Mann packt eingeschweißten KĂ€se in roten Einkaufskorb © Stockah / iStock / Getty Images Plus
Ein Blick in den Einkaufskorb zeigt: Besonders Milchprodukte wie KÀse schlagen bei der CO2-Bilanz der ErnÀhrung stark zu Buche.

Umwelt

CO2-BILANZ DER ERNÄHRUNG: TIERISCHE PRODUKTE ALS TREIBER

Was wir essen, hat enormen Einfluss auf unsere CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung. Neue Daten zeigen: Besonders tierische Lebensmittel wie Milch und KĂ€se treiben die Emissionen in die Höhe. Doch Expert*innen halten ehrgeizige Klimaziele fĂŒr die CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung fĂŒr machbar.

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Rund ein Viertel aller mit Konsum in Verbindung stehenden deutschen Treibhausgas-Emissionen geht einer neuen Analyse zufolge auf unser Essen und damit auf die CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung zurĂŒck. Der Konsum von Lebensmitteln in Deutschland verursache pro Jahr etwa 235 Millionen Tonnen (t) CO2-Äquivalente entlang der Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Produktion bis zu den privaten Haushalten, heißt es im Bericht der Denkfabrik Agora Agrar zur CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung. „Etwa 70 Prozent davon entstehen durch den Konsum tierischer Produkte.“

Treibhausgase wirken sich unterschiedlich stark auf das Klima aus und werden der besseren Vergleichbarkeit wegen in CO2-Äquivalente umgerechnet. Konsumbezogene Emissionen sind solche, die dem Konsum von GĂŒtern und Dienstleistungen in einem Land zugerechnet werden – unabhĂ€ngig davon, wo sie global anfallen. Insgesamt kauft eine durchschnittliche Person in Deutschland dem Bericht zufolge etwa 642 Kilogramm (kg) Nahrungsmittel pro Jahr ein, was die CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung maßgeblich prĂ€gt.

Herkunft der Lebensmittel und Emissionen

Nicht alles wird verzehrt, vieles wird weggeworfen. Allein etwa 120 kg entfallen den Angaben zufolge auf Milchprodukte wie Frischmilch, Joghurt und KĂ€se, die stark zur CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung beitragen. Von der benötigten landwirtschaftlichen FlĂ€che liegen rund 55 Prozent in Deutschland und 45 Prozent in anderen LĂ€ndern. Produkte wie Milch, Fleisch oder Brotgetreide stammen ĂŒberwiegend aus Deutschland.

Lebensmittel, die in Dauerkulturen erzeugt werden, wie Oliven, Zitronen oder NĂŒsse, kommen zu einem großen Teil aus dem Ausland. In den vergangenen Jahren seien die Emissionen in den Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller gesunken als in der Landwirtschaft, heißt es von Agora Agrar mit Blick auf die CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung.

Moore und tierische Produkte als Treiber

Setze sich dieser Trend fort, werde der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den grĂ¶ĂŸten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen. Die EntwĂ€sserung von Mooren fĂŒhrt dazu, dass der im Torf gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die AtmosphĂ€re abgegeben wird, was den ökologischen Fußabdruck der ErnĂ€hrung verschlechtert. „FĂŒr die Erzeugung von Nahrungsmitteln entstehen auf landwirtschaftlich genutzten Mooren jĂ€hrlich etwa 27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente“, heißt es im Bericht.

Der hohe Beitrag des Konsums tierischer Produkte an den Emissionen geht vor allem auf drei Faktoren zurĂŒck: Umwandlungsverluste, die Futtermittelproduktion und die Verdauung von WiederkĂ€uern. Dabei entsteht Methan, welches eine rund 30-mal stĂ€rkere Klimawirkung hat als CO2 und die Umwelt massiv belastet.

Von den tierischen Produkten ist der Konsum von Milchprodukten mit den anteilig höchsten Treibhausgas-Emissionen verbunden.

KĂ€sekonsum belastet die Klimabilanz stark

Etwa die HĂ€lfte dieser Emissionen geht auf KĂ€sekonsum zurĂŒck. „Je grĂ¶ĂŸer die fĂŒr die KĂ€seproduktion benötigte Milchmenge ist, desto höher sind auch die Treibhausgas-Emissionen“, hieß es zur CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung. FĂŒr ein kg FrischkĂ€se wĂŒrden etwa 4 Liter (l) Milch benötigt, fĂŒr HartkĂ€se etwa 13 l. Bei pflanzlichen Lebensmitteln geht ein großer Teil der Emissionen auf Herstellung und Einsatz von DĂŒngemitteln zurĂŒck.

„Je grĂ¶ĂŸer die fĂŒr die KĂ€seproduktion benötigte Milchmenge ist, desto höher sind auch die Treibhausgas-Emissionen.“

BerĂŒcksichtigt wurden zudem die Emissionen aus dem Konsum von GetrĂ€nken wie Mineralwasser, SoftgetrĂ€nke, Bier, Tee und Kaffee. Ihre Klimawirksamkeit betrĂ€gt demnach 13,5 Millionen t CO2-Äquivalente. „Der Grund dafĂŒr ist, dass GetrĂ€nke zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, dessen Produktion kaum Treibhausgase verursacht.“

Neuer Indikator fĂŒr Klimaziele gefordert

Die Agora-Agrar-Expert*innen schlagen einen Indikator „Klimawirksamkeit der ErnĂ€hrung“ vor, der die Treibhausgas-Emissionen und die CO2-Bilanz der ErnĂ€hrung pro Person und Jahr darstellt. Über einen lĂ€ngeren Zeitraum erhoben könne er den Beitrag der ErnĂ€hrung zur Erreichung der Klimaziele zeigen.

„Zudem ermöglicht er RĂŒckschlĂŒsse auf die Wirksamkeit politischer Maßnahmen, die auf die Klimarelevanz der ErnĂ€hrung abzielen.“ Derzeit liege der Wert bei etwa 2,8 t CO2-Äquivalenten. Mitte des Jahrhunderts könnten mit ambitionierter Politik etwa 0,7 t pro Person und Jahr erreicht werden.

Als Voraussetzungen sehen die Expert*innen unter anderem an, dass Menschen im Mittel nur noch halb so viele tierische Produkte konsumieren und Moore wiedervernÀsst werden.

Quelle: dpa

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