Verschiedene Kapseln und Tabletten in kleinen Schalen© Yuliia Ushakova/iStock/Getty Images Plus
Viel hilft viel? Die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel vermittelt oft diesen Eindruck – in Ihrer Empfehlung sollten Sie aber genauer abwägen, wem Sie zu welchem NEM raten.

Vitamine & Mineralstoffe

NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL – MANGELERSCHEINUNGEN UND INDIKATIONEN

Ein schickes, angeblich lebensveränderndes Produkt wird in die Kamera gehalten. Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, teilweise ohne nachgewiesene Mangelerscheinungen, ist total im Trend. Aber ist das auch sinnvoll? Welche Gründe und Indikationen tatsächlich für Nahrungsergänzungsmittel sprechen.

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Obwohl sie so aussehen, sind Nahrungsergänzungsmittel keine Arzneimittel, sondern sie fallen unter das Lebensmittelrecht. Während Arzneimittel einer genauen gesetzlichen Definition unterliegen, die sich grob zusammengefasst auf den Umgang mit Krankheiten beziehen, sind die Indikationen von Nahrungsergänzungsmitteln schlicht, die Ernährung gesunder Personen zu ergänzen, um Mangelerscheinungen zu verhindern.

Arzneimittel durchlaufen ein strenges Zulassungsverfahren. Während klinische Studien bei Arzneimitteln als Beweise für die Sicherheit und Wirksamkeit verpflichtend sind, müssen Hersteller die Nahrungsergänzungsmittel ohne Vorabnachweise nur eintragen lassen. Weder genaue Indikationen noch bei welchen Mangelerscheinungen sie anzuwenden sind, muss kommuniziert werden.

Indikationen für Nahrungsergänzungsmittel

Als Ergänzung zur Ernährung sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll, wenn tatsächlich Mangelerscheinungen vorherrschen. Aber nicht verwechseln: Apothekenpflichtige Mikronährstoff-Arzneimittel gehören nicht zu den Nahrungsergänzungsmitteln – egal für welche Indikationen! Beispielsweise gibt es sowohl apothekenpflichtige Eisenpräparate, die Arzneimittel sind, als auch freiverkäufliche Eisentabletten, die als Nahrungsergänzungsmittel gelten.

In Anbetracht der Richtlinien für die Zulassung oder vielmehr Eintragung von Nahrungsergänzungsmitteln gilt es, die Qualität einzelner Produkte und ihren Nutzen bei den jeweiligen Indikationen zu hinterfragen. Im Folgenden werden Nahrungsergänzungsmittel erklärt, die für typische Mangelerscheinungen in Deutschland sinnvoll sind.

Nahrungsergänzungsmittel Eisen

Eisen benötigen wir für den Sauerstofftransport im Blut. Mangelerscheinungen äußern sich durch Schlappheit, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen. Menstruierende Personen unterliegen einem höheren Risiko für Eisenmangel.

Die Eisengewinnung aus tierischen Produkten ist für den Körper leichter als bei pflanzlichen. Milchprodukte und Kaffee hemmen die Aufnahme, die Einnahme mit Vitamin C erleichtert die sie.

Lebensmittel:

  • rotes Fleisch
  • (Thun-)Fisch
  • Hülsenfrüchte
  • Spinat
  • Haferflocken

Nahrungsergänzungsmittel Omega-3

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren bilden ein Gleichgewicht. Ist dieses gestört, begünstigt das Mangelerscheinungen. Trockene Haut, Konzentrationsschwäche und psychische Verstimmungen sind Anzeichen solcher Mangelerscheinungen.

Lebensmittel:

  • Samen
  • Nüsse
  • fettreicher Fisch

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin D

Mangelerscheinungen erhöhen das Risiko für schwerwiegende Beschwerden, da das fettlösliche Vitamin D die Zahn- und Knochengesundheit, Psyche, Muskelkraft und das Immunsystem beeinflusst. Das Sonnenvitamin (die Haut kann Vitamin D unter Sonneneinstrahlung selbst bilden) ist also unbedingt notwendig, doch ausschließlich über die Ernährung ist der Bedarf schwierig zu decken, wodurch Nahrungsergänzungsmittel sehr sinnvoll sind. Diese werden für eine effektive Aufnahme mit Nahrungsfetten eingenommen.

Lebensmittel

  • Lachs
  • Makrele
  • Pilze
  • Eier

Achtung!
Das fettlösliche Vitamin kann man überdosieren! Die Dosis sollte sich nach dem individuellen Bedarf richten. Als sicher gelten tägliche Mengen von bis zu 4000 I.E. für Erwachsene und 2.000 I.E. für Kinder; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene, die gar kein eigenes Vitamin D produzieren, eine Tagesdosis von 800 I.E..

Nahrungsergänzungsmittel B12

Nerven, DNA-Synthese und die Blutbildung werden vom essenziellen Vitamin B12 beeinflusst. Mangelerscheinungen treten langfristig als Fatigue, Gedächtnisschwäche und Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den äußeren Extremitäten auf. Über die Nahrung kann man den Bedarf vorwiegend mit tierischen Produkten decken.

Für Vegetarier*innen sind gute Quellen dabei, Veganer*innen allerdings sind auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen.

Lebensmittel:

  • Eier
  • Fisch
  • Fleisch
  • Milchprodukte

Nahrungsergänzungsmittel Jod

Jod beeinflusst die Schilddrüsenhormone und -funktion. Mangelerscheinungen führen zu einer vergrößerten Schilddrüse, um die Unterfunktion auszugleichen – dem Kropf. Bei Kindern sind Entwicklungsstörungen möglich.

Trotzdem ist die Ursache einer Unterfunktion und ob Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollen immer ärztlich abzuklären.

Lebensmittel:

  • Fisch
  • Eier
  • Milchprodukte
  • Spinat

Nahrungsergänzungsmittel Zink

Neben Haut und Haaren beeinflusst Zink das Immunsystem, die Nerven und Darmgesundheit. Mangelerscheinungen sind Haarausfall, schlechte Wundheilung, Durchfall, Appetitlosigkeit und verwirrte Geschmackssinne.

Während der Schwangerschaft, bei einer Erkältung oder Akne ist der Bedarf an Zink individuell erhöht.

Lebensmittel

  • Fleisch
  • Eier
  • Milchprodukte
  • Vollkornprodukte

Nahrungsergänzungsmittel Folsäure

Besonders in der Schwangerschaft sind die Mangelerscheinungen schwerwiegend. Hier ist der Bedarf auf jeden Fall erhöht und auch die Nahrungsergänzung aktiv – auch schon bei Kinderwunsch – empfohlen. Fehlgeburten oder ein offener Rücken des Kindes sind unerwünschte Konsequenzen eines Mangels.

Weitere Mangelerscheinungen sind psychische Erkrankungen oder Schleimhautveränderungen im Magen-Darm-Trakt.

Lebensmittel:

  • Blattgemüse
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte

Weitere typische Nahrungsergänzungsmittel, die bei Mangelerscheinungen sinnvoll sind, sind etwa Magnesium, Calcium, Kalium oder Selen.

Mikronährstoffe aus der Nahrung

Trotz einer ausgewogenen und gesunden Ernährung können Mangelerscheinungen auftreten und somit Indikationen für Nahrungsergänzungsmittel sein. Unter anderem liegt das an dem Rückgang der Nährstoffe in den importieren Lebensmitteln, die im unreifen Zustand geerntet und mit Erhaltungsstoffen behandelt werden.

Außerdem reduziert zu scharfes Braten oder langes Kochen die Nährstoffe in einzelnen Lebensmitteln, was Mangelerscheinungen begünstigt.

Empfehlung: Gemüse auch mal dämpfen und gefrorene Vitaminquellen, aus Deutschland geerntet, konsumieren. 

Indikationen von Nahrungsergänzungsmitteln

Indikationen von Nahrungsergänzungsmitteln sind Mangelerscheinungen – die Ursachen können dabei ganz unterschiedlich sein. Bestimmte Erkrankungen oder deren Prävention sorgen dafür, dass Risikogruppen teilweise auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen sind. Welche Indikationen in welcher Situation die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln rechtfertigt, wird im Folgenden erklärt.

Die Schwangerschaft gehört in der Apotheke zu den häufigsten Indikationen für Nahrungsergänzungsmittel. Schon vor der Schwangerschaft ist es sinnvoll, die Ernährung anzupassen und Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Am bekanntesten ist die Folsäure. Einige Kombinationspräparate bieten in der richtigen Zusammensetzung kompakte Alternativen.

Auch verschiedene Ernährungsweisen sind Indikationen, um präventiv zu handeln. Solche Indikationen ergeben sich durch den Verzicht auf Tierprodukte, die den Körper sonst effizient mit Nährstoffen versorgen, oder ungesunde Ernährungsweisen mit geringem Mikronährstoffanteil. Weitere mögliche Indikationen bei Veganismus entstehen durch einen Proteinmangel, der ebenfalls durch Nahrungsergänzungsmittel verhindert wird.

Die Diagnose Demenz gehört zu den unbekannteren Indikationen, ist aber genauso wichtig. Diese Indikation für Nahrungsergänzungsmittel gründet beispielsweise auf dem Vergessen der Nahrungsaufnahme, Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit und Geschmacksveränderungen. Hierbei kommt es nicht nur wegen eines einzelnen Nährstoffmangels zu Mangelerscheinungen, sondern auch die ganzheitliche Unterernährung führt langfristig zu Problemen.

Weitere Indikationen für Nahrungsergänzungsmittel können Diabetes Typ-2, Krebstherapien, Parkinson, Multiple Sklerose, Drogenmissbrauch, Unterernährung oder auch psychische Erkrankungen sein.
 

Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel, egal für welche Indikationen, richtig einzunehmen ist je nach Produkt unterschiedlich. Dosierungshinweise befinden sich meistens auf den Packungen, doch wann am Tag?

Grundsätzliche Einnahmehinweise:

Präparat mit… Einnahmehinweis
Eisen Dreißig Minuten vor Essen mit Vitamin C
Fettlösliche Vitamine Zum Essen, da Nahrungsfett
Magnesium Abends
Calcium Tagsüber mit Abstand zu Magnesium
Folsäure Zum Essen
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