktivitäten und entdeckten, dass das scheinbare Chaos bestimmten Mustern folgte. Es zeigte sich „eine verborgene Ordnung, die das Erleben der jeweiligen Person widerspiegelt“, meint Stoliker. Die spezifischen Muster in den Gehirnaktivitäten unterschieden sich je nach durchlaufener Phase des Versuches.

Wirkung von Psilocybin hängt vom Setting ab

Positive Wirkungen besitzt Psilocybin vor allem dann, wenn Anwendende sich gut eingebettet fühlen. Dann unterschieden sich auch die Gehirnaktivitäten der Studienteilnehmenden zwischen den einzelnen Phasen am stärksten. Wahrscheinlich spielt Musik eine große Rolle für eine gute Wirkung von Psilocybin. Bisher kannte man die Gründe dafür nicht; die australische Studie liefert erste Ansätze.

In Deutschland dürfen seit Juli 2025 nur die OVID Clinic in Berlin sowie das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim Psilocybin unter strengen Auflagen bei depressiven Personen einsetzen, bei denen andere Therapien nicht helfen. Der Psychiater Professor Gerhard Gründer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit setzt große Hoffnungen in die Wirkung von Psilocybin. Sein Hauptanliegen ist die Zulassung eines ersten Psychedelikums für den medizinischen Einsatz.

Eine der Wirkungen von Psilocybin ist, dass es die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe wie Dopamin im Gehirn anregt. Das stimuliert das Wachstum von und fördert Verknüpfungen zwischen Nervenzellen. Für die Dauer der Wirkung verschwimmen zudem die Grenzen zwischen dem eigenen Körper und der Umwelt. Neue Gedanken und Denkmuster können leichter fallen und Grübeleien in den Hintergrund treten.

Psychedelische Pilze: keine Selbstversuche!

Psychedelische Pilze, die Psilocybin und verwandte Stoffe enthalten, gehören allerdings unbedingt in fachkundige Hände, warnt Gründer. Stimmt die Dosis nicht oder die Bedingungen, kann Psilocybin Psychosen oder Schizophrenie auslösen.

Die australische Studie liefert Ansätze, welche Personen unter welchen Bedingungen von der Anwendung von psychedelischen Pilzen profitieren können. Psilocybin verbindet im Gehirn Netzwerke miteinander, die gewöhnlich streng voneinander getrennt arbeiten. Anwendende beschreiben, eins mit ihrer Umwelt zu sein und Ängste loszulassen. Psilocybin könnte so unter kontrollierten Bedingungen Menschen helfen, bei denen andere Therapien versagen.

Quellen:
https://www.br.de/nachrichten/wissen/psilocybin-im-gehirn-studie-findet-ordnung-im-chaos,VTJZJ0a
Stoliker, D., Novelli, L., Khajehnejad, M. et al.: „Psychedelics align brain activity with context“, Nature, 19. August 2026. https://doi.org/10.1038/s41586-026-10910-z
https://www.spiegel.de/gesundheit/hochdosiertes-psilocybin-bei-schweren-depressionen-wirksam-a-7071c53a-c521-4cfb-952a-d61535f4c02b

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