Seit November
NEUE APFELSORTEN FĂR ALLERGIKER: WAS STECKT DAHINTER?
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Zwei bis drei Prozent der EuropĂ€er sind allergisch gegen Ăpfel. Sie reagieren mit Kribbeln und Brennen im und am Mund, Lippen und Zunge schwellen an. Das heiĂt fĂŒr sie, dass sie auf eine gesunde, regionale â und leckere â Vitaminquelle verzichten mĂŒssen.
Manche Allergiker können zu alten Apfelsorten greifen, manchen hilft es, das Obst durchzugaren. Forschende aus Deutschland haben jetzt eine weitere Alternative geschaffen: neue Apfelsorten speziell fĂŒr Allergiker.
Was bisher geschah: Alte Apfelsorten oder Abkochen
Wer gegen Ăpfel allergisch ist, reagiert auf bestimmte EiweiĂe, die in allen Apfelsorten vorkommen; hierzulande vor allem auf das Protein Mal d1. Oft steckt eine Allergie gegen Birkenpollen dahinter, denn deren EiweiĂe Ă€hneln denen in Ăpfeln so sehr, dass das Immunsystem auf beide reagiert. Da EiweiĂe hitzelabil sind, können viele Allergiker durchgegarte Ăpfel essen: In Apfelkuchen, industriell pasteurisiertem Apfelsaft und Apfelmus sind die Allergene denaturiert.
Auch alte Apfelsorten sind fĂŒr einige Allergiker essbar. Alte Apfelsorten wie Boskop und Jonathan enthalten bis zu viermal so viele Polyphenole wie Elstar oder Braeburn. Und die binden an die Allergene, verĂ€ndern die Immunglobulin-E-Bindungsstellev in ihrer Struktur und machen sie so fĂŒr das Immunsystem unkenntlich. Da Polyphenole jedoch sauer schmecken und der allgemeine Geschmack sich zum SĂŒĂen verĂ€ndert hat, sind Polyphenole in neueren Sorten weniger konzentriert enthalten wie in alten Apfelsorten.
Tipp fĂŒr Allergiker: Frische Ăpfel, schĂ€len
Egal welche Apfelsorte, fĂŒr Allergiker ist vor allem die Schale der FrĂŒchte problematisch. Denn in ihr sitzen besonders viele allergene EiweiĂe. Ein Tipp ist deshalb: vor dem Verzehr schĂ€len! AuĂerdem sinkt der Polyphenolgehalt beim lĂ€ngeren Lagern, weniger Allergene werden abgebaut. Deshalb sind frische Ăpfel meist besser vertrĂ€glich als Ă€ltere der gleichen Apfelsorte.
Neue Apfelsorten fĂŒr Allergiker
Forschende der TU MĂŒnchen, der Hochschule OsnabrĂŒck und der Berliner CharitĂ© haben nun zwei neue Apfelsorten fĂŒr Allergiker entwickelt. Beide Apfelsorten sind unter dem Markennamen PompurÂź seit dem 15. November erhĂ€ltlich. FĂŒr Allergiker interessant: Die Ăpfel sind nicht etwa reich an Polyphenolen wie alte Apfelsorten, sondern enthalten besonders wenig vom Allergen Mal d1.
Auf dieses und weitere allergene Proteine hat das Forschungsteam zahlreiche Apfelsorten untersucht. Zwei davon kreuzten sie und schufen so 30 neue Varianten. Unter diesen stachen zwei besonders allergenarme Apfelsorten heraus â das sind die, die jetzt als PompurÂź verkauft werden. Sie blĂŒhen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, sodass die neuen Apfelsorten fĂŒr Allergiker ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit hinweg angeboten werden können.
Spannend dabei ist, dass sich Umweltfaktoren wie etwa das Wetter auf den Allergengehalt der Apfelsorten im jeweiligen Erntejahr auswirken. Deshalb testete die Forschungsgruppe PompurÂź ĂŒber mehrere Jahre hinweg.
Im Mittelmeerraum sind Pfirsich-Allergien ĂŒblicher, deshalb wird dort aktuell an neuen Pfirsichsorten geforscht.
Lösen die neuen Apfelsorten wirklich keine Allergie aus?
Auch wenn die neuen Apfelsorten gezielt fĂŒr Allergiker gezĂŒchtet wurden, sind allergische Reaktionen möglich. Im Rahmen der VertrĂ€glichkeitsstudie kosteten Probanden erst einmal 30 Gramm der neuen Apfelsorten und warteten dann zehn Minuten auf Anzeichen einer Allergie.
Die Entwickler der Apfelsorten haben fĂŒr Allergiker die Empfehlung, beim Probieren Ă€hnlich vorzugehen:
- ZunĂ€chst die Ăpfel mit den Lippen berĂŒhren, abwarten
- Ein kleines StĂŒck probieren, abwarten
- In kleinen Mengen weiter verzehren
Wo gibt es die Apfelsorten fĂŒr Allergiker?
ZunĂ€chst werden nur 400 Tonnen der neuen Apfelsorten vertrieben â im Vergleich zu einer Million Tonnen Apfel-Gesamternte in Deutschland. Seit dem 15. November sind die PompurÂź-Apfelsorten in ausgewĂ€hlten SupermĂ€rktenerhĂ€ltlich. Falls die Apfelsorten fĂŒr Allergiker gut ankommen, soll die Produktion in den nĂ€chsten drei Jahren auf das Zehnfache ausgebaut werden.
Quellen:
https://www.swr.de/leben/gesundheit/allergiker-freundlicher-apfel-100.html
https://www.chemie.uni-hamburg.de/institute/lc/arbeitsgruppen/buchweitz/forschung/lmc-04-23-4c-kaeswurm-2.pdf
https://rundschau.de/news/apfelernte-uebersteigt-voraussichtlich-1-million-tonnen-marke/












