Aspergillus-fumigatus-Kultur in einer Petrischale: blau-grüner Pelz© Anna_Gavrylova/iStock/Getty Images Plus
Aspergillus fumigatus, eine Schimmelpilzart, ist zunehmend gegen Azol-Antimykotika resistent.

Viren, Pilze, Malaria

RESISTENZEN BREITEN SICH NICHT NUR UNTER BAKTERIEN AUS

Resistenz gegen Antibiotika? Das Problem ist inzwischen ja ein alter Hut. Aber bevor Sie jetzt genervt weiterscrollen: Hier geht es nicht um Bakterien. Auch Viren, Pilze und Parasiten rüsten sich zunehmend gegen unsere Behandlungsmethoden.

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Während Resistenzen gegen Antibiotika zum globalen Problem geworden sind, halten sich Wirkverluste bei anderen antimikrobiellen Wirkstoffen bisher noch in Grenzen. Beruhigen sollte uns das aber nicht. Denn auch Pilze, Viren und Parasiten wehren sich zunehmend erfolgreich. Während Pilzinfektionen häufiger systemisch verlaufen, mehren sich gleichzeitig die Resistenzen. Und auch Malaria und Co. schlafen nicht.

Grund für die Entwicklungen sind wir Menschen selbst. Hier kann die Beratung in der Apotheke helfen, Resistenzen zu vermeiden.

Resistenz – wie funktioniert das eigentlich?

Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe sind komplex. Grundsätzlich gibt es zwei Typen:

  1. Bei der Primärresistenz ist der Erreger von vornherein unempfindlich gegen die Substanz durch eine angeborene Mutation.
  2. Die Sekundärresistenz entwickelt sich unter der Therapie, besonders dann, wenn wirksame Blutspiegel unterschritten oder Behandlungen vorzeitig abgebrochen werden. Die Erreger haben dann die Möglichkeit, sich durch Mutationen oder Genübernahmen gegen nicht resistente Individuen durchzusetzen.

Die Folgen für Infizierte sind bei beiden Resistenzen gleich: Die Behandlung wirkt nicht. Die Erreger vermehren sich weiter.

Resistenzbildung bei Pilzen

Bei Pilzen beruht die Resistenzbildung zum Beispiel auf Mutationen in der Zielstruktur des Wirkstoffes. Diese Mutationen können dessen Wirkung verhindern, was bei den Azolen ein Problem darstellt. Außerdem können Pilzzellen vermehrt sogenannte Effluxpumpen exprimieren, die die Wirkstoffe gezielt aus der Zelle befördern. Eine dritte Methode der Resistenzbildung besteht in der Produktion von Biofilmen. Sie schirmen die darunterliegenden Erreger vor den Wirkstoffen ab.

Pilze besitzen manchmal auch sogenannte springende Gene, die ihre Position im Genom verändern können. Auch diese Eigenschaft kann Grundlage für Resistenzen sein, denn sie erschweren den Angriff von außen.

So verschaffen sich Viren Resistenzen

Viren verdanken Resistenzen in erster Linie ihrer hohen Vermehrungsrate. Denn weil die Kopierenzyme für das Erbgut Fehler machen, mutieren Viren schnell und Resistenzen entstehen zufällig. Vor allem bei HIV ist das seit Jahrzehnten bekannt. Deshalb kommen keine Einzelsubstanzen zum Einsatz, sondern stets Kombinationen.

Wichtig ist, dass die Wirkstoffspiegel stets hoch genug gehalten werden, um die Virusvermehrung effektiv zu stoppen. Daher dürfen möglichst keine Einnahmen vergessen werden.

Außerden sollte die Wirkdauer der Substanzen lang genug sein, um Resistenzen möglichst zu vermeiden. Das gilt auch für die Behandlung von Hepatitis und Herpes. Bei der Abgabe in der Apotheke können Sie hier gezielt beraten.

Gegen HIV kommen oft sogenannte breit neutralisierende Antikörper zum Einsatz. Sie halten die Virusspiegel niedrig, ohne dass dauerhaft antiretrovirale Wirkstoffe nötig sind. Denn gerade der Langzeiteinsatz fördert Resistenzen. Zum Beispiel die Langzeit-Anwendung von Aciclovir bei immunsupprimierten Patienten oder von Wirkstoffen gegen Hepatitis B.

Und so funktioniert es bei Würmern und anderen Parasiten

Auch Würmer und Protozoen erlangen zunehmend Resistenzen durch Mutationen in der Zielstruktur der Wirkstoffe. Im Falle von Malaria hilft nur konsequente Prophylaxe und der Einsatz von Repellenzien und Moskitonetzen.

Unvollständige Therapien befeuern Resistenzen. Gleiches gilt für unkontrollierten, massenhaften Einsatz von Entwurmungsmitteln, auch bei Tieren.

Multiresistente Erreger: nicht nur bei Bakterien ein Thema

Vor allem multiresistente Erreger stellen ein Problem dar. Der Hefepilz Candida auris etwa spricht schlecht auf gängige Therapien an, überlebt auf Oberflächen und verbreitet sich in Kliniken oder Pflegeheimen rasant. Invasive Mykosen können lebensbedrohlich verlaufen und Resistenzen gegen die wenigen Behandlungsoptionen nehmen zu.

Während es bei Bakterien und Pilzen möglich ist, Resistenzen vor Behandlungsbeginn zu erkennen, fehlen diese Testmöglichkeiten oft für Malaria und Würmer.

An Breitspektrum-Antiviralia, die zentrale Schritte im Lebenszyklus aller Viren zum Ziel haben, wird derzeit geforscht. Bis diese zur Verfügung stehen, sollten wir mit unseren vorhandenen Wirkstoffen sorgsam umgehen.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung

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