Galgantwurzel und -pulver.© Everyday better to do everything you love / iStock /Getty Images Plus
Heutzutage wird die Galgantwurzel als Mittel gegen saures Aufstoßen, Magen-Darmbeschwerden, Herzschwäche und allgemeine Schwächezustände eingesetzt.

Ayurveda

DIE MILZ UND IHRE WICHTIGEN AUFGABEN

Was macht unsere Milz eigentlich den ganzen lieben langen Tag oder auch in der Nacht? Was wissen wir überhaupt über unser oft unterschätztes Organ? Wissen Sie zum Beispiel wo im Körper die Milz zu finden ist?

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Oft wird die Milz in der Schulmedizin als nicht wirklich notwendig dargestellt und bei Problemen auch schnell mal entfernt. Aber ist unser Körper nicht ein perfekt ausgeklügeltes System, wo alles seine Daseinsberechtigung hat? 

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steht die Milz für die Mitte des Körpers und auch für die Energie, die man benötigt. Eine schwache Milz mache den Menschen nachdenklich, wo hingegen eine kräftige Milz das seelische Wohlbefinden fördere.

Anatomie und Aufgaben

Die Milz liegt in der linken oberen Hälfte der Bauchhöhle unterhalb des Zwerchfells und wird durch die neunte, zehnte und elfte Rippe geschützt. In der Größe ähnelt die Milz dem Herzen. Sie ist die größte Ansammlung von Lymphgewebe im Körper. Hier werden Lymphozyten, die weißen Blutkörperchen, gebildet und eingelagert. Sie sind entscheidend für unsere Immunabwehr.

Die Milz gehört zu den weichen Organen mit roter Färbung. Ihre Form ergibt sich aus der Lage der umliegenden Organe, Magen, Nieren und Dickdarm. Sie besteht aus einer roten und einer weißen Pulpa. Pulpa ist das Mark eines Organs. Die rote Pulpa filtert das Blut. Hierbei werden gealterte und abnormale Blutkörperchen aufgespalten und entfernt. Und sie bildet die roten Blutkörperchen des Fetus, was später das Knochenmark übernimmt.

Wenn das Knochenmark im Anschluss aus irgendeinem Grund nicht in der Lage ist, übernimmt die Milz diese wichtige Funktion wieder. Kinder sind bis zum sechsten Lebensjahr sogar auf die Funktion der Milz angewiesen, das sie in diesem Alter wesentlich an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt ist. Die weiße Pulpa umgibt die Milzarterien. Die für das Immunsystem notwendigen Lymphozyten sind in der weißen Pulpa eingelagert. 

Was schwächt sie?

Bakterielle und virale Infektionen können eine Schädigung der Milz hervorrufen, aber auch verschiedene Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Erkrankungen des Blutsystems können sich auf die Milz auswirken. Sie kann sich zum Beispiel auch vergrößern. Bei einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, auch Pfeiffersches Drüsenfieber genannt, kann dies der Fall sein.

Es dauert dann meist einige Wochen bis die vergrößerte Milz wieder ihre Normalgröße annimmt. Da die Milz auch sehr anfällig für einen Riss ist, stellt auch eine starke Gewalteinwirkung, wie etwa ein Unfall, eine Gefahr dar. 

Auf emotionaler Ebene schwächt zu viel Nachdenken und Grübeln die Milz. Laut TCM sagt man, dass die Lebensenergie, das Qi dann nicht mehr richtig fließen kann. Die Funktionen des Nervensystems sind durch Gedankenkarusselle in Disharmonie und es wird nur eine geringe Menge an Verdauungsflüssigkeiten produziert.

Auf diese Weise kommt es zu Appetitlosigkeit, man nimmt ab, es tritt Atemnot auf, das Qi und auch die Gliedmaßen sind schwach und man will sich nur wenig bewegen. Eine weitere Auswirkung kann Traurigkeit sein. Unterdrückte Ängste oder auferlegte Zwänge bereits in der Kindheit können später zu Milzleiden führen. 

Ayurvedisch

Genau wie die chinesische Medizin hat auch die ayurvedische Heilkunde der Milz weitaus mehr Funktionen und Aufgaben zugeordnet als die westliche Medizin dies getan hat. Zu ihren Aufgaben gehört die Blutfilterung, sie hält das Blut in den Gefäßen, sorgt dafür, dass die umliegenden Organe an ihrem Platz bleiben, sie ernährt Muskulatur, Fett und Bindegewebe, sie erwärmt kalte Nahrung und verteilt die Energie im Körper.

Im Ayurveda wird immer gepredigt, wie wichtig eine regelmäßige Nahrungsaufnahme ist, dass wir unser Agni, das Verdauungsfeuer stark halten und uns mental nicht überfordern sollten. Und tatsächlich sorgen genau diese Dinge auch für eine gesunde Milz. Regelmäßiges Essen und richtiges Entspannen für Körper, Geist und Seele tragen dazu bei, dass wir und unsere Milz in einem gesunden Zustand sind und bleiben.

Auch chronische Erkrankungen können eine Ursache für einen Mangel an Milzenergie darstellen und dafür sorgen, dass sie ihren wichtigen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Und gerade im Bereich Lymphozyten und dem damit verbundenen Immunsystem ist das natürlich nicht von Vorteil.

Eine feuchtkalte Umgebung ist auch etwas, was die Milz auf Dauer nicht gerne mag. Genauso wie zu viel Rohkost oder Medikamenteneinnahme wie zum Beispiel Bluthochdruckmittel oder Psychopharmaka. 

Wie erkenne ich, wenn es der Milz nicht gut geht?

Symptome, wie Appetitmangel, Durchfall, weicher Stuhlgang, Müdigkeit oder Erschöpfung können sich bemerkbar machen. Es kann zu Konzentrationsproblemen kommen oder einer Muskelatrophie. Entzündliche Darmerkrankungen, eine Malabsorptionsstörung oder auch Völle- und ein Druckgefühl im Bauchraum vor allem nach dem Essen können auftreten.

Es kann auch sein, dass Vollkornprodukten nicht gut vertragen werden. Im Ayurveda spielt auch die Zungendiagnose eine große Rolle. Wenn die Zunge blass oder geschwollen ist, einen dünnen weißen Belag aufweist, kann dies ein Hinweis auf eine ungesunde Milz sein. Ein weiterer Hinweis sind Zahneindrücke in der Zunge. Sie stellen auch ein Zeichen für Feuchtigkeit dar. Und in der Pulsdiagnose stellen wir einen sehr schwachen Puls fest. 

Organuhr

Wie wir das auch schon bei der Leber betrachtet hatten, können wir auch der Milz eine gewisse Zeitspanne zuordnen. In der Zeit von neun Uhr bis elf Uhr morgens ist die Energie in der Milz am höchsten. Die Bauchspeicheldrüse befindet sich in der gleichen „Zeitzone“ wie die Milz und hat somit auch hier ihre Hochphase.

Exakt zwölf Stunden später befindet sich der jeweilige Meridian dann in der Ruhephase. Das heißt, die Milz „ruht“ zwischen 21 und 23 Uhr. Demnach sollten wir in dieser Zeit erst recht nicht grübeln, sondern uns mit schönen Gedanken und Dingen beschäftigen. Eine Meditation vor dem Einschlafen wäre perfekt. 

Empfehlung

Bereits Hildegard von Bingen hat um die Wichtigkeit der Milz gewusst. Um das Organ zu stärken gibt es bewährte Naturheilmittel aus der Hildegard-Medizin, beispielsweise die Galgant-Latwerge. Dabei handelt es sich um ein schonend eingekochtes, süßliches Mus aus Honig, Majoran, Selleriesamen, weißem Pfeffer und Galgant. Es wirkt stärkend auf Milz, Magen, Herz und bei Verschleimung in der Brust.

Aus heutiger Sicht gilt Galgant als Mittel gegen saures Aufstoßen, Magen-Darmbeschwerden, Herzschwäche und allgemeine Schwächezustände. Vitalstoffe wie Eisen, Folsäure, Biotin sowie Vitamin D, E und B12 sind für unsere Milz wichtig. Erdbeeren gehören zu den Obstsorten, die sich positiv auf die Milz und auch die Leber auswirken.

Auch die anthroposophische Medizin hat dies aufgegriffen und ein Mittel zur Anregung der Lebertätigkeit entwickelt. Es gibt auch eine homöopathische Zubereitung aus einem Baumpilz namens Fomitopsis pinicola e mycelio. Dies hat sich als ein sehr starkes Milzstärkungsmittel erwiesen. Davon nimmt man täglich acht Tropfen vor einer Mahlzeit ein. Auch Kardamom, Fenchel, Koriander und Zimt regen die Milz an. Genauso Safran oder Kurkuma. 

Ein Rezept für einen Milz-Wohlfühltee

30 g Angelika-Wurzel,
20 g Fenchel,
20 g Schafgarbe,
15 g Pfefferminze und
15 g Süßholzwurzel.
Davon 2 Teelöffel mit 250 Milliliter heißem Wasser aufgießen und dreimal pro Tag trinken.

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